Was machen eigentlich … die Pharmazeut*innen?

Was machen eigentlich … die Pharmazeut*innen?

Schon mal damit geliebäugelt das Fach zu wechseln oder einfach mal in ’ne Vorlesung zu setzen, damit man versteht, was der*die Mitbewohner*in da immer so faselt? In unserer Reihe „Was machen eigentlich …“ geben Fachfremde Einblicke in die Studiengänge unserer Uni. Dieses mal ist Germanistin und Kulturwissenschaftlerin Leonie zu Gast bei den Pharmazeut*innen.

Mein erstes Ziel war ganz schön hoch gesetzt. Pharmazie sollte es sein, angeregt durch das lautstarke Fachchinesisch meiner lernenden Mitbewohnerin und ihren Kommilitonen, das sich öfter mal in unserer Küche abspielt. Wenn ich sage „chinesisch“, mache ich übrigens keine Witze oder meine das despektierlich. Es klingt für mich einfach wirklich so, als würden sie eine Sprache sprechen, bei der sich mein Gehirn schon beim ersten Laut abschaltet.

„…und dann einfach ortho/para-dirigierend…“, erklärt Konstantin gerade meiner Mitbewohnerin. „…ortho/para aktivierend also ortho/para-dirigierend, bei der SN Ar ist jetzt ortho/para-desaktivierend und dadurch haben wir dann wieder eine Meta-Dirigierung. Eigentlich geht’s nur um orthos und paras…“ Ja. Paras hab ich auch, wenn ich das höre und daran denke, die Gruppe demnächst in eine ihrer Vorlesungen zu begleiten. OC, wird es sein. Nein, schade, ein bisschen stupide Hollywood-Dröhnung fände ich jetzt auch nicht schlecht, aber OC heißt hier leider Organische Chemie und nicht O.C. California.

Die Schlitzer-Schleuse

Im Vorlesungssaal ist es dann doch ziemlich angenehm. Wir befinden uns im Pharmaziegebäude im Marbacher Weg. Nicht so schön das Teil von außen, von innen aber völlig okay. Außerdem hängen auf dem Hof überall weiße Kittel von den Gebäuden, das ist irgendwie witzig. Besonders begeistert bin ich von den automatischen Tafeln, die der Professor mit leichtem Druck gegen einer der drei schwarzen, horizontal vor der Tafel angebrachten Stangen ab- und aufwärts bewegen kann. Wir müssen die in der Linguistik mit komischen Bändern runterziehen und mit Druck wieder hoch schieben. Ganz oldschool.

OC wird geleitet von Professor Schlitzer. Dank ihm erhielt das dritte Semester der Pharmazeut*innen den Beinamen „die Schlitzer Schleuse“, erklärt mir Darja, weil in seiner Abschlussprüfung die Durchfallquote unfassbar hoch sei. „Wer OC nicht besteht, schafft es auch nicht ins nächste Semester.“ Und dann legt er los: „Den Effekt der Intramolekularen Wasserstoffrückbindung sehen wir sehr schön, wenn wir die zweite Reihe anschauen. Da haben wir eine Metoxygruppe, die hat genauso wie die Hydroxigruppe ein (-) i (+) m Effekt, da, hier hinten, eine Abschwellung der Azidität durch den (+) m Effekt, der hier vor allen Dingen wirkt mit dem (-) i-Effekt…“

Also ich sehe absolut gar nichts, außer schöne Bildchen, die ich vermutlich eher als Kunst verkaufen würde, anstatt irgendwelcher Mechanismen, die uns alltägliche Dinge in der lebendigen Welt erklären. „…den wirksamen (-) i-Effekt und wir hätten einen (+) m Effekt, der aber wegen der gehinderten Rotation nicht so sehr zu tragen kommt und deswegen…“ Meine Rotation ist jetzt leider auch ein bisschen gehindert. Mein Kopf schaltet ab. Was redet der denn da? Wer macht denn sowas, wer lernt denn sowas? Ich glaube, ich habe es keine zehn Minuten ausgehalten, bis ich in meinen Gedanken irgendwo in einer rhetorisch formellosen Traumwelt verloren gegangen bin.

Immer am lernen und trotzdem motiviert

Die Pharmazeuten tun mir richtig leid! Nicht nur, weil sie so einen Blödsinn (sorry, ja, subjektiv!) lernen, sondern weil sie das auch so richtig perfekt drauf haben müssen. Wer eine Klausur nicht besteht, muss meist das komplette Semester wiederholen – ohne Garantie dann damit wenigstens durch zu sein. Tage- und Nächtelang musste ich zusehen, wie meine Mitbewohnerin die letzten Monate über ihren Unterlagen verbracht hat. Und dennoch – ihre Begeisterung für das Fach ist ungebremst.

„…Alkalische Hydrolyse – nennt man auch Verseifung, weil da Seife bei rauskommt.“ Oh. Seife! Das Wort verstehe ich und erwache aus dem Gummibärchenschlaraffenland. Und doch verstehe ich wieder nicht: Warum nennen die das denn dann nicht einfach nur Verseifung? Wer braucht schon „Alkalische Hydrolyse“? Was soll der Mist? „…hat man dann ausgedehnt. Es ist immer alkalisch, in manchen Büchern steht es ist sauer-verseift. Da drehn‘ sich einem die Fußnägel auf. Das ist Quatsch, Blödsinn! Verseifung ist per Definition immer alkalisch, ‘ne saure Verseifung gibbet nit! Da heißt das nämlich säure-katalysierte Hydrolyse… aber das kriegen wa noch…“ Okay, alles klar, Mister. Würd‘ mich auch aufregen, wenn ich tagtäglich so ein Chinesisch von mir geben müsste. 90 Minuten redet er in dieser Sprache, bis wir schließlich entlassen werden. Draußen, in der strahlenden Sonne, bin ich immer noch völlig überfordert. „Na, wie fandstes?“, werde ich gefragt. „Naja…“, kann ich nur antworten, „lassen wir das…“

Es ist wirklich faszinierend, der Motivation der Pharmazeut*innen beizuwohnen und ihrem Fachjargon dabei zuzuhören. Ich hatte einen interessanten Ausflug in ein – mir vermutlich nicht fremder sein könnendes – Fach. Meine Resonanz ist: Ich verstehe es einfach nicht.

