Die Heisenberg’sche Unschärferelation der Musik

Die Heisenberg’sche Unschärferelation der Musik

Vier Musiker, ein paar Instrumente und eine Leidenschaft für die Musik. Viel mehr fehlt es einer Band eigentlich nicht. Interessant wird es aber erst, wenn man sich über Entstehungsgeschichte und Musikrichtung unterhält. Das, wenn man denn deutliche Informationen erwartet, war bei „Fürst Lesson and the Levitenlasers“, die am Donnerstag, den 10.12. in der Cavete zu Gast sind, allerdings ein bisschen tricky. Ein Gespräch über kacktivistische Anschläge, Grand-Groupies und Musik ohne geometrische Grenzen. 

PHILIPP: Moin Jungs. Fangen wir klassisch an: Wer seid ihr überhaupt?

Eric: Wir sind Fürst Lesson and the Levitenlasers.
Jerome: Das musst du auch richtig schreiben, ne. Des is wichtig!

Was bedeutet das?

Eric: Also Fürst Lesson ist ’ne Kunstfigur. Die haben wir uns als Namensgeber für unsere Operation ausgedacht. Das mussten wir machen, weil unser ursprünglicher Name – Cats’n’Sägenmassaker – weil wir unter diesem Namen gesucht wurden, von der Jazz-Mafia. Wir waren denen ein Dorn im Auge.
Max: Genau und das Levitenlasers, das steht praktisch für unsere Mission. Wir wollen einfach mal den Leuten gehörig die Leviten lesen.

Warum wurdet ihr von der Jazz-Mafia gesucht?

Eric: Wir haben bei ’nem Jazz-Festival in ’ner Stadt, dessen Namen ich jetzt nicht nennen will, einen kacktivistischen Anschlag auf’n Snob-Jazz Konzert begangen.

Ein kacktivistischer Anschlag? Was ist das denn?

Eric: Das kann ich hier in diesen Einzelheiten nicht weiter erklären und möchte dazu auch nicht weiter Stellung beziehen.

Alles klar. Seit wann gibt’s euch?

Jerome: Seit Anbeginn der Zeit.

Okay, krass. Und wie kam das so zu eurer Gründung?

Eric: Am Anfang war Stille.
Max: Dann kam das Licht.
Jerome: Und dann Feuer.
Max: Und dann kam der Tod.
Eric: Und Fürst Lesson stieg auf aus der ersten Dunkelheit.

Naja damals ja dann noch mit ’nem anderen Namen, ne?!

Max: Also, Moment mal. Du darfst das auch nicht durcheinander bringen. Fürst Lesson ist zwar erst später entstanden so der Name, ja, aber Fürst Lesson gibt’s natürlich schon seit ’ner ganzen Weile.

Alles klar. Bei dem Auftritt seid ihr doch aber eigentlich zu Viert, oder?

Eric: Eh…
Max: Der Busfahrer. Kaffeekocher, der macht auch…
Eric: Tee kochen!
Max: Tee kochen… (alle müssen lachen) macht auch, ja, sehr gute, vegane Biowiener.

Achso. Also der spielt gar keine Musik?

Eric: Ne, also, das macht der alles im Bus auf Tour. Man muss ja dazu sagen, wir sind auch schon seit etlichen Jahren auf Tour.
Jerome: Ja. Dauerhaft.

Wo denn so überall?

Eric: Überall.
Max: Naja zuletzt war’n wir in Italien. Frankreich, Schweiz.
Eric: Ja, wir haben überall, sagen wir, kleine Fanbases aufgebaut über die Jahre.

Und was spielt ihr so?

Es herrscht erstmal Stille. Die Jungs scheinen nicht ganz zu wissen, wie sie ihren Klang benennen sollen. 

Eric: Musik. (Das Interview stockt für ein paar Minuten, weil alle zu sehr lachen müssen)

Wow, ihr macht mir’s echt nicht leicht.

Max: Der war gut. Also, ist auch die Frage, ob man das jetzt noch weiter eingrenzen muss. Wir sind der Meinung, dass die Kategorisierung von Musik … ist ein großer Fehler!
Eric: Ein großer Witz ist das!
Max: ‚N großer Witz auch, ja.
Jerome: Musik ist Musik.

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Ja okay. Gut, wie ist denn so euer Publikum?

Jerome: Durchwachsen, das Publikum. (Schon wieder lachen alle)
Eric: (lachend) Wir wollen die Leute auch nicht in ’ne Schublade stecken.
Max: Also alle Altersklassen sind vertreten. Von Jung bis Alt. Familien.
Jerome: Mit Großmüttern.
Max: Ich hab ’ne ganze Sammlung von Taschentüchern, die für mich gehäkelt wurden von Großmüttern. Von … Fan-Grannys.

Es wird wieder gelacht.

Jerome: Ja du lachst, des war aber wirklich schlimm. ‚Ne Zeit lang da wurde Maximiliano, unser Gitarrist, gestalked von…
Eric: Grand-Groupies.
Jerome: …von fünf Grand-Groupies gleichzeitig.

