Sneak Review #29: Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

Sneak Review #29: Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

Und wieder fragen wir: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder greifen bereits die ersten Cineast:innen nach ihren Jacken? Diesen Dienstag in der Sneak: „Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ mit Daniel Radcliffe und James McAvoy.

Das Twentieth Century Fox Symbol erscheint auf der Kinoleinwand und ein lautes Jaaa, ja! ertönt ein bisschen rechts unter mir aus dem Publikum. Versteh ich nicht. Sind Twentieth Century Fox Filme nun ein Garant für gute Unterhaltung? Kurz darauf kommt es von links: „Harry Potter!“. Versteh ich noch weniger. Ich hab jetzt schon kein Bock mehr. Für mich hat Twentieth Century Fox nämlich auch viel mit Tamtam, Klischees und eben dieser classic viel zu übertriebenen Hollywood-Action zu tun.

Wir kennen die Geschichte. Zur Genüge.

In Anbetracht dieser Erwartung werde ich nicht enttäuscht. Gleich von Anfang an werden pompöse Bilder gezeigt, ein Zirkus im London des 19. Jahrhunderts ist der Ausgangspunkt der Geschichte. Erzählt wird sie von einem jungen Mann, den man bald als einen kleinen buckligen Clown kennenlernt, der von seinen Kolleg:innen bloß herumgeschubst und ausgelacht wird. Und dann verstehe ich endlich den „Harry Potter“-Ruf. Zuvor unter den wuscheligen Haaren und der fetten weißen Farbe im Gesicht nicht erkannt, freue ich mich nun, Daniel Radcliffe mal wieder auf der Leinwand sehen zu dürfen.

„Ihr kennt die Geschichte“, erzählt die Figur Radcliffes zu Beginn des Films. Man sieht eine alte Burg-Ruine an einem steilen Fels vor dem tosenden Meer aufragen, dazu starkes Gewitter, Blitze. Frankenstein. Schon wieder eine Verfilmung des Klassikers von Mary Shelley Anfang des 19. Jahrhunderts. Für einen kurzen Moment scheint es sogar, als sei sie gar nicht mal so schlecht. Der Plot von Paul McGuigans „Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ dreht sich diesmal vorrangig um den Gehilfen Igor, gespielt von Daniel Radcliffe, der von Victor Frankenstein aus dem Zirkus gerettet wird, nachdem dieser sein großes medizinisches Talent entdeckte.

Der Typ ist völlig crazy

Von da an hilft Igor Frankenstein bei seinem durchgeknallten Plan, einen Menschen zu erschaffen. Natürlich weiß er das zu Beginn nicht, bringt lediglich zahlreiche Körperteile dazu, wieder zu leben. Frankenstein ist begeistert von seiner Arbeit und wird indes immer verrückter. Übrigens hervorragend gespielt von X-Men Beau James McAvoy. Es war bestimmt ein riesen Spaß, mal völlig auszurasten. Als Zuschauer:in denkt man wirklich: Der Typ ist irre!

Das ist allerdings auch der größte Pluspunkt des Films: Die Schauspieler:innen spielen gut! Radcliffe mimt prima den Krüppel. Auch Andrew Scott (Sherlock) kauft man den gläubigen Inspektor Turpin ab, und Charles Dans ist zwar nur kurz zu sehen, aber, well, es ist Tywin Lannister. Doch das alles geht irgendwann leider etwas unter, wenn wieder mal die klassischen Action-Szenen über die Leinwand rollen. Ein Feuer dort, eine Explosion hier und alles untermalt mit ganz viel dramatischer Musik. Immerhin ist es manchmal aber wenigstens witzig, vor allem dank McAvoy, der gerne Sätze von sich gibt, wie: „Fühl dich wie zuhause, fass nichts an!“ oder nach ein paar Whiskey seinem Monster einen platten Schädel verpasst. „Wieso?“, fragt Igor und Frankenstein antwortet: „Weil ich das schön finde, ganz einfach.“

„Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ kommt am 12. Mai in die Kinos.

FOTO: 20th Century Fox

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PHILIPP-Gründerin und Chefredakteurin. Zwischen ihrem Master in Friedens- und Konfliktforschung ist sie zu Techno und Goa am Raven oder reist durch die Weltgeschichte.