AHA! Im Sommersemester 2014 beträgt die Anzahl der Pharmaziestudierenden 1126 (inklusive ausländische Studierende). Mit insgesamt 29746 Studierenden an der Uni Marburg sind das 3,79 % . Weitere Infos gibt es hier.

Das hier ist übrigens Konstantins Erklärung des obig zitierten ortho/para Monologs:

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FOTOS: ilovebutter auf flickr.com, CC-Lizenz und Konstantin

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PHILIPP-Gründerin und Chefredakteurin. Zwischen ihrem Master in Friedens- und Konfliktforschung ist sie zu Techno und Goa am Raven oder reist durch die Weltgeschichte.

4 Gedanken zu “Was machen eigentlich … die Pharmazeut*innen?

  1. Total überheblich verfasster Text… Pharmazie ist wie jedes andere akademische Fach. Jedes hat seine Tücken und Schwierigkeiten, aber wo ist das denn so?
    Übrigens ist das Thema Aromaten, welches oben faszinierend angeschnitten wurde keine reine akademische Fachsimpelei. Es ist ein relativ einfaches und überschaubares Thema im Bereich der organischen Chemie. Das bekommt jeder Vollpfosten auf die Reihe, der sich im Abi an die Chemie traut. Selbst an der ERS…

    1. Wenn schon OC, dann mndestens Azokupplung bitte 😀 Setz´ dich besser in AFL oder Ph. Biologie für einen Einblick in „Pharmazie“, Fräulein Ruhland! @Sebastian: Linguisten haben auch vermutlich 2 Prüfungen pro Semester und ein Studentenleben, einhergehend mit einem Unverständnis für nötige, durchgehende Paukerei 😉 Aber so ist das! Von nix kommt nix….

  2. Wir hören ja wirklich gerne Kritik, aber wenn dann bitte konstruktive.
    Beleidigend zu werden ist wirklich unnötig, völlig daneben und ziemlich unfair.
    Es scheint, als hättet ihr beide absolut nicht verstanden, was der Sinn dieser Reihe ist. Schade.

    @Sebastian: Ich denke, OC ist ein verständliches Thema, wenn man sich damit befasst, nicht aber, wenn man absolut nichts mit dem naturwissenschaftlichen Bereich zu tun hat. Du kannst nicht einfach unterstellen, dass es jeder „Vollpfosten“ auf die Reihe bekommt – das entspricht nämlich leider keinerlei Realität. Ich nehme an, du bewegst dich selbst in diesem Bereich und bist da anderer Meinung, aber tut mir Leid, es gibt nun einmal auch andere Menschen, die davon wirklich keine Ahnung haben. Und das ist auch nicht schlimm.

    @Markus: Ich bin in die Vorlesung gegangen, in die ich mitgenommen wurde und davon habe ich berichtet. Gerne gehe ich auch in andere.
    Und hier zu behaupten, Linguisten (was im Prinzip auch falsch ist) hätten so wenig zu tun – beziehungsweise deine komplette Formulierung – ist ganz schön unter die Gürtellinie gegriffen.

    Also meine Lieben. Kritik ja, aber bitte konstruktiv und ohne persönlich zu werden.
    Das wäre wirklich nett.

  3. Hahahaa Aromaten ein überschaubares Thema? Es gibt überschaubare themen in der OC? Oder überschaubare themen in der chemie? U dont get anything…
    Aber wir brauchen hier sicherlich nicht darüber diskutieren, wer denn nun den schwereren Stoff hat… nur wer sich hier zu laut beschwert sollte mal drüber nachdenken, ob man vielleicht das falsche Fach gewählt hat… (zu laut! Wir Alle haben auch schwere Tage ^^ )

    Ausserdem würde mich wirklich brennend interessieren welcher Teil des Textes dich dazu bringt es überheblich zu nennen, insbesondere da du ja derjenige bist, welcher arrogant behauptet die Themen seien jedem „Vollpfosten“ ohne Aufwand zugänglich…

    Ja jedes Fach hat seine ganz eigenen Anforderungen, so ist es bestimmt ein Bild für die Götter einen Pharamazeuten eine Hausarbeit über ein politisch brisantes Thema schreiben zu sehen oder wenn wir uns mit dem Modulsystem oder manchmal auch bloß ilias auseinander setzen müssten 😀

    Dafür birgt unser System ganz andere Risiken mit denen der typische Bachelorstudent sicherlich eine harsche Konfrontation hätte, da wir jedes Semester einige Fächer haben die bestanden sein müssen, um auch offiziell das nächste Semester antreten zu können. Also keine freie Zeiteinteilung (wir haben sogar feste „Stundenpläne“) oder sonstige Flexibilitäten, mit dem Vorteil sich nie fragen zu müssen, was man den dieses Semester belegen möchte.

    Danke für diesen Artikel, es ist auch mal interessant und auch amüsant wie unser Alltag auf unverwandte Fachrichtungen (sonst gibts nur wieder Konkurenz und/oder Seitenhiebe 😀 ) wirkt.

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