Sneak-Review #64: Hell or High Water

Sneak-Review #64: Hell or High Water

Zwei Brüder und kein Ausweg. In „Hell or High Water“ von David Mackenzie seht ihr was Geld anrichten kann. Eine gesunde Mischung aus Drama und Crime mit einem spektakulärem Showdown, der so einige Überraschungen bereithält.

„Etwas Falsches tun um etwas Richtiges zu erreichen.“ Das war bei diesem Mal der Hinweis für die Sneak Preview. Klingt erst mal nach einer schnöden Dilemma Geschichte wie ich sie früher im Religionsunterricht immer und immer wieder durchkauen musste. Getreu dem Motto „du spickst um die Prüfung zu bestehen.“ Yapp, we all have been there. Und dann kommt dieser Film und du weißt, dass dein Verhalten irgendwie doch einigermaßen annehmbar ist.

„It’s too big. That’s what she said.“

Denn das, was die Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) moralisch betrachtet machen, ist eigentlich falsch: sie rauben Banken aus. Warum sie das tun? Die Farm der Familie ist hochverschuldet und soll deshalb an die Bank zurückfallen. Dass der Tod der Mutter dabei eine Rolle spielt sollte aus dramaturgischen Gründen nicht unerwähnt bleiben. Und schon wird klar, dass die Brüder sich in einer aussichtslosen Situation befinden. Als schließlich Texas Ranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) sich des Falls annimmt und die Fährte der Beiden aufnimmt, bringt das noch einmal deutlich mehr Schwung in die Kiste.

Die Überfälle sind die einzige Option die Farm zu retten und Tobys Söhnen und seiner Exfrau eine Perspektive in einer Gesellschaft zu bieten, die unter der Fuchtel des Geldes der Banken steht. Und deshalb die Frage: Was würdest du tun? Selbst ohne ein texanisches Landei zu sein kennt man die Atmosphäre dieses Staates. Trostlose und unendliche Weiten, echte Menschen mit echten Waffen und derben Sprüchen. So wie man sich eben das Land der Cowboys vorzustellen hat.

It’s all about the money.

Der Film beginnt mit einem Knall und endet, ohne viel vorwegnehmen zu wollen, so unberechenbar wie Tanner. Zwischendrin eine Handlung bei der man sich manchmal um Langeweile Sorgen machen muss, aber dabei gezwungen wird sich mit den ganz individuellen Charakteren auseinanderzusetzen. Beim zweiten Blick ein geschickter Schachzug, der den Film in seiner Gesamtheit zu etwas Besonderem macht. Manchmal muss man lachen, wenn die Protagonisten ihre Sprüche klopfen und denkt dann doch sehr häufig: Darf ich das? Schließlich sterben Menschen.

Und so gelingt hier ein Film mit hohem Unterhaltungswert mit einer überzeugenden und plausiblen Story. Geld ist eine ernste Sache, die manche Menschen zu etwas Unberechenbaren formen kann. Doch am Ende bleibt eine ganz entscheidende Frage: Wie weit würdest du gehen, wenn deine Familie am Rande des Abgrunds steht?

„Hell or High Water“ erscheint am 12. Januar 2017 in den deutschen Kinos.

FOTO: CBS Films

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Über den Terry Gilliam einmal sagte: "Wer zum Teufel ist das?"
Studiert Kunst, Musik und Medien. Lebt zu einem großen Teil für Künste jeglicher Art. Wenn er mal groß sein sollte ist eine Karriere als Gangster-Rapper eher unwahrscheinlich.