PHILIPP-Jahresrückblick: Menschen 2017

PHILIPP-Jahresrückblick: Menschen 2017

Das Jahr 2017 liegt in  den letzten Atemzügen, am Sonntag werden die Geräte abgestellt. Ein letztes Mal Luft holen, ein letztes Mal auf ein Jahr blicken, das in den Augen vielen eine einzige Abwärtsspirale der Menschheit war. Aber es gab auch Gutes im Jahr des Feuer-Hahns: Unsere Redaktion hat ihre Lieblings- Filme, Serien, Bücher, Alben, Reisen und Menschen gesammelt und versucht euch in den letzten Tagen des Jahres noch die eine oder andere Empfehlung für das kommende Jahr des Erde-Hundes auf den Weg zu geben. Heute: Menschen. 

Robert Mueller

»Zugegeben, kaum jemand von uns ist großer Fan des FBI, der amerikanischen Bundespolizei doch unter manchen Umständen sind sie die Guten. Zum Beispiel wenn der ungeheuerliche Verdacht naheliegt, dass sich das Team des amtierenden US-Präsidenten im Wahlkampf mit Mitgliedern russischer Geheimdienste getroffen hat, um seiner Gegnerin Hillary Clinton zu schaden und ihm zum Wahlsieg zu verhelfen. Im Visier der Ermittlungen? Trump selbst, Justizminister Jeff Sessions und sein Beratungsstab mit Schwiegersohn Jared Kushner und andere. Es ist nie eine gute Idee, den Chef des FBI zu feuern wenn dieser gegen dich ermittelt – das ist schon in der Watergate-Affäre schief gelaufen.

Foto: U.S. Federal Government, Gemeinfreies Werk

 Doch dafür gibt es mit dem Sonderermittler Robert Mueller einen „Badass“ in Schlipsanzug, der jetzt mit Vollmachten auch direkt gegen Trump ermittelt. Selbst der mächtigste Mann der Welt muss sich einer Ermittlungskommission des Parlamentes beugen, und das ist ein wichtiger Sieg des Rechtsstaates. Der orangene Clown scheint zunehmend nervös über den Fortschritt der Ermittlungen, die ihm scheinbar immer näher kommen. Wir sind gespannt, was Robert Mueller über den Elefanten im Porzellanladen der Amerikanischen Demokratie noch ans Licht bringen wird.« (Robin)

Malala Yousafzai

»2012 wurde Malala von einem Taliban-Attentäter schwer verletzt. Weil sie sich für das Recht auf Bildung einsetzte wurde aus nächster Nähe auf sie geschossen. Doch das konnte sie nicht einschüchtern: Für ihren Einsatz für Gleichberechtigung und Mädchenrechte bekam sie 2014 den Friedensnobelpreis.

Foto: CC David Levy, unverändert

Seit diesem Jahr ist sie nicht nur die weltweit jüngste Nobelpreisträgerin, sondern auch die jüngste UN Friedensbotschafterin. Und so ganz nebenbei hat sie dieses Semester auch ein Studium an der Oxford University begonnen. Zwischen Aktivismus und Treffen mit Politiker:innen studiert sie dort das Fach „Philosophie, Politik und Wirtschaft“. Für mich ist sie daher eine der inspirierendsten Personen überhaupt.« (Luisa)

Colin Kaepernick

»Colin Kaepernick verdient sein Geld damit einen Football über das Spielfeld zu werfen und zu tragen – jedenfalls hatte er das bis zuletzt. Kaepernick ist nicht etwa meine Person des Jahres, weil er den Superbowl gewonnen hat oder Ähnliches. Dabei hat er wahrscheinlich alle Voraussetzungen dazu ein Champion zu sein. Doch ganz im Gegenteil; wegen seiner Ideale hat Colin Kaepernick zunächst einmal darauf verzichtet der Champion der NFL zu werden. Er solidarisierte sich mit seinen afroamerikanischen Mitbürgern und trug deren Protestbewegung gegen Polizeigewalt und Unterdrückung auf die große Bühne des Profisports.

Foto: CC Mike Morbeck, unverändert

Im Endeffekt kostete ihn das vorerst seinen Job. Heute ist er vereinslos. Vermutlich, weil seine Figur den Vereinsbossen zu problematisch war. Nachgeben kam aber für den Quarterback nicht in Frage. Dafür war ihm der Protest zu wichtig. Dabei ging er lediglich auf die Knie, während die Nationalhymne vor dem Spiel ertönte. Dass sich die amerikanische Gesellschaft über einen solchen friedlichen Protest echauffiert, zeigt ihren stumpfsinnigen Stolz und ihre Kritik-Resistenz. Damit hat Kapernick dazu beigetragen, dass die Illusion des ‚American Dream‘ immer mehr bröselt.« (Marcel)

Gillian Anderson

»Die in England geborene Gillian Anderson ist womöglich weiterhin am besten bekannt durch ihre Rolle in der US-Amerikanischen Serie „The X-Files“, in der sie die FBI Agentin Dana Scully porträtierte. Auch wenn die Schauspielerin seither in mehreren Filmen, Serien und Theateraufführungen mitgewirkt hat und mehrfach Preise für diese Rollen erhalten hat, ist das Schauspiel nicht das Einzige, was die Britin antreibt.

Foto: CC Wikipedant, unverändert

Neben Ihrer Karriere vor und hinter der Kamera, sowie auf der Bühne, engagiert sie sich für Frauen und Mädchen. Überwiegend für ihr Recht auf Bildung, sowie Gleichheit und das Recht gehört zu werden. In diesem Jahr schrieb sie zudem an zwei Büchern mit, die Frauen nicht nur helfen, sondern ebenfalls verbinden sollen. Während in dem einen Buch zwei Seiten mit ihr und einem inspirierenden Eintrag bedruckt sind, hat sie beim zweiten Buch selbst mit geschrieben. Zusammen mit der Journalistin und Aktivistin Jennifer Nadel schrieb sie We: A Manifesto for Women Everywhere welches im März diesen Jahres erschien.« (Milena)

Harvey Weinstein

»Nach vielen lobenden Erwähnungen kommt mit Harvey Weinstein eine Person, die 2017 negativ aufgefallen ist. Harvey Weinstein ist Filmproduzent und gründete mit seinem Bruder die Weinstein Company im Jahr 2005. Im Oktober 2017 berichteten dutzende Frauen, dass sie von Harvey Weinstein sexuell belästigt wurden. Nachdem die Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey am 5. Oktober über mehrere Anklagen wegen sexueller Belästigung, die durch Zahlungen von Weinsteins Firma abgewendet wurden, berichteten, folgten weitere Anschuldigungen und Mitwisserbekundungen aus Weinsteins Umfeld. Die Vorwürfe gingen von sexueller Bedrängung und unangebrachten Aussagen bis zu Vergewaltigungen.

Harvey Sweinstein, 2017. Foto: Pixabay

Nicht nur, dass der Filmproduzent seine Machtposition gegenüber Angestellten und aufstrebenden Schauspieler dem Anschein nach schamlos ausnutzte, der größere Skandal war eigentlich, dass dies wohl kein Geheimnis war. Die Medien, die beteiligten Firmen sowie Regisseure und Kollegen und Kolleginnen der Betroffenen wussten von Gerüchten und einzelne auch von tatsächlichen Vorfällen. Das Ausmaß und das Schweigen der Mitwisser und die Umstände des Schweigens machen diese Enthüllungen so brisant. Die Schauspielerin Alyssa Milano ermutigte daraufhin Frauen, die ebenfalls Opfer sexueller Belästigung durch eine andere Person geworden sind, diese Erfahrungen mit dem Hashtag #metoo zu bekundigen, um das Ausmaß des Problems von sexueller Belästigung aufzuzeigen. Der Hashtag ging daraufhin um die Welt und eine weltweite Diskussion über sexuelle Belästigung in jeder Form wurde entfacht.« (Sebastian)

Das waren unsere ‚Menschen des Jahres‘. Habt ihr noch Vorschläge? Schreibt sie uns einfach unter diesen Beitrag!

FOTO: Pixabay

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.