Das Winterloch

Das Winterloch

Die Feiertage sind begangen, die ersten  Vorsätze halten noch, der Zauber des neuen Jahres ist vergangen, es ist mal wieder: Winterloch.

Winterloch, was ist das? Werdet ihr euch sicher fragen. Hat der Patrick wiedermal den Glühwein nicht vertragen? Schöner Reim, wenn auch geklaut. Schaut euch um, ihr befindet euch längst im Winterloch. Marburg ist wie das Wasser vom letzten Hochwasser einfach stehen geblieben. Am Wochenende bleiben die Partys aus und die Bibliotheken füllen sich langsam mit besorgten Student:innen mit Prüfungsängsten. Wie soll man es denn schön reden: Wir haben keine Themen gefunden.

Alle sind in sich gekehrt

Freunde haben keine Zeit, sie sind jetzt im Fitnessstudio oder versuchen ihren Vertrag aus dem letzten Jahr noch immer zu beenden. Während man im Sommerloch noch nach Draußen gehen konnte sind gerade alle mit sich selbst beschäftigt. New year, new me. Kein us eben. Wer im Winterloch leben will muss sich entweder mit sich selbst beschäftigen oder Teil einer homogenen Masse werden. Selbst die Politik enttäuscht. Neujahrsfreffen nach Neujahrstreffen, die immer gleichen Gesichter wechseln mal wieder durch. So muss Berlin sein. Alle Parteien reden von Projekten, keiner macht wirklich etwas. Bald aber, dann kommt was! Mütter-Rente, Bürgerversicherung, konservative Revolution, ein Mode-Blog, alles fest geplant, wenig konkret aber irgendwie schon da. Also als Idee.

Plötzlich will alles hinterfragt werden. Klimaziel, die mentale Stabilität des US-Präsidenten, die #metoo-Debatte. Im Sommerloch schicken wir unser Hirn für ein paar Wochen in den Süden, im Winterloch lassen wir es durchdrehen vor Langeweile. Am Wochenende lockt uns nichts mehr vor die Tür. Dass die Nächte langsam wieder kürzer werden scheint noch die tagesaktuellste Neuigkeit zu sein.

Dem Winterloch entkommen

Versucht es nicht. Das scheint demotivierend, doch bleibt es der einzige Weg. Im Winterloch passiert nichts, wer etwas erwartet, wird enttäuscht. Wartet nicht auf besseres Wetter oder einen volleren Terminkalender, begrabt euch im Privaten. Geht mit euren Freunden trinken, kochen  oder unter, ihr verpasst gerade nichts. Zumindest nicht hier. So langweilig es auch klingt, im Januar bleibt Zeit euch aufzuräumen. Die hektischen Feiertage liegen hinter euch, ein neues Jahr vor euch. Dass ihr mit voller Energie ins neue Jahr startet sollte niemand von euch erwarten, es hat sich genug angestaut das erst Mal weg muss. Anders als im Sommerloch dreht sich die Welt im Winterloch weiter. Niemand hat frei, niemand geht in den Urlaub. Warum sich das alles gerade so träge anfühlt versteht niemand so genau. Morgen wird vielleicht alles anders, morgen passiert vielleicht mal was Neues, was Unerwartetes. Oder vielleicht auch nicht. Aber dann ist ja immerhin bald Fasching.

Foto: Pixabay.com

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.