Theater Review #8: Yvonne, Prinzessin von Burgund

Theater Review #8: Yvonne, Prinzessin von Burgund

Letzten Samstag erlebten wir die Premiere von „Yvonne, Prinzessin von Burgund“, dem Theaterstück von Witold Gombrowitz im Theater am Schwanhof, nach der Übersetzung von Olaf Kühl. In der Rolle von Yvonne steckt wiedermal wunderbar besetzt der gar nicht mal so feminine Karlheinz Schmitt, ihr Counterpart ist der liebreizende und leicht neurotische Prinz Philipp, Fips, verkörpert von Moritz Pliquet. 

Die Komödie von 1933 ist eine fabulöse Parodie auf beispielsweise Shakespeareschen Pathos: Nach Abschluss eines weiteren langweiligen, mit ehrenvollen Taten gefüllten, sonnigen Tages sinniert Prinz Philipp über das Leben, die Liebe und den ganzen Sinn dahinter. Er, der Prince, wie er und seine Freunde ihn nennen, hat genug von schönen Frauenzimmern, die ihn umgarnen. Er wird ob der Ödnis des schönen, doch monotonen Hoflebens immer unzufriedener. Es muss doch mehr im Leben geben! Der Prince findet ein Horoskop und wie so oft prophezeit es …ähem… die Wahrheit.

„Ihr Motto des Monats: W T F“

Da kommt auch schon Yvonne ins Spiel. Sie schlurft ihren Tanten hinterher, trübe, träge, trostlos, beige sogar. Ganz und gar unaufregend und unattraktiv. Mal was ganz Neues am Hofe! Natürlich verspottet der Prince sie eingangs mit seinen zwei goldfischähnlichen Freunden, aber nach und nach kommt ihm eine Idee, eine Eingebung. Er könnte Yvonne zu seinem Projekt, seinem Spielzeug machen. Er könnte Yvonne eigentlich auch gleich heiraten! Zuerst nimmt ihn selbstverständlich niemand ernst: Dieses Scheusal heiraten? Lächerlich! Aber dem trotzigen Prinzen wird es immer ernster, Yvonne erweckt zunehmend seine Neugier, vielleicht sogar eher wissenschaftliches Interesse. Er kann sie nicht durchschauen, aber es muss doch viel mehr hinter der blassen Fassade stecken, oder nicht?

„Weißt du, sie ist nicht einmal so unschön, nur hat sie in ihrer Konsistenz ein gewisses unglückliches Element.“

Prince Philipps königliche Eltern akzeptieren schließlich die Verlobung und Yvonne zieht ins Königshaus ein. Es solle freilich kein Skandal entstehen und sicherlich werde sich der Prince früher oder später (hoffentlich früher) langweilen und zur Besinnung kommen. Yvonne wird nicht gefragt. Aber Yvonne spricht auch eher weniger, eigentlich gar nicht. Anfangs lässt die uncharismatische Protagonistin den Prinzen noch mit einem positiven Gefühl zurück und er fühlt sich edler und prinziger. Bis sie sich doch in seinen laut gedachten, in Dialog mit seinen besten Freunden besprochenen, beinahe wissenschaftlichen Untersuchungen, endlich. mal. äußert. Ein Kreis sei es, jeder tue immer das gleiche! #justyvonnethings. Die Freunde sinnieren weiter, Yvonne schweigt wieder. Ab irgendeinem Punkt wird Yvonnes Schweigen lauter als die Gesamtheit des Gesagten.

Yvonne? More like Iiiih-vonne.

Yvonne verliebt sich, der Prinz verzweifelt, dreht Stück für Stück ein bisschen durch, von Messern ist die Rede. Je mehr Menschen aus dem Dunstkreis des Hofes Yvonne kennenlernen, desto mehr bringt Yvonnes kontinuierliches Schweigen diese dazu, zu viel zu erzählen. Es folgen mehr und mehr Offenbarungen über die vermeintlich geheimen Makel des Hofstaates, und Yvonne schweigt. Es spitzt sich zu, der Plot verdreht sich, alle drehen durch. Wird die Hochzeit etwa tatsächlich stattfinden? Yvonne schweigt. Manchmal lächelt sie mittlerweile. Yvonne muss weg!

„Hässliche Frauen steigen einem, wenn man ihnen zu nahe kommt, mitunter mehr zu Kopf als hübsche.“

So ist es auch mit diesem Stück. Obwohl, nun, es ist ja gar nicht hässlich. Es wird Hässlichkeit dargestellt. Kann Hässlichkeit gefährlich sein? Ist Yvonne überhaupt so hässlich? Unkonventionell ist sie, darauf können wir uns einigen. Es muss doch auch nicht immer schön sein. Schön was bedeutet das überhaupt? Yvonne ist wie ein abstraktes Kunstwerk in Beige, irgendwann sieht man Strukturen, Seele, Zusammenhänge.

Und natürlich schließt Hässlichkeit Unterhaltung nicht aus: Selten wurden in kürzester Zeit so viele Wortwitze gebracht. Flache dazu noch! Und ich kenne WGs, die eigens Kassen dafür haben. In diesem Sinne: Seid hässlich! Seid schön! Seid beige oder irgendwas dazwischen! Seid was immer ihr wollt, aber geht euch „Yvonne, Prinzessin von Burgund“ anschauen.

Ps.: Macht vorher eure verdammten Handys aus.

Besetzung: Karlheinz Schmitt, Thomas Streibig (a.G.), Susanne Schäfer (a. G.), Moritz Pliquet (a. G.), Artur Molin, Victoria Schmidt, Maximilian Heckmann, Thomas Huth, Roman Pertl

Regie: Sascha Nathan Assistenz: Lidia Feil Bühne und Kostüme: Richard Fulton Musikalische Leitung: Michael Lohmann Dramaturgie: Matthias Döpke

Die nächsten Aufführungen sind am 12.04. (HEUTE), 13.04., 30.04, 04.05.2017, 23.05. und 27.05.2017, jeweils um 19:30 im Theater am Schwanhof.

FOTO: Jan Bosch

Xenia Kitaeva

Studiert Kunst, Musik und Medien und bereitete sich darauf mit Wörtern, Dreck und tiefgründigen Gesprächen über Taubenkacke vor. Russischer Import, in Berlin kultiviert. http://kitarsis.wordpress.com