„Wir sind hier ja nicht in einer Freizeitliga!“

„Wir sind hier ja nicht in einer Freizeitliga!“


Am 21.07.2015 fand das Finale um den Meisterschaftstitel der Bunten Liga statt. Eines vorweg: die unerwartete Sensation blieb aus. Wie ist das Spiel ausgegangen und was habt ihr verpasst, wenn ihr nicht auf dem heiligen Afföller wart? Hier das Spiel in der Nachlese.

Bier, Pyro, ein faires Spiel. Alles Dinge, die durchaus umsetzbar gewesen wären. Pyro gab es leider nicht. Dafür aber überaus engagierte Stümpers Fans und Spielerfreund*innen, die mit viel Hingabe, Liebe zum Detail und Enthusiasmus Plakate und T-Shirts, Fähnchen und Deko gebastelt haben. Auch waren sie, wenn auch nicht über das komplette Spiel, eindeutig die lauteren Fans mit mehr Anfeuerungsrufen.

Fouls wohin das Auge reicht

Generell war der Input von der Seitenlinie wie bei einem D-Jugend-Spiel: voller Pöbelei und Poesie. Die obligatorischen „Schiri der hat schon gelb“-Rufe von der Seitenlinie, obwohl es natürlich gar keinen Schiri gab: Auf dem Feld hier mal eine kleine Tätlichkeit und ein ausgestreckter Ellenbogen und dort mal eingeharkt und schon buhen 90 % der Anwesenden den auf dem Boden liegenden Lahnlöwen-Spieler aus. Dennoch, auf beiden Seiten wurde nicht mit Fouls gegeizt. Als in der zweiten Halbzeit aber der Führungstreffer für die Lahnlöwen fiel und wirklich einige Zuschauer*innen Buh riefen, fragte man sich doch, ob man hier in einer Freizeitliga sei. Und tatsächlich konnte sich eine Zuschauerin diesen Satz auch nicht verkneifen und rief nach einem sehr rüden und vor allem unnötigen Foul eines Stümpers Spielers: „Wir sind ja hier nicht in einer Freizeitliga!“ Diese eine Tätigkeit, für die es selbst in einem Bezirksligaspiel rot hätte geben müssen, tat dem Spiel aber keinen Abbruch. Positiv zu vermerken bleibt die Tatsache, dass dem Stümpers Spieler von seinen eigenen Kollegen der Kopf zurecht gerückt worden ist.

Dennoch – oder gerade deshalb, das macht die Bunte Liga ja aus – war es ein faires und alles andere als uninteressantes Spiel. Auch wenn die Lahnlöwen über beide Halbzeiten und die Nachspielzeit hinweg eher das Spiel gemacht haben, kamen auch Stümpers Finest zu Großchancen. Mit einem Halbzeitstand von 0:0 ging es nach einer kurzen Unterbrechung und einem schnellen Seitenwechsel auch schon weiter. Wie man im Fußball so schön sagt: manchmal reicht der eine, richtige Moment. Die Lahnlöwen konnten in der 32. Minute das 1:0 erzielen. Doch dass Stümpers Finest mitnichten zu unrecht im Finale standen, zeigte sich schnell: Angetrieben von dem Rückstand begannen sie, das Spiel an sich zu reißen. Keine zehn Minuten später gelang ihnen in der 41. Minute der Ausgleichstreffer zum 1:1.

Was Stümpers Finest im Weg steht? Sie selbst.

Die Lahnlöwen hätten das Spiel schon in der 1. Halbzeit für sich entscheiden können, ja vielleicht sogar müssen, immerhin wurde das Team als haushoher Favorit gehandelt. Wäre der ein oder andere Ball nicht über den Kasten, sondern ins Tor hinein gegangen, wären sie dieser Rolle auch gerecht geworden. Aber auch wenn die Lahnlöwen das Spiel bestimmt haben, so hielten Stümpers Finest doch immer mit und nach dem Ausgleich zum 1:1 drehten sie sogar nochmal richtig auf. Stümpers Finest müsste noch am eigenen Konterspiel arbeiten, denn aus eigenen Kontern entwickelten sich recht häufig Gegenkonter für die Lahnlöwen. Mit ihrem Keeper haben Stümpers Finest aber einen versierten Torhüter in ihren Reihen, der ihnen kurz vor Ende der regulären Spielzeit von zwei mal dreißig Minuten das 1:1 festhielt. Die Nachspielzeit von knapp zehn Minuten glich dem Spiel in der regulären Spielzeit: Die Lahnlöwen rennen, vergeben Torchance um Torchance, während Stümpers Finest dagegen halten. Aber auch sie können den Ball nicht im Tor der gegnerischen Mannschaft unterbringen.

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Wünscht man sich als Fan einer Mannschaft ein Neun-Meter-Schießen, wenn es um den Pott geht? Nein, eigentlich nicht. Wünscht man sich als neutrale Person ein Neun-Meter-Schießen? Eventuell. Okay, Neun-Meter-Schießen ist schon ziemlich cool. Vor allem, wenn es um etwas wie den Sieg der Bunten Liga geht. Und wenn nach zwei Mal dreißig Minuten plus zehn Minuten Verlängerung noch kein Sieger feststeht, so bleibt dann doch nur noch eins, um den diesjährigen Meister der Bunten Liga auszuspielen: eben das Neun-Meter-Schießen.

FC Bayern München lässt grüßen

Stümpers Finest beginnen und verwandeln direkt sicher, doch die Lahnlöwen gleichen sofort mit dem ersten Schützen zum 2:2 aus. Auch wenn die Stümpers den zweiten Schuß an den rechten Pfosten setzen und ihr Torhüter beweist, wie viel er wert ist, indem er einen Ball hält, ist das Ding noch lange nicht durch. Nachdem Stümpers Finest wieder nicht treffen, stattdessen den Ball über das Tor schießen, verwandeln die Lahnlöwen den sechsten Schuß zum 2:3. Der nachfolgende Schuß der Stümper geht wieder an den rechten Pfosten und nachdem die Lahnlöwen erