Burschiglossar

Burschiglossar

Das Corps Hasso-Nassovia ist eine schlagende Verbindung am Schlossberg Marburg, die bereits seit dem 19. Jahrhundert besteht. „Schlagende Verbindung“ bedeutet, dass die Jungs dort das Fechten erlernen und regelmäßig zu internen und externen Duellen, den sogenannten Mensuren, antreten. Die Verbindung ist eine ausschließlich männliche Gemeinschaft, laut Karl würde die Aufnahme von Frauen in keinerlei Diskussionen stehen. „So wie ich das mitbekommen habe, werden Frauen für viele dort noch als Objekte angesehen.“ Ganz anders beschreibt sich die Verbindung allerdings selbst auf ihrer Website: „Im Gegensatz zu manchen eher frauenfeindlichen Verbindungen betrachten wir Hessen- Nassauer uns traditionell als „Familiencorps“.“

Die Burschenschaften des Dachverbands der Deutschen Burschenschaften stehen unter dem Vorwurf, rechtsnationale Beziehungen und Einstellungen zu verfolgen. Von manchen ist dies ein sichtbarer Fakt, das Corps Hasso-Nassovia distanziert sich öffentlich jedoch von jeglichem Kontakt zu solchen Nazi-Burschen. Karl jedoch erzählte mir von einem Vorfall, an dem er solche in seinem damaligen Zuhause beim abendlichen Feierabendbier angetroffen hatte. „Wir müssen ja Toleranz zeigen“, sei die Aussage dafür gewesen. Fragt sich nur inwiefern dies nicht widersprüchliche Werte sind.

Studentenverbindung: Zusammenschluss mehrerer Studierender, die sich auf dieselben Prinzipien verständigen. Es gibt unter Anderem religiöse, musische oder auch politische Prinzipien. Es gibt gemischte Verbindungen oder auch reine Damen- oder Männerverbindungen.

Corps: Corps sind supranationale Studentenverbindungen, die ohne politische Prinzipien jeden männlichen Studenten aufnehmen können. Auch sie sind Pflichtschlagend. Außer Burschenschaften und Corps gibt es zum Beispiel Landsmannschaften, Sängerschaften, Turnerschaften, Wingolfsverbindungen, Unitasverbindungen, den VDSt (Verband der Vereine Deutscher Studenten), den KV und den CV (Kartellverband katholischer Deutscher Studentenvereine, Cartellverband katholischer Deutscher Studentenverbindungen) und viele andere Dachverbandslose Studentenverbindungen. Nationale Prinzipien haben die wenigsten, und dies alles sind keine Burschenschaften. Es gilt das Prinzip mit Fingern und Daumen: Alle Daumen sind Finger, die wenigsten Finger sind aber Daumen.

Deutsche Burschenschaft (DB): Die Deutsche Burschenschaft ist ein Dachverband, unter dem sich viele schlagende Burschenschaften organisieren. Ursprüngliche Burschenschaften haben zur Zeit der deutschen Vielstaaterei die Einheit einer Deutschen Nation zum Ziel gehabt. Noch heute ist eines der Prinzipien der Deutschen Burschenschaft ein Nationales Prinzip. Die meisten Burschenschaften der Deutschen Burschenschaft nehmen nur Deutsche, männliche Studenten auf. Deutsch sein definiert sich dabei über die Herkunft und nicht über die Staatsangehörigkeit.

Neue Deutsche Burschenschaft (NDB): Die NDB hat sich von der DB abgespaltet, als der Versuch, rechte Strömungen aus dem Dachverband zu entfernen, gescheitert ist. Um nicht mit den Nationalistischen Ideen in Verbindung gebracht zu werden, sind etliche Verbindungen aus der DB ausgetreten und haben den neuen Dachverband NDB gegründet.

Die Füchse (auch Füxe) stehen ganz unten in der Hierarchie. Es gibt den sogenannten Fuxenunterricht, in dem Verbindungs- und Stadtgeschichte gelehrt wird.

