Sneak-Review #107 – No way out: Gegen die Flammen

Sneak-Review #107 – No way out: Gegen die Flammen

Filme über wahre Begebenheiten sind ein Dauerbrenner des amerikanischen Kinos.  Von den Ereignissen aus Detroit im Jahr 1967, bis zur Deepwater Horizon Katastrophe 2010, die Abstände zwischen Ereignis und Verfilmung werden kürzer. „No way out“ erzählt die Geschichte rund das ‚Yarnell Hill Fire‘ aus dem Jahr 2013.

Natürlich erzählt Regisseur Joseph Kosinski nicht die Geschichte des Brandes. Er legt den Fokus auf die 20 Männer, die sich den Flammen entgegen stellten. Der Film erzählt von ihrem Leben, ihren Familien, ihrem Zusammenhalt und von ihrem Mut. Wer wie ich dummerweise das ‚Yarnell Hill Fire‘ nach Erscheinen des Trailers vor ein paar Monaten googelte, wird zwar wenig überrascht aber doch mitgenommen das Kino verlassen.

Starke Figuren

Wer einen Film über einen Großbrand dreht, läuft schnell Gefahr sich den Schauwerten hinzugeben. Meterhohe Flamen, Charaktere mit wenig Tiefe und eine Handlung, die nur auf das eine unausweichliche Hollywoodende hinarbeitet. Ein rußgeschwärzter Feuerwehrmann, der ein kleines Kind aus den Flammen, in die Arme seiner dahinschmälzenden Mutter übergibt. Ein gerechter und moralischer Held, ein Kirk Douglas Abklatsch eben.

Doch die Granite Mountain Hotshots sind keine Strahlemänner. Sie, allen voran ihr Chef Eric Marsh (Josh Brolin), haben Licht und Schattenseiten. Das macht ihre jeweiligen Motivationen glaubhaft und baut notwendige Sympathien beim Zuschauer auf. Wie gelungen die Entwicklungen der einzelnen Figuren gelingt wird am deutlichsten bei der des Brendan McDonough (Miles Teller). Anfangs geht er einem noch ständig auf die Nerven und man fragt sich, was er in dem Film verloren hat. Am Ende hat man ihn dann ins Herz geschlossen und man fragt sich, wann aus der nervigsten Figur plötzlich die  sympathischste wurde. Hervorzuheben ist die Leistung Josh Brolin, der in der Rolle der kinderlosen Vaterfigur für ’seine Jungs‘ geradezu aufgeht. Er wiedersetzt sich seinen Vorgesetzten und geht seinen Weg, ein John Wayne-Typ eben.

„No one could be prouder“

 „No way out“ ist ein Denkmal für die Männer der Granite Mountain Hotshots. Natürlich enthält ein solcher Film Pathos und einige Ecken und Kanten. So sind Denkmäler eben. Doch halten sich patriotische Bilder und Reden in Grenzen, was den Film von anderen seiner Art auf angenehme Weise unterscheidet. Selbst leicht überzeichnete Darstellungen von Männlichkeit und Brüderlichkeit verzeiht man der Geschichte. Lediglich in den Gesprächen mit ihren Frauen fallen Klischees in der Sprache auf, die dann doch etwas an der Glaubwürdigkeit des Ganzen kratzen.

 Stellenweise bleibt die Handlung recht vorhersehbar, ein Schicksal von ‚wahren Begebenheiten‘. Doch gelingt es mit dem Schicksal der Hotshots gelungen umzugehen. Die eigentliche Katastrophe nimmt nur wenige Minuten des Films ein, die restliche Zeit wird darauf verwendet die Männer und Frauen dahinter kennenzulernen. Der Abspann mit Bildern der echten Hotshots und deren Familien rundet das Denkmal schließlich ab.

„No way out: Gegen die Flammen“ erscheint am 3. Mai in den deutschen Kinos.

Foto: Sony Pictures

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.