Sneak-Review #106 – Midnight Sun

Sneak-Review #106 – Midnight Sun

Bei der ersten Sneak nach den Oscarverleihungen sind die Hoffnungen auf ein Stück hochkarätiger und extatischer Schauspielkunst groß. Und was gibt’s stattdessen? Yay, den Teenie Film Midnight Sun. 

Worum geht’s? Katie Price (Bella Thorne) ist 17 Jahre alt und leidet an Xeroderma pigmentosum, kurz XP. Ihre Mutter ist früh verstorben und ihr Vater (Rob Riggle) liebt seine Tochter über alles und versucht diese natürlich zu beschützen. Da sie auf Grund ihrer Krankheit nie tagsüber nach draußen darf, versucht sie das Beste aus ihrer Situation zu machen. So beobachtet sie die Welt von ihrem Zimmer aus, während sie Songs schreibt.

Ein Mensch, der ihr dabei ihr Leben versüßt, ist Charlie (Patrick Schwarzenegger, ja das ist tatsächlich Arnis‘ Sohn), der fast täglich an ihrem Haus vorbeikommt. Und ja, sie verliebt sich natürlich in ihn und sie werden ein Paar. Und ja, es kommt zu einem lifechanging Ereignis, dass eigentlich unvorhersehbar sein soll, es aber doch ist, wie der Kater am nächsten Morgen. Ein Fluch, wenn sich die Kleinen im Teeniealter befinden und wider Willen der Eltern flügge werden. Und das Ende? Naja, ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber die Krankheit ist auf jeden Fall tödlich.

„Doch, sie ist ein Vampir.“

Danke kleines Mädchen am Anfang des Films, das habe ich zwar nicht gedacht, mir aber insgeheim als abgefahrenen Plottwist erhofft, mit einem blutvergießenden Van Helsing und Katie als Königin der Vampire oder so ähnlich. Die Enttäuschung war dementsprechend groß, aber die Stimmung im Kinosaal dafür grandios. Dazu folgendes Beispiel: Es wird romantisch. Charlie und Katie gehen spazieren. Am Himmel leuchten die Sterne in einer warmen Sommernacht. Man spürt förmlich, wie einem die sanfte Meeresbrise das Gesicht streichelt. Beide stehen nun auf einem Steg im örtlichen Segelhafen und sind so unfassbar verliebt. Plötzlich entgegnet Charlie mit seinem, im Film typischen, sehr merkwürdigen Grinsen: „Willst du mal was cooles sehen?“ Haltloses Gelächter im Kinosaal. Ihr seid doch alle echt versaut!

Jedes Teenie Alterego würde spätestens jetzt entgegnen: „Hey, das ist doch voll süß von ihm! Er will ihr doch nur das Segelboot zeigen.“ Merkst du was? Es wird nicht besser. Achja, und dann war da noch dieser Typ, der nach der Moderation die Treppe hochgefallen ist. Bro, ich hoffe du hast dir nicht wehgetan, aber dieser Anblick hat sich so in meine Netzhaut eingebrannt, dass ich den ganzen Film über innerlich kichern musste. Ja ist vielleicht gemein, doch um das ignorieren zu können, muss ein Film wirklich etwas anständiges vorweisen. Aber hey, du hast ja auch gelacht.

Ich bin zu alt für diesen Kram

Doch zurück zum Thema. Ist der Film gut? Nein, weil ich nicht 14 bin. Warum ich so zynisch bin, obwohl eine seltene und tödliche Krankheit zur Sprache kommt? Weil ich mir zu dem Thema dann doch lieber eine Doku ansehe. Vor allem diese unfassbar peinlich berührten Dialoge, wo man einfach nur das Gesicht in den Händen vergräbt. Wie, als Katie zum ersten Mal auf Charlie trifft: „Ich muss zu meiner Katze.“ „Zu deiner Katze?“ „Ja, sie ist tot.“ So reden Teenager also, wenn sie die Liebe ihres Lebens treffen, nicht wissen was sie sagen sollen und dann schnell das Weite suchen? Riggs, ich bin definitiv zu alt für diesen Kram.

FOTO: AMC Theatres

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Über den Terry Gilliam einmal sagte: "Wer zum Teufel ist das?"
Studiert Kunst, Musik und Medien. Lebt zu einem großen Teil für Künste jeglicher Art. Wenn er mal groß sein sollte ist eine Karriere als Gangster-Rapper eher unwahrscheinlich.