Die Burschen sind das A und O einer Verbindung, investieren ihre Zeit für ca. zwei Jahre um alles zum Laufen zu bringen oder zu erhalten und dürfen den Füchsen mal so richtig in den Arsch treten.

Der Leibbursch ist für dich (angenommen mal, du würdest da mitmachen) der, den du dir persönlich als eine Art Mentor ausgesucht hast. Er kommt mit Paket: Sein Leibbursch, dessen Leibbursch und dessen auch – wenn er denn noch lebt – sind jetzt Teil deiner Familie! Juhu!

Der Senior ist der Chef von dem Ganzen und wird im Regelfall jedes Semester neu gewählt. Er übernimmt organisatorische und repräsentative Aufgaben für das Verbindungshaus und durch seine Entscheidungsmacht besitzt er hohe Autorität.

Der Senior hat noch einen Con-Senior und einen Dritt-Changierten. Der Con-Senior wird vom Senior selbst gewählt und übernimmt alle organisatorischen und bürokratischen Angelegenheiten. Es gibt allerdings auch andere Ämtervarianten. Viele Verbindungen haben die Ämter x, xx, und xxx. Der x ist der Senior, er hat repräsentative Aufgaben. Der xx oder auch F-M ist der Fuxmajor; er ist für das Anwerben und die Ausbildung der Füxe zuständig. Der xxx ist der Kneipwart, eine Art Eventmanager für Verbindungsveranstaltungen.

Chargierte: Inhaber der Chargen, der Ämter in den Verbindungen. Oft wird zwischen Haupt- und Nebenchargen unterschieden. Fast jede Aufgabe, die in einer Verbindung anfällt, kann in einer Charge ausgedrückt werden. So kann es zum Beispiel den Sportwart geben, der sich um gemeinsame sportliche Betätigung der Verbindungsmitglieder kümmert, oder auch verschiedene Kassenwarte und Hauswarte, die sich um Finanzen und das Verbindungshaus kümmern. Welche Chargen es gibt und wie die Wahlmodalitäten sind, ist von Verbindung zu Verbindung unterschiedlich, meist läuft das aber demokratisch in geheimen Wahlen.

Die Alten Herren sind die Männer, die als Student von den Vorzügen der Verbindung angezogen worden sind. Sie unterstützen jetzt bis zu ihrem Lebensende ihre ehemalige Verbindung und sind auf sämtlichen Festlichkeiten zugegen. Das können dann auch mal bis zu 200 Personen werden. Verbindungen werben mit Beziehungen und Wohlhaben der Herren, die Studenten auf ihrem Weg ins Berufsleben durchaus von Nutzen sein können.

Paukstunde: Als Neuling, also als Fuchs einer schlagenden Verbindung, muss man das Fechten erlernen. Paukstunden sind diese Trainingsstunden, in denen sie mehrere Male in der Woche lernen, sich zu duellieren. Später wird man dann zur Mensur aufgefordert oder muss gegen andere Waffenstudenten beweisen. Karl war so schlau, noch vor seinem ersten Duell den Ausstieg anzumelden.

Pauke: Eine Rede, die ein Präside auf einer Kneipe hält.

Mensur: Die Mensur ist das studentische Fechten. Dabei wird eine relativ schwere Rüstung getragen, die die meisten Verletzungen verhindert. Wunden können bei der Mensur oben auf dem Kopf und unten an den Wangen entstehen. Augen und Nasen sind mit einer Metallmaske geschützt. Es gibt festgelegte Schlagabfolgen und die Mensur ist mit dem Sportfechten wohl nicht zu vergleichen. Bei der Mensur ist normalerweise für jeden Kontrahent ein Arzt aus den Reihen der Verbindungsmitglieder zugegen, weil die Verletzung bei einer Einweisung in ein Krankenhaus zur Anzeige gebracht werden müsste.