Na Max, hast du dir eine klar gemacht?

Max: Ehm ja, die ist jetzt meine Oma.

Wir können uns kaum noch beruhigen.

Okay, du hast gerade schon die Gitarre erwähnt. Was habt ihr denn sonst noch so für Instrumente, erzählt doch mal.

Max: Wir spielen eine sechsseitige E-Laute, eine 1973er Fender Telecaster mit schwerem Esche-Korpus, des Weiteren werde ich wahrscheinlich eine Roland-G707 spielen.

Was is’n des?

Max: Des sind alte Synthesizer, die ehm…
Jerome: Aus vergangener Zeit.
Eric: Die sind Teil der riesigen Soundanlage, die wir aufbauen werden.
Max: Die hat mir ne Fan-Granny mitgebracht.

Oke… weitere ominöse Instrumente?

Jerome: Pauken. Die hamma aber anfertigen lassen. In Leipzig direkt.
Max: Aus Stroh. (alle lachen)
Eric: Ein Streichinstrument haben wir auch noch.
Max: Aus’m Streichelzoo.
Eric: Sieht auch so’n bisschen aus wie ’ne Pauke, klingt ungefähr so, wie wenn man ’n Gummiband zwischen zwei Zahnstochern aufspannt und des so schnippst.

Kennt ihr Fraktus?

Jerome: Ja.
Eric: Alte Kollegen von uns.

Wenn ihr sowas erzählt denk ich da sofort an die. Sind die so’n bisschen Vorbild?

Jerome: Nein. Wir sind immer für Fraktus eine große Inspiration gewesen.
Eric: Fraktus war… ich kann ehrlich sagen, ich bin immer noch sauer drauf… Fraktus war ein Fake! Also, des muss ich hier jetzt vor der Presse mal sagen. Die ham sich des alles bei uns abgeschaut.
Max: Alles!

Ihr wart also quasi die erste Technoband?

Jerome: Wir sind keine… wir sind ’ne Musikband!
Eric: Das haben wir schonmal gesagt, dass wir über Kategorisierungen hier nicht reden!

Oke, also wir haben jetzt immerhin schon ein paar Hinweise, in was sich euer Sound so richten könnte. Vielleicht, wenn man viel Fantasie hat… Wo kommt ihr denn eigentlich her?

Max: Wir haben noch einen weiteren Musikanten aus der Runde.

Achso, ja, erzähl doch mal.

Max: Der Busfahrer!

Ja, was spielt’n der so?

Max: Der spielt E-Bus.

Lautes Gelächter

Eric: Fretless aber. Ohne Sitze!

Das ist ja… das ist ja krass… Zurück zur Herkunftsfrage.

Max: Raum und Zeit sind relativ. Aus diesem Grund lehnen wir sowohl geografische als auch zeitliche Kategorien ab. Aus diesem Grund werde ich auf diese Frage nicht weiter eingehen.

Und warum seid ihr in Marburg?

Max: (zu Eric) Ja, des is doch eigentlich deine Schuld.

Schuld? Du bist also nicht gerne hier?

Max: Doch. Ich eh… Löffel…

Niemand versteht so ganz, was Max ausdrücken will…

Jerome: Ich. Löffel. Gabel, Messer… Kleine Kinder nich.
Max: Eric … Eric, vielleicht versuchst du mal ein bisschen Ordnung, Licht ins Dunkle zu bringen!
Eric: Nun ja … warum wir in Marburg spielen? Ja wir dachten, es ist ideal hier, weil hier gibt’s ’n Laden, die unterstützen Live-Musik. Wir kriegen da auch Getränke.
Max: Also grammatikalisch müsste es richtig heißen: Es gibt einen Laden, der Live-Musik unterstützt oder die Betreiber des Ladens unterstützen Live-Musik. Aber wir denken ja auch nicht in grammatikalischen Kategorien, könn‘ wa auch alles… (seine Worte werden im Lachen verschluckt)
Eric: Auf jeden Fall haben wir gehört, dass es in Marburg sehr viele Leute gibt, die auch die Nase gestrichen voll davon haben, Musikkategorien zu ertragen. Also ich hab hier ’ne Zeit lang gewohnt, muss man sagen.

Tust du nicht mehr?

Eric: Ehm, ich tue nicht mehr.

Lautes Gelächter

Jerome: Ich tue nicht mehr hier wohnen … (lacht)
Eric: (lachend) Deswegen…
Jerome: (lachend) Ich tue jetzt was anderes… aber wohnen tu ich hier nicht!
Eric: (ein bisschen aus dem Konzept gebracht) …deswegen woll’n wir den Leuten hier eine Musik bieten, die frei von jedem…
Max: Zwang.
Eric: …ohne geometrische Grenzen…
Jerome: Wir machen Musik ohne geometrische Grenzen. Das is wirklich… das bringt’s auf’n Punkt! Das ist praktisch die Heisenberg’sche Unschärferelation in Musik gefasst

…okay.

