Sneak Review #77 – Bleed for this

Sneak Review #77 – Bleed for this

Diese Woche waren wir in der späten Sneak, 23 Uhr. Dort lief ein klischeehafter Boxerfilm, der unseren Autor leider mäßig begeisterte: Ben Youngers „Bleed for this“ mit Miles Teller und Aaron Eckhart.

Der Film erzählt die Geschichte von Vinny Pazienzas (Miles Teller) Comeback. Der ehemalige Profi-Boxer gewann zu seiner Zeit mehrere WM-Titel in unterschiedlichen Gewichtsklassen, brach sich bei einem Verkehrsunfall das Genick und stieg, entgegen dem Rat der Ärzte, 13 Monate später wieder in den Ring. Gewürzt wird der Plot mit einem öffentlichen Verrat des vorherigen Trainers, etwas Sex und Glücksspiel. Der Kern bezieht sich selbstverständlich auf Vinny Paz‘ größten Kampf: den Weg zurück in den Ring. Von der tragischen Diagnose, über das anfängliche, heimliche Training im Keller seiner Eltern, bis hin zum Entfernen des im Kopf verschraubten Halofixateur (ein Kopffixierungsgestell aus der Unfallchirurgie), bleibt der Kampf- und Sportsgeist des sogenannten „Pazmanian Devils“ unverändert stark. Letztendlich führt ihn dieser Siegeswille zurück in den Ring.

Dem Film fehlt einfach an allem

Genau so aufregend und fesselnd wie meine kurze Zusammenfassung darf man sich in etwa die 117 minütige Vorführung vom Regisseur Ben Younger vorstellen. Leider fehlen dem Film Charme, Witz, Spannung, Tiefgang und vielschichtige Persönlichkeiten. Bei einer biografischen Umsetzung eines Plots beziehungsweise dem Nacherzählen einer wahren Geschichte, ist der Haupterzählstrang im grundlegenden vorgegeben. Deshalb sollte es obligatorisch für diese Art von Film sein, auf Details zu achten, Spannung zu erzeugen, den:die Zuschauer:in nicht an historische Fakten zu verlieren, sondern an die Protagonist:innen zu binden.

Leider gelang das „Bleed for this“ absolut nicht. Die flachen Charaktere, den langweiligen Humor („witzigste“ Szene: Vinny stieß mit seinem Fixierungsgestell gegen die Hantelstange, während er das erste Mal wieder trainierte. Wow.) und die völlig unnötig überzogene Länge machen den Film zu einer perfekten Einschlafhilfe. Dies war zumindest bei meiner Begleitung der Fall.

Kopfschütteln und vergessen

Die Moral der Geschichte muss man erst gar nicht dechiffrieren, da der Protagonist sie selbst am Ende des Streifens preisgibt, indem er behauptet, dass die größte Lüge seines Lebens der Satz „Boxen ist nicht einfach“ sei. Für ihn sei so gesehen alles einfach im Leben. Darüber kann man auf einer ausgebreiteten Decke an den Lahnwiesen sicherlich zwei Stunden lang nachdenken und lebensverändernde Schlüsse ziehen. Oder man verhält sich wie bei dem einen Verwandten auf Facebook, der ständig die Beiträge von „Gute Zitate und Sprüche“ teilt: Kopfschütteln, innehalten, fremdschämen – vergessen.

Wer einen guten Film über ein historisch einmaliges Ereignis im Sport sehen möchte, der sollte sich lieber „Eddie the Eagle“ ansehen.

„Bleed for this“ startet am 20. April in den deutschen Kinos.


FOTO: Trailer

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PHILIPP-Gründerin und Chefredakteurin. Zwischen ihrem Master in Friedens- und Konfliktforschung ist sie zu Techno und Goa am Raven oder reist durch die Weltgeschichte.