Pabst: Das ist dieses komische Ding, wo jeder eben mal sein Mageninneres lassen darf. Karl beschreibt es folgenermaßen: „Das ist so eine Art hohes Waschbecken, etwas breiter. An einem Hebel kann man das Zeug dann schön einfach wegspülen.“

Staffette: Die Spieler stehen in einer Reihe mit einem Bier vor sich. Der Erste beginnt mit seinem Getränk und erst wenn er fertig ist, zieht der nächste nach. Der letzte Spieler muss also solange mit seinem Bier warten, bis alle anderen ausgetrunken haben.
Wenn eine Studentenverbindung eine Andere herausgefordert hat, muss das Duell so lange vollzogen werden, bis die Kette der Hausherren einmal schneller war.

Bierjunge: Es gibt verschiedene Varianten des Bierjungen. Allen gemeinsam ist das gleichzeitige Leertrinken je eines Bierglases zwischen 0,2 und 2 Litern, normalerweise zu zweit. Wer schneller ist, gewinnt das Spiel. Meistens ist der Bierjunge das Ergebnis eines spielerischen Geplänkels, an dessen Anfang sich die beiden Verbindungsstudenten nur halbernstgemeint möglichst intelligente Beleidigungen an den Kopf werfen. Nimmt man die Herausforderung „Bierjunge!“ an, tut man dies, indem man mit „Hängt!“ antwortet.

Aufschärfen: Ein Glas mit Bier füllen.

Drachenfels: Der Ort, zu dem in einigen Verbindungen die Frauen geschickt werden, in welchen sie auf Veranstaltungen nicht erwünscht sind. Häufig ist der Drachenfels eine Art Empore, Balkon oder Altan in, bzw. über dem Kneipsaal.

Kneipsaal: Der Raum, in dem Kneipen und andere Verbindungsveranstaltungen stattfinden.

Kneipe: Eine Veranstaltung in der Verbindung. In einer Kneipe haben häufig die Chargierten den Vorsitz und sitzen vorne am Präsidentisch. Vom Präsidentisch führen senkrecht die Zapfen weg. An den Zapfen sitzt die Corona, die auf der Kneipe feiernden Menschen. Das Präsidium, das häufig, aber nicht ausschließlich aus den Hauptchargierten besteht, hält Pauken, organisiert den Kneipablauf und bestimmt Lieder, die auf der Kneipe gesungen werden.

Bummeln: Der Besuch anderer Studentenverbindungen als Studentenverbindung. Der Besuch ist meist Einladung zum Gegenbesuch.

Marburger Erklärung: Eine Erklärung einiger Marburger Studentenverbindungen, in der sich diese von allen rechten Strömungen scharf distanzieren und sich gegen Diskriminierung jeder Art aussprechen. Mehr Informationen und der ganze Text der Erklärung hier.

Fähe/Fee: Sind beispielsweise Begriffsvarianten für den weiblichen Fux. Oft heißen aber auch die Damen einfach Fux.

*Dieses Glossar besteht aus der Wiedergabe eines Erfahrungsberichts.
**
Da es hier um Studentenverbindungen geht, die keine Frauen als Vollmitglied zulassen und somit das biologisch weibliche Geschlecht kaum erwähnt wird, trotze ich dem Gendern ausnahmsweise und beziehe ich mich auf eine männliche Konjugation.

FOTO: Metropolico.org auf flickr.com, CC-Lizenz

Website | + posts

PHILIPP-Gründerin und Chefredakteurin. Zwischen ihrem Master in Friedens- und Konfliktforschung ist sie zu Techno und Goa am Raven oder reist durch die Weltgeschichte.

2 Gedanken zu “Burschiglossar

  1. Interne Duelle… „Leitbursche“ der eigentlich Leibbursche heißt! Sorry, aber das kann jeder Depp in zwei Minuten besser recherchieren (sogar ich)- Was ist los?

  2. Fehler werden immer mehr. Senior wählr Consenior, Consenior mit Drittcargierten verwechselt (was Aufgaben angeht). „Karl“ wünsche ich viel eRfolg beim Stuium. Hoffentlich muss man sich dabei nicht allzu viel merken können 🙂

Kommentare sind deaktiviert.