Sneak-Review #51: Snowden

Sneak-Review #51: Snowden

Diesen Dienstag in der Sneak-Preview: Oliver Stones „Snowden“, ein Polit-Thriller über den Fall des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden, der laut unseres Autors mehr als ein für IT-Nerds und Enthüllungsjorunalist:innen intererssanter Film ist.

Der Abend fing denkbar schlecht für mich an. Ich wurde zweimal halbwegs direkt beleidigt, dass ich allein in die Sneak gehe und bei der Sitzplatzverlosung lag ich nur vier Plätze daneben. Na toll. Doch heute sollte mir nichts die Laune vermiesen, denn ich meinte zu wissen, welcher Film kommen würde. Der Sneak-Tipp hatte schon hoffen lassen und die Gerüchte, die durch den Kinosaal wie Brieftauben flogen, verstärkten diese Hoffnung. Und dann endlich: Die Leinwand wird schwarz und ein einziger Name erscheint: Snowden. Der Kinosaal ist aus dem Häuschen.

Der Rubik`s Cube

Gleich zu Beginn des Films weist ein Schriftzug das Publikum darauf hin, dass die folgenden Ereignisse eine dramatisierte Darstellung des Snowden Falls von 2004 bis 2013 erzählen. Stilistisch bedient sich der Film dabei dem Mittel der Nacherzählung. Wir schreiben das Jahr 2013. Die Dokumentarfilmregisseurin Lauras Poitras (Melissa Leo) und der Journalist Glenn Greenwald (Zacharay Quinto) sitzen in einem Einkaufszentrum in Hongkong vor einem Plastik-Dinosaurier und warten. Szenenwechsel. Wir sehen die Hand eines Mannes, die einen Rubriks Cube löst, ein Gegenstand, der uns durch den gesamten Film begleiten wird. Der Besitzer dieser Hand und des Würfels ist kein geringerer als die des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt), der sich mit den beiden treffen will, um den wohl größten Geheimdienstskandal in der Geschichte der USA aufzudecken.

Die drei begeben sich auf Snowdens Hotelzimmer, eine Kamera wird aufgestellt und der Whistleblower beginnt zu erzählen. Darüber, wie er zur CIA und zur NSA kam, über die geheimen Späh-Programme, die er mitentwickelt hat und warum er damit ausgerechnet jetzt an die Öffentlichkeit gehen möchte. Dabei springt der Film szenisch zwischen dem Hotelzimmer in Hongkong und Snowdens Vergangenheit hin und her und es wird schnell klar, dass Edward Snowden nicht einfach ein Whistleblower ist, dem die Praktiken seines Landes zu weit gingen. Da steckt mehr dahinter.

Stars and Stripes und der intelligente Patriot

Rückblick: Zu sehen ist ein Ausbildungstrupp der amerikanischen Special Force im Jahr 2004. Mitttendrin Edward Snowden, gekleidet in Uniform und Waffe in der Hand. Beim morgendlichen Aufstehen bricht er sich beide Beine beim Sprung aus dem Bett. Die vernichtende Diagnose: Noch eine Überbelastung der Beinknochen und sie zerfallen zu Staub. Aus der Traum, die USA an der Front mit Waffen zu verteidigen. Doch, so sagt der Arzt, gäbe es viele Wege, seinem Land zu dienen. Im Krankenbett noch erhält Snowden eine Nachricht von einem Mädchen auf einer Internet-Datingplattform für Nerds. Ihr Name lautet Lindsay Mills (Shailene Woodley) und, soviel sei an dieser Stelle verraten, sie wird Snowdens große Liebe und stetige Begleiterin. Und schon bei ihrem ersten Treffen sind die politischen Fronten klar. Während sie eher den linksliberalen Weltverbesser:innen zuzuordnen ist, positioniert sich Snowden auf der Seite der patriotischen Konservativen, er mag es nicht, wenn man sein Land und seine Regierung verunglimpft.

Doch nicht nur liebestechnisch hat sich etwas bei Snowden getan, er hat sich auch einen Ausbildungsplatz bei der CIA gesichert und das ohne Highschool-Abschluss. Denn schnell ist klar geworden: Der Junge hat was im Kopf und zwar eine ganze Menge. Besonders ist er zu kritischem Denken fähig, was sich den Rest des Films eindrücklich zeigt.

Zwischen den Fronten von Freiheit und Sicherheit

Oliver Stone zeichnet mit seinem Film „Snowden“ das Bild eines konservativen, jungen Mannes, der das Beste für sein Land will und dabei moralisch hin- und hergerissen ist. Zum einen ist er nun mal ein Genie der Informations-Technologie und versucht seine Taten und Programme mit Terrorabwehr und dem Schutz von Millionen von Menschenleben zu rechtfertigen, zum anderen kritisiert er dabei die unlauteren Methoden von Geheimdiensten, alles und jeden auf der Welt auszuspähen, aufs Schärfste. Im Film scheint sich Snowden im Kreis zu drehen, mal kündigt er einen Geheimdienstjob aus moralischen Gründen, dann fängt er wieder an und trudelt immer tiefer in den Spionagesumpf. Dabei setzt er alles aufs Spiel, die Beziehung zu seiner Freundin, seine Gesundheit und seine Freiheit, bis er nur noch einen einzigen möglichen Weg sieht: mit dem Wissen das er hat, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Oliver Stone schafft es dabei, das Gefühl von damals wiederzubringen, die Beklommenheit und Angst, dass mir jederzeit jemand über die Schulter schaut oder besser durch die Webcam beobachtet. Selbst die vielleicht unfreiwillig lustigen Momente des Films können dieses Gefühl nicht nehmen. Leider ist der Film vollgestopft mit unverständlichem Fachjargon, so dass ich mir stellenweise vorkomme, als würden die Darsteller klingonisch reden. Nur die dramatische Musik lässt erahnen, dass der zehnminütige Dialog über Codes und Programme für die Handlung wichtig sein könnte. Dennoch ist der Film nicht nur ein Genuss für jede:n IT-Student:in oder Script Kiddie, sondern auch Normalsterbliche wie ich können teilweise verstehen, mit was für unlauteren Methoden amerikanische Geheimdienste über Jahre die Weltbevölkerung ausgespäht haben. Definitiv kein Film für die ganze Familie, aber auch nicht nur für blasse Menschen, die nur hinter PC-Monitoren sitzen.

FOTO: IMDb

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Ich bin Gastautor beim PHILLIP und studiere Politikwissenschaften. Ich besuche regelmäßig die Sneak in Marburg und schaue gerne Serien.