Sneak-Review #31: A Bigger Splash

Sneak-Review #31: A Bigger Splash

Und auch diese Woche fragen wir wieder: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder wäre das Geld in ein Sixpack kaltes Bier an der Lahn besser investiert gewesen? Diesen Dienstag in der Sneak: Das Krimi-Drama „A Bigger Splash“, eine italienisch-französische Produktion von Luca Guadagnino.

Zuallererst: Der Film fährt hochkarätiges Personal auf und eröffnet auch gleich mit dem nackten Körper von Tilda Swinton, die mit Ralph Fiennes den narrativen Hauptstrang des Films antreibt. Ebenso wichtig: Matthias Schoenarts und Dakota Johnson. Dazu kommen eine schöne Landschaft und fancy Nahaufnahmen. Die Sonne scheint, die Natur blüht vor sich hin, alle sind so nackt, wie sie es sein können. So weit, so gut. Man könnte meinen, mit dieser Sneak Glück gehabt zu haben, und gleich einen guten Film mit guten Bildern zu bekommen, von dem man vielleicht noch ein paar Lektionen fürs Leben mitnimmt. Spoiler Alert: Meh.

„You’re pretty domesticated for a rock star.“

„A Bigger Splash“ ist eine lose Adaption des 1969er Filmklassikers „La Piscine“ mit Alain Delon und Romy Schneider, welcher wiederum eine Buchverfilmung des gleichnamigen Romans von Alain Paige ist. Es geht um Liebe, um Leidenschaft, und – naja – um Wasser. Marianne (Tilda Swinton), ein großer Rockstar, und ihr Partner Paul (Matthias Schoenarts) verstecken sich auf einer kleinen italienischen Insel im Mittelmeer vor der Welt und genießen die Nacktheit, die eine zentrale Rolle in „A Bigger Splash“ spielt und möglicherweise auch grundsätzlich in Tilda Swintons Filmen. Bei Marianne ist kürzlich eine Stimmband-Operation durchgeführt worden, und Paul scheint um ihrer und der Liebe willen bei ihr zu sein. Erst später deutet sich an, dass Paul einen Entzug hinter sich hat. Durch einen Anruf wird die Ruhe durchbrochen und schon landet auch das Flugzeug, welches das Drama und im Anhang etwas für die Fleischbeschauungslust jüngerer Zuschauer bringt: Harry (Ralph Fiennes) und seine Tochter Penelope (Dakota Johnson).

Harry ist ein rüpelhafter, doch charismatischer Kokskopf, gleichzeitig Mariannes Produzent und Ex-Liebhaber. Er läutet seine Ankunft ausgesprochen symbolisch damit ein, gegen ein Grab zu pissen, während seine Pixie-Dream-Girl-Tochter lasziv durch die Gegend schaut und mit den Augen rollt. So gezwungen subtil, dass es wieder offensichtlich ist, baut der Regisseur den Plot sehr, sehr langsam und mit vielen, vielen Nippel- und Lendenbereich-Aufnahmen darauf hin, dass nicht einfach nur Freunde des Paares zu Besuch sind und sich ein bisschen Urlaub abgreifen. Oh nein, Harry liebt Marianne immer noch, und sie ihn auch. Irgendwie. Durch kurze Rückblenden stellen wir jedoch fest, dass beide Gift für einander waren. Oh-oh. Das Vater-Tochter-Verhältnis wird zwischenzeitlich auch noch sexualisiert, aber das nur am Rande. Denn natürlich verführt die kleine Nixe Paul, oder bietet sich ihm zumindest so dar, dass er eine Aura sexueller Befriedigung ausstrahlt. Parallel nutzt Harry die Zeit, die Paul und Penelope womit auch immer füllen, um ein letztes Mal (?) mit Marianne intim zu werden. Nach diesem Punkt – nach 1,5 Stunden – platzt endlich der Knoten und die sehr antizipierte dramatische Wendung passiert. Obgleich vorhersehbar und für einen so nah an der Realität spielenden Film unrealistisch: Sie passiert.

Die Wendung spoilern wir mal lieber nicht, vielleicht wollt ihr euch ja noch selbst ein Urteil bilden

Nun denn, „Sixpack oder Sneak?“ ist hier die Frage. Und die Antwort lautet: Sixpack. Auch wenn der Plot sich vielversprechend anhört, die Rollen mit guten, eindeutig fähigen Schauspielern gefüllt wurden und die Szenerie einer kleinen italienischen Insel Potenzial für viele schöne Aufnahmen hat, durfte das Kinopublikum letztlich am Dienstag zwei Stunden und fünf Minuten einem Darth-Swinton-Appreciation-Softporno beiwohnen und zu viele Pimmel sehen. Nichts gegen Tilda Swinton oder Ralph Fiennes und den Rest, aber der Film ist trotzdem nur etwas für Liebhaber und veralbert sich selbst durch viel zu überspitzte pseudoexistenzialistische Szenen, Dialoge, Aufnahmen und die Musikauswahl.

Meine Güte, die Musikauswahl! Und erst die Filmfehler und unnötigen Kameraeinstellungen und -effekte! Und all die unnötigen Szenen, die die Handlung nicht vorangetrieben haben, sondern das Sitzvergnügen ausschließlich Minute um Minute in die Länge gezogen haben! Don’t get me started.

„A Bigger Splash“ kommt am 5. Mai in die deutschen Kinos.

FOTO: Studiocanal Filmverleih GmbH

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Studiert Kunst, Musik und Medien und bereitete sich darauf mit Wörtern, Dreck und tiefgründigen Gesprächen über Taubenkacke vor. Russischer Import, in Berlin kultiviert.
http://kitarsis.wordpress.com

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