Jerome: Man kann das eben alles nicht genau festlegen.

Wisst ihr denn wenigstens, wo ihr spielt?

Eric: Ja, in der Cavete. Am 10. Dezember. Und ehm, also auf den Plakaten wird 20 Uhr stehen… Also die Plakate, die…
Max: …die es vielleicht geben wird.
Jerome: Weil auch bei Plakaten, (muss lachen) sollten wir uns nicht mehr äußern…
Max: Diskretion!
Eric: Das ist sowieso so unser Promotion-Motto, also für unser Management: Diskretion. Möglichst abtauchen!

Aha. Aber dann würde ich jetzt doch gerne mal wissen – also Grundessenz hier scheint ja, wir haben keine Ahnung was ihr spielt oder wer ihr seid – warum sollen dann Leute überhaupt zu eurem Gig kommen?

Eric: Wir haben schon Ahnung, von dem, was wir machen.
Max: Die Leute sollen kommen, weil sie die Gelegenheit haben, einen Abend abzutauchen (lachend) in eine Fantasiewelt der heiteren Klänge und lauten Musik und sie sind an diesem Abend eingeladen, ihren Geist zu befreien.
Jerome: Und außerdem hat jeder, der kommt, eine Chance, eine Mitropa-Kaffeemaschine zu gewinnen.

Wir reden kurz über Kaffee und ihre Lieblingssorte. Es artet aber wieder so aus, dass an dieser Stelle der Gesprächsausschnitt diesmal den Lesenden erspart bleibt.

Ist eure Musik denn ein bisschen politisch? Singt ihr überhaupt?

Eric: Die Instrumente singen.

Und singen die politisch?

Jerome: Ja.
Eric: Von oben nach unten.
Jerome: Und immer geradeaus.
Eric: Wir haben klare Botschaften.
Jerome: Das ist schon ein politisches Statement allein an sich, dass niemand singt, sondern die Instrumente singen, weil das dann International ist. Das ist eine Sprache, die man (muss lachen) nicht kategorisieren muss.
Max: (lachend) Darauf möchten wir auch nicht näher eingehen. Wir bitten in diesem Fall wirklich um Diskretion! (alle müssen wieder herzhaft lachen) Des is uns auch’n bisschen zu intim, wenn wir jetzt verraten, was wir an Musik machen. Weil Musik ist was sehr intimes.
Jerome: Eine sehr intime Angelegenheit.
Eric: Ich spüre Musik auch physisch.

Wie denn?

Eric: Sehr tief. Ein tiefes, emotionales Erregen.
Max: Konkret, sein linker Zeh wird dann ganz trocken.
Eric: Zum Beispiel – mein linker Zeh wird dann trocken, wenn Max bestimmte Akkorde spielt. Manchmal krieg ich auch’n Herzinfarkt. Mitten auf der Bühne, ist dann aber ganz schnell wieder vorbei. Ich bin resilient, wie man in der Wissenschaft sagt.
Max: Des is auch gesund, wenn das Herz auch mal auf Höchstleistung schlägt.
Eric: Des zieht richtig durch und dann auch mal wieder kurz Luft holen und dann geht’s weiter.
Max: Ja, des schiebt den Lebensabend nach hinten raus.

Möchtet ihr zum Abschluss noch etwas eurem Publikum sagen?

Jerome: Zieht euch was schönes an!
Eric: Sagen wa mal, schick.
Jerome: Anständige Tanzschuhe, das ist ganz wichtig!

Was dürfen wir denn von euch erwarten?

Max: Also wir bringen keine Klamotten für’s Publikum mit.
Jerome: Wir spielen in ausgewählten Klamotten!
Max: Edler Zwirn, ehm… exklusive… (überlegt) Nähte. (lacht)
Jerome: …und heroische Schnitte.

Na das klingt doch alles echt vielversprechend!

Jerome: (mich unterbrechend) Ja, versprechen könn‘ wa sehr viel…

Aber halten nicht…

Max: Aber wir haben’s nicht versprochen… (alle lachen)
Jerome: …aber bedeckt würden wir uns trotzdem halten.

Gut, ich denke das reicht auch für heute. Ich bedanke mich…

Jerome: Ja, mir reicht’s jetzt auch!

Gelächter.

DAS MUSS ICH SEHN‘ Wer nach diesem Gespräch noch nicht genug von den Jungs hat, kann sich von den „Fürst Lesson and the Levitenlasers“ am Donnerstag, den 10.12.2015 ab 21 Uhr (also glaubt besser nicht den nicht-existenten Plakaten!) in der Cavete auch mal selbst ein Bild machen. Und das auch noch kostenlos mit Geldzurück-Garantie! Wir jedenfalls sind hoch gespannt. Zum Facebook-Event geht’s hier.

FOTOS: Luis Penner

PHILIPP-Gründerin und Chefredakteurin. Zwischen ihrem Master in Friedens- und Konfliktforschung ist sie zu Techno und Goa am Raven oder reist durch die Weltgeschichte.

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