Sneak-Review #50: Sausage Party – Es geht um die Wurst

Sneak-Review #50: Sausage Party – Es geht um die Wurst

Diese Woche in der Sneak-Preview: Ein Film mit schlechten Witzen, idiotischen Dialogen und kopfschmerzenbereitenden Bildern. „Sausage Party – Es geht um die Wurst“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan kommt bei unserer Chefredakteurin gar nicht gut an.

Smartphone-Hüllen werden verschenkt, die Kinogutscheine der Woche verlost, der Bildschirm geht wieder an und nach Erscheinen der ersten Bildsequenz ertönt ein lauter Beifall. Außer im Sitz neben mir, da stöhnt man: „Och nee.“ Sehr schnell erfahre ich, wessen Seite ich hier unterstütze. Der Mann neben mir hat allen Grund zur Enttäuschung.

Alles dreht sich um Sex

Gleich zu Anfang wird klar, welches Niveau dieser Film einschlagen wird. Nachdem ein gesamter, animierter Supermarkt ein freudiges Lied über „das große Jenseits“ – gemeint ist damit die Welt hinter den gläsernen Türen – singt, darf man eine selten schlechte Unterhaltung zwischen einer Gruppe eingepackter Hot-Dog-Würstchen und einer Gruppe Hot-Dog-Brötchen lauschen. Sie unterhalten sich darüber, dass nach ihrer „Auserwählung“ – also, nachdem jemand sie gekauft hat – endlich „das erste Mal“ zwischen den beiden Ernährungsutensilien stattfinden kann. Ohne Witz, ich bin beinahe geschockt, das schreiben zu müssen, aber es geht hier um Sex zwischen einem Würstchen und seinem Brötchen. Und das wird nicht das einzige Sex-Moment bleiben, das Schlimmste kommt noch.

Durch den Selbstmordversuch eines Honig-Senfs, der die wahre Welt vor dem Supermarkt gesehen hat, kommt es dazu, dass das verliebte Pärchen der Hot-Dog-Packungen Frank (Seth Rogen) und Brenda (Kristen Wiig) aus dem Einkaufswagen fällt und nun – nach Ladenschluss – ihr Heimatregal wiederfinden muss. Natürlich nicht, ohne zuvor vom Senf auf deren Naivität aufmerksam gemacht worden zu sein, was wiederum das Würstchen dazu veranlasst, das allwissende Spirituosenwasser im Alkoholregal aufzusuchen. Das natürlich den Look eines Native-American hat, inklusive Federn und Gesichtsschminke. Hey there cliché, welcome back again.

„Hast du einmal einen Tacco, willst du nie mehr einen Spacko“

Was folgt, sind knapp 90 Minuten absoluter Schwachsinn. Ich beobachte eine Intimdusche, die zu einem Monster mutiert – übrigens indem sie einen wehrlosen Beerensaft an einem Verpackungsschlitz aufsaugt, ´ber einen Junky auf Badesalz – hey, Drogenverharmlosung, kein Problem – der sich von dem Würstchen Barry (Michael Bera) köpfen lässt. Kein Scherz. Das Würstchen und seine Freund:innen bringen den abgehackten Kopf sogar mit zurück in den Supermarkt. Und dann gibt es auch noch eine Orgie der Nahrungsmittel. Was habe ich mir da nur angesehen?, denke ich, denn nein, ich verarsche euch immer noch nicht. Da kommen dann Sprüche wie „hast du einmal einen Tacco, willst du nie mehr einen Spacko“ (Salma Hayek). Klingt jetzt vielleicht ganz witzig, ist es im Kontext aber wirklich nicht.

Der Film kratzt an den Grenzen von Religion und Politik, Sex und Vorurteilen. Was ja eigentlich ganz schön ist, allerdings tut er das leider nicht, ohne selbst sexistisch, rassistisch und viel zu obszön zu sein. Und hey, ich habe absolut nichts gegen Obszönität, aber das, was hier an Rhetorik präsentiert wird, ist einfach nur peinlich. Das hat auch nichts mehr mit Witz zu tun. Ich habe die vereinzelten Lacher im Saal wirklich nicht verstanden. Das Fladenbrot wird dargestellt als ein arabisch angehauchter Abdul (David Krumholtz), der vom nackigen Brötchen mehr Sittsamkeit verlangt und dessen größter Feind das Bagel (Edward Norton) ist und das Sauerkraut hat natürlich ein Hitlerbärtchen. Ist ja logisch. Und dann sagt die Cola ernsthaft zum Mentos: „Es ist besser in Freiheit zu sterben, als in Sklaverei zu leben.“ In so einem Film absolut daneben!

Was soll das?

Nach bereits 20 Minuten lässt mein Sitznachbar verlauten (und zwar nicht der, der bereits von Beginn an stöhnte): „Das ist glaube ich der schlechteste Film, den ich je gesehen habe.“ Nach 89 Minuten höchster Irritiertheit stimme ich ihm zu. Das einzige Mal, wo meine Mundwinkel nach oben gingen, war der Auftritt des „Sorbitol, Maltit, Xylythol, Mannit, Kalziumkarbonat, Sojalecithin, Planzliches Glycerin und Talkum“, kurz Kaugummi als Abklatsch von Stephen Hawking. Als wir nach Hause fahren, bin ich noch immer etwas geschockt – oder besser, ratlos, was mir da gerade vor die Augen gesetzt wurde. In einem US-Review heißt es: „From one moment of Sausage Party to the next, it’s unclear whether you’re supposed to laugh or shudder or vomit or take to the streets in wild, fervent protest.“ Das trifft es ziemlich gut, wobei die allgemeine Kritik des Blatts tatsächlich ganz gut ausfiel.

Ich persönlich muss mich leider fragen, ob Seth Rogen, der die Story angeblich gemeinsam mit Jonah Hill vor acht Jahren in einem Scherz begann, und all die anderen, erstaunlich vielen Stars, das wirklich nötig hatten. Ich hoffe fast, dass es einfach an der deutschen Synchronisierung liegt – die bekanntlich ja oft jeglichen Scherzen auf Englisch den Witz nimmt. Man könnte dem Film an sich zwar ein bisschen was Atheistisches zuschreiben. Vielleicht einen Hintergedanke der Überwindung von Grenzen einer Art entdecken oder sogar ein Hauch Emanzipation – wenn man denn danach sucht. Aber treffender könnten es die Worte eines Besuchers, die ich beim Herausgehen aufschnappe, nicht beschreiben: „Ein paar gute Ideen macht den Film immer noch nicht gut.“

FOTO: kino.de

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PHILIPP-Gründerin und Chefredakteurin. Zwischen ihrem Master in Friedens- und Konfliktforschung ist sie zu Techno und Goa am Raven oder reist durch die Weltgeschichte.

3 Gedanken zu “Sneak-Review #50: Sausage Party – Es geht um die Wurst

  1. „Entweder der Film bekommt 8 oder 0 Punkte“ war eine Reaktion in der englischen Sneak, wo der Film deutlich besser ankam. Fand ihn teilweise aufgrund großartiger, dummer Wortwitze ganz lustig.
    Aber alles Geschmacksache.
    Nur eine kleine Anmerkung: DAS WAR KEIN PIXAR LOGO IM INTRO. Es war kein Pixar Film, das ist einfach falsch.

    1. Ups. Da habe ich wohl im Vorspann ein bisschen geträumt. Entschuldige bitte.
      Ich habe mich inzwischen auch belehren lassen, dass die Wortwitze im Englischen tatsächlich ganz gut sind. Da könnte man jetzt gut einen Vergleich ziehen, im Deutschen waren sie aber wirklich einfach schlecht. Und das mit der Geschmackssache… naja da scheiden sich die Geister wenn Rassismus, Sexismus etc. im Spiel ist.

  2. Ich sah den Film in Originalsprache und stimme dem Beitrag vollkommen zu. Ich mags mal versaut und pietätlos – doch hier ging man zu weit! Das ganze changierte zwischen witzigen Momenten und sich zunehmend häufenden irritierenden Elementen. Ein äußerst verstörender und geschmackloser Film.

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