Sneak Review #76 – Free Fire

Sneak Review #76 – Free Fire

Diese Woche in der Sneak: Jede Menge Bumm Bumm, einiges an Aua Aua und natürlich viel Peng Peng. Das ganze nennt sich dann „Free Fire“ und ist die/das neue Gangster-action-komödie/drama von Regisseur Ben Wheatley.

Boston. 1978. Eine alte Lagerhalle. Unsere Location, für die nächsten 90 Minuten. Ein Waffendeal zwischen einem Händler und IRA (Irisch-Republikanische-Armee) Leuten. Klingt nach dem Beginn eines historischen Gangsterstreifens über den Nordirlandkonflikts, oder vielleicht doch ein simpler Heist-Movie? Aber weit gefehlt. Der Deal ist der Film, der ganze Film. Der Deal und das Scheitern des Deals.

Die Frage nach dem Plot

„Free Fire“ ist ein interesanter Sneak Film. Ohne den Trailer zu kennen weiß man leider nicht was das Ziel des Filmes ist, doch dazu später mehr. Man fragt sich (die ersten 30 Minuten zumindest) ob denn noch etwas passiert außer nuschelnde Kriminelle dabei zu beobachten wie sie sich beleidigen. Und tatsächlich: Plötzlich schießen sie aufeinander und beleidigen sich dabei.

Unter den Akteuren dieses Kammerspiels sind u.a. Brie Larson und Cillian Murphy, zu viele um sie alle beim Namen zu nennen. Was schnell deutlich wird, die Intention des Filmes: Einen kultigen Film zu machen mit abgedrehten Figuren und noch abgedrehteren Dialogen. Das klappt auch stellenweiße, die Figuren werden zu Charikaturen ihrer selbst und viele Sprüche sind einfach lustig. Aber an einem scheitert Ben Wheatley: Dem Kult.

Waffen + Dialog – Handlung = Tarantino?

Es wirkt fast so, als ob sich jemand nochmal die ersten Tarantino Filme angeschaut hat und diese simple Formel daraus entwickelt hat. Und statt die Handlung nebensächlich zu machen wird bei „Free Fire“ einfach komplett darauf verzichtet, was es dem Zuschauer schwer macht Sympatien für die skurill-lustigen Figuren zu entwickeln. Dies führt schließlich zur gemächlichen Orientierungslosigkeit, sowohl auf dem Bildschirm alsauch in den Zuschauerrängen. Gepaart mit relativ hektischen Aufnahmen und dutzenden Schüssen die ins Leere gehen die den Spannungsbogen merklich durchhängen lassen. Dass hier keiner gewinnen wird ist schon vom ersten Schuss an klar und so bleibt sich der Film auch bis zur letzten Sekunde treu.

Und da sind auch die Stärken des Films. Er bleibt konsequent. Seine Botschaft ist deutlich erkennbar, zu deutlich für meinen Geschmack, die Charaktere sind mit einem sehr bunten Stift gezeichnet und die Tode erfrischend detailreich gestaltet.

Der typische Festivalfilm

Dieser von Martin Scorsese mitproduzierte Streifen schafft dem Geschmack eines jeden Festivalgängers zu schmeicheln. Er ist anders (sehr wichtig), brutal (seit kurzem wichtig), stammt von einem von Kritikern gefeierten aber an den Kinokassen eher erfolglosen Regisseur (enorm wichtig) und bleibt sich bis zur letzten Aufnahme hin treu. Die logische Konequenz ist ein Film, über den Leute in 10 Jahren entweder sagen „WAS DU HAST DEN NOCH NICHT GESEHEN?“ oder in einem Jahr „Wer spielt da mit? Nie davon gehört“.

„Free Fire“ startet ab dem 6. April in den deutschen Kinos

FOTO: StudioCanal

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.