Sneak Review #73 – Sleepless: Eine tödliche Nacht

Sneak Review #73 – Sleepless: Eine tödliche Nacht

Den wöchentlichen Gang in die Sneak könnte man schon fast als Tradition bezeichen. Die regelmäßigen amerikanischen Neuverfilmungen erfolgreicher europäischer Filme (Ziemlich beste Freunde, Toni Erdmann) ebenso. Auch „Sleepless: Eine Tödliche Nacht“, der neue Krimi-Thriller und zugleich das Hollywood Debüt des schweizer Regisseures Baran bo Odar (Who am I – Kein System ist sicher) ist ein solcher Fall.

Wir beginnen mit einer Verfolgungsjagt. Schnell geschnitten mit Luftaufnahmen einer Stadt. Welche Stadt? Las Vegas. Ist das wichtig? Nein. Wird diese Stadt dennoch weitere 475.385 Mal (grobe Schätzung) durch derartige Drohnenaufnahmen etabliert? Aber sicher doch. Drohnen sind cool und dieser Film ist es auch. Zumindest versucht er, so auszusehen. In jeder verdammten Einstellung.

Handlung eines „Kriminalthrillers“

Man nehme: Einen Cop namens Vincent Downs (Jamie Foxx), der mit seinem Partner (T.I.) krumme Geschäfte macht. In diesem Fall klauen sie Drogen von noch böseren Leuten. Dann geht etwas schief, der Cop wird erkannt und wenig später ist sein Sohn entführt, er hat ein Messer im Bauch und muss die Drogen zurückbringen. Zu den Bösen Leuten, die wiederum von noch böseren Leuten bedroht werden, und so weiter. Bei der geplanten nächtlichen Übergabe im Casino von Bösewicht 1 (Dermot Mulroney) kommt ihm die Ermittlerin für geschmierte Cops (Michelle Monaghan) in die Quere, die Kette aus wer schuldet wem was bricht zusammen und es beginnt ein Kampf.

Aber um was? Das ist eine gute Frage. Die Handlungen der einzelnen Figuren wirken nicht selten einfach nur dumm und nicht nachvolziehbar, so dass an dem Punkt an dem Downs Lügengeflecht zusammenbricht auch die Story des Films kolabiert. Irgendwann schaltet man dann ab, die Figuren werden einem egal und was sie wollen juckt einen dann auch nicht mehr. Dem Regisseure ist das wohl bewusst geworden, weswegen er ab der Hälfte des sämtliche Logik aus dem Fenster wirft und die Handlung sich ins bedeutungslose verirrt.

How-not-to-Remake

Wer vor zwei Wochen „John-Wick 2“ in der Sneak erleben durfte, den werden die halbherzigen Kampfsequenzen kaum mit der Wimper zucken lassen. Die Action wirkt wenig bis gar nicht innovativ. Da ändern auch ein paar umfallende Kameras nichts. Von Ästhetik fehlt hier jede Spur, die Action bietet keine Schauwerte und zieht die eh schon zähe Handlung weiter in die Länge.

Vergleicht man „Sleepless (2017)“ mit dem französischen Original aus dem Jahre 2011 fallen viele Ungereimtheiten auf. Während die titelgebende schlaflose Nacht im Original zu einem wahren Albtraum, mit samt Traumsequenzen, für den Cop wird, verwandelt sich die Nacht bei „Sleepless“ in einen Albtraum für die Zuschauer.

Was den Film rettet sind die Bemühungen von Jamie Foxx und Michelle Monaghan, doch auch sie versagen in Anbetracht eines viel zu überladenen Scripts. Dein bester Freund seit 20 Jahren stirbt in deinen Armen: „Verdammt“. Dazu keine Miene verziehen, wir sind ja in einem coolen Actionfilm. Amerika hat dieser Geschichte nicht gut getan. Es wurden Figuren dazu erfunden, langweilige Action wurde hinzugefügt und eine kompromisslose Dramaturgie ruiniert. Ohne den Film zu spoilern: In der französischen Variante sterben alle wichtigen Figuren und unser Antiheld wird blutüberströmt in ein Krankenhaus geschoben. Ende: offen.

Wie Hollywood die Sache aufgelöst hat, kann sich jeder selbst zusammenbasteln.

„Sleepless: Eine tödliche Nacht“ erscheint ab dem 9. März in den deutschen Kinos.

https://vimeo.com/91763899

FOTO: Open Road Films

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.