Sneak Review #65: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

Sneak Review #65: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

Wie jeden Dienstag ergründen wir auch 2017 weiterhin die Frage „Sneak oder Sixpack?“, und ihre Variationen. Die Antwort dieses Mal: Sneak. Mit „Unerkannte Heldinnen“ (OT: „Hidden Figures“) von Theodore Melfi und Allison Schroder hat sich der Kinobesuch eindeutig gelohnt.

„Unerkannte Heldinnen“ ist ein Biopic basierend auf einer wahren Geschichte aus den 1960er Jahren, die Margot Lee Shetterly Anfang 2016 in einem Sachbuch heraus brachte. Die Geschehnisse im Film passieren in einer etwas für Hollywood-typische Dramaturgie abgewandelten Timeline, sind jedoch abgesehen davon korrekt.

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau ?

Flashback in die USA der 1960er Jahre. In ein Land und eine Zeit, in der einzig und allein weiße Männer das Sagen haben. Frauen, selbst intelligente, sind bestenfalls Sekretärinnen und dürfen ihren eventuellen Genius nur versteckt „ausleben“. Doch sie existieren. Einige davon arbeiten sogar für die NASA. Afroamerikanische Frauen, die auch noch was in der Birne haben, gibt es auch. Auch sie arbeiten für die NASA, sollten ihre Talente dies erlauben. Im Gegensatz zu ihren weißen Kolleginnen jedoch eher im Geheimen, noch weniger Gehalt und schlechteren Arbeitsbedingungen. Wie hochintelligente Gespenster rechnen sie weit weg vom Kern des Geschehens in einem fensterlosen Loch.

In „Unerkannte Heldinnen“ geht es um sogenannte „colored computers“. Damit sind nicht die ersten bunt angemalten Rechenmaschinen gemeint, sondern menschliche Rechnerinnen aus Fleisch und Blut. Hauptfigur Katherine G. Johnson (Taraji P. Henson) ist die talentierteste Rechnerin dieser „colored computers“. Ihre Freundinnen und Kolleginen Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Mary Jackson (Janelle Monáe) sind ebenfalls höchst begabt in allem was mit Zahlen so zu tun hat. Sie arbeiten und kämpfen jedoch in anderen Bereichen. Dort, wo der weiße Mann ohne Schwarzarbeit (haha) nicht mehr weiterkommt.

Der Wandel beginnt schleichend, als Katherine zum Hauptsitz der männlichen, weißen Rechner, Verzeihung, Mathematiker hochberufen wird, wo sie auf den nur auf das Gewinnen des „space race“ konzentrierten Direktor der Space-Task-Force Al Harrison (Kevin Costner) und seinen Schoßhund Paul Stefford (Jim Parsons) trifft. Mary landet bei den Ingenieuren, wo sie mit einem aus Polen emigrierten Juden (woah! Seine Vorfahren hatten ähnliche Probleme, aber jetzt ist er weiß in Amerika und steht vor Raketen: Olek Krupa aka Karl Zelinski) arbeiten kann, der sie inspiriert, über die ihr auferlegten Grenzen hinauszuwachsen. Dorothy strebt in der Zeit eine Position als Supervisorin der „colored computers“ an, wird jedoch kontinuierlich und mit hängenden Mundwinkeln von ihrer Chefin Vivian Mitchell (Kirsten Dunst) abgewiesen. Aus den immer gleichen Gründen.

Spoilers ahead, but not really

Katherine, Mary und Dorothy arbeiten im Verlauf des Films selbstverständlich daran, ihren Aufgaben und Zielen trotz ungerechter Behandlung gerecht zu werden und ihre Gleichwertigkeit mit kaukasischen „Kollegen“ unter Beweis zu stellen. Und das erfolgreich: Katherine ist die begnadete Mathematikerin, als die sie gehandelt wird und darf als erste Frau und erste Afroamerikanerin an Meetings teilnehmen, die bisher der Chefetage der NASA und dem Militär vorbehalten waren. Mit ihrer Hilfe wird ein Mensch um den Orbit geschickt. Mary erwirkt vor Gericht, dass sie in einer Highschool für Weiße an Kursen teilnehmen kann, damit sie Ingenieurin bei der NASA werden kann. Dorothy lernt einfach schnell ihren „Ersatz“, einen der ersten IBM-Computer, zu programmieren und erwirkt, dass sie und „ihre Girls“ die Taskforce für diese werden. Sie wird die erste afroamerikanische Supervisorin bei NASA. Am Ende bringt sie schließlich sogar weißen „computers“ das Programmieren bei.

„There’s no protocol for women attending.“
„There’s no protocol for man circling the earth either, sir.“

Das Biopic regt dazu an, sich weiter mit dem Thema auseinander zu setzen, denn herausragende Leistungen von Frauen, besonders von afroamerikanischen, werden noch heute oft erst in Universitäten gelehrt, wenn überhaupt. Dabei sollten die Geschichten wie beispielhaft die der „colored computers“ im Allgemeinwissen verankert sein. „Unerkannte Heldinnen“ liefert einen wichtigen Beitrag dazu.

Es geht darum, wie präsent Rassismus und Sexismus noch vor wenigen Jahrzehnten waren und wie wichtig eine bestimmte Optik für beruflichen Erfolg war und ist. Besonders in Anbetracht der aktuellen politischen Lage in Amerika und auch weltweit, ist es lobenswert, an Persönlichkeiten wie Katherine G. Johnson, Mary Jackson und Dorothy Vaughn zu erinnern. Vielleicht ist der Film deshalb genau in richtigem Maße weichgezeichnet und die Geschichte hollywoodisiert genug.

„Unerkannte Heldinnen“ erscheint am 02. Februar 2017 in Deutschland.

https://www.youtube.com/watch?v=vOvhco7an14

Bis dahin weiterlesen: Margot Lee Shetterly – „Hidden Figures: The American Dream and the Untold Story of the Black Women Mathematicians Who Helped Win the Space Race“

Foto: Foxmovies.com

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Studiert Kunst, Musik und Medien und bereitete sich darauf mit Wörtern, Dreck und tiefgründigen Gesprächen über Taubenkacke vor. Russischer Import, in Berlin kultiviert.
http://kitarsis.wordpress.com