Bunte Liga legt mit neuen Features los

Bunte Liga legt mit neuen Features los

Trotz bisher durchwachsenem Wetter herrscht auf dem Afföller seit einiger Zeit wieder Hochbetrieb – die Bunte Liga hat wieder losgelegt und dieses Jahr ist alles etwas anders. Oder doch nicht? Arne Steinberg hat als Gastautor mal den Beginn der BuLi für euch beobachtet.

Sommersemester. Der Uni-Betrieb läuft mehr oder weniger auf Hochtouren, während das eigentliche studentische Highlight diesen Jahresabschnitts auch so langsam an Fahrt aufnimmt. Die Rede ist dabei ausnahmsweise nicht vom Servicebetrieb der Biergärten in Mensa-Nähe, sondern eher von der Bunten Liga, die ja gemeinhin als eine der größten Attraktionen in Marburg gilt und wahrscheinlich so langsam auch mehr Leuten ein Begriff sein wird als bspw. das Schloss oder die Elisabeth-Kirche.

Wärmflasche und Tee statt Grill und Bratwurst

Das Jahr 2016 ist dabei für alle Bunte-Liga-Spieler:innen insofern eine Zäsur, als dass der Ligamodus leicht verändert und, viel wichtiger, endlich ein Pokalwettbewerb eingeführt wurde. Dieser bietet den 35 teilnehmenden Mannschaften die Möglichkeit, die „eigenen Gesetze des Pokals“ auch mal in Realität erfahren zu dürfen. Obwohl das Wetter im April ja bislang nicht allzu berauschend erscheint und sich der Autor nach dem heutigen Kick erst einmal zwei Wärmflaschen und einen Erkältungstee bringen lassen musste, läuft der Spielbetrieb so langsam aber sicher richtig an. Zugegeben, der Bunte-Liga-Geist zeigt sich auch eher bei Sonnenschein, wenn der Geruch von Grillanzünder und leicht verkohlten Bratwürsten über den Afföller wabert, doch auch eine Schlammschlacht bei Nieselregen und peitschendem Wind hat so ihren Reiz, obwohl man sich bisweilen schon fragt, wann genau man denn die Nerven verloren hat, um sich so etwas anzutun.

Einen besonderen Reiz in der Bunten Liga macht in diesem Jahr auch die Ligen-Einteilung aus, bei der sich die teilnehmenden Mannschaften nach eigenem Ermessen in unterschiedliche Niveaustufen einteilen konnten. Dies funktionierte in der Realität allerdings weniger gut, da sich nur zwei Mannschaften der Crème de la Crème der Bunten Liga zuordneten. Die restlichen Teams siedelten sich laut eigener Aussage eher so in der Mitte oder am anderen Ende des Leistungsspektrums an. Es lässt sich natürlich nur darüber spekulieren, inwieweit diese Möglichkeit der subjektiven Leistungseinschätzung einige Mannschaften überforderte. Möglicherweise war es aber auch Kalkül, um den leistungsstärkeren Mannschaften in der Gruppenphase aus dem Weg zu gehen. Schwamm drüber, sei es wie es sei, die Gruppen stehen.

Und es geht ja um Freizeitfußball und einen lockeren Kick, nicht um die Champions League.

Die Diskrepanz zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Teams ist allerdings ein Aspekt, der seit jeher in der Bunten Liga eine gewisse Relevanz hat. Vielfach werden Stimmen laut, die sich kritisch gegen Mannschaften richten, die aufgrund ihrer hohen sportlichen Qualität in der Bunten Liga locker alles wegfiedeln, was sich ihnen in den Weg zu stellen versucht. Häufig wird den leistungsstarken Teams dann übertriebener Ehrgeiz oder Siegeswille vorgeworfen, wenn sie erneut einen Vereinsspieler anschleppen, der dann das Trikot überstreift und mit einem Fallrückzieher aus der eigenen Hälfte das 10:0 erzielt. Mit dem schwachen Fuß. Während man selbst schon froh ist, sich einigermaßen fehlerfrei die Schuhe binden zu können.

Natürlich, Vereinsfußball ist das eine, Freizeitfußball das andere. Aber man muss auch mal eine Lanze für Vereinsspieler:innen brechen: auch sie spielen Bunte Liga aus Spaß an der Freude. Unter der Woche mit den Kolleg:innen aus der Uni locker flockig in der Bunten Liga ein paar Spielchen zu machen, hat für viele einen besonderen Reiz, weil man ansonsten eben nicht dazu kommen würde, da der Vereinsfußball ja über gewisse Regularien verfügt. Das Hauptregularium in der Bunten Liga ist allerdings, gemeinsam Spaß zu haben und sich an der schönsten Nebensache der Welt zu erfreuen, ob in einem guten Team oder in einem schlechten. Kritisch ist eine solche Entwicklung nur dann, wenn Teams mit geringem Zusammengehörigkeitsgefühl beim nahegelegenen Hessenligisten anfragen, um für das entscheidende Spiel noch ein wenig Qualität einzukaufen und die frischen Neuzugänge dann direkt nach dem Spiel wieder verschwinden, ohne die so wichtige dritte Halbzeit zu begehen.

Diese Mentalität ist allerdings in der Bunten Liga Marburg weniger ausgeprägt. Wenn ein Team jedoch über Jahre homogen wächst und die Bunte Liga aktiv unterstützt, darf sie gerne alles gewinnen, wenn sie die besten Spieler:innen hat. Umso größer ist dann auch der Reiz, wenn man sich als wenig talentierte, aber willige Bunte-Liga-Mannschaft in einem Duell mit besseren Spieler:innen messen kann, wozu es ja sonst auch nicht kommen würde. Von daher entschied der Bunte-Liga-Ausschuss auch nach mehrwöchiger Klausurtagung in einem Kloster in Bad Münstereifel, den Teams die Möglichkeit zur Selbsteinschätzung zu geben und auch den sogenannten „Kleinen“ im Pokal ein Duell gegen die besten Mannschaften der BuLi zu ermöglichen. Und schlussendlich reicht der Afföller mit seinen topologischen Eigenheiten schwächeren Teams gerne öfter mal die Hand, was die ganze Chose auch noch einmal interessanter macht: ein Maulwurfshügel hier, ein tiefes Loch da – unmöglich erscheint fast nichts.

Allen, die nicht daran glauben, sei noch einmal das Märchen vom letztjährigen Finalisten Stümper’s Finest ans Herz gelegt, die es mit Teamgeist und Willen bis ins Finale schafften. Vielleicht hält die Bunte Liga auch in diesem Jahr eine solche Überraschung für die Gemeinde bereit.

FOTO: Grounshopping Merseburg, auf flickr.com, CC-Lizenz

Website | + posts

Ressortleiterin Sport, studiert vergleichende Kultur- und Religionswissenschaft und „hüpft“ oft und gern durch die Fußballstadien der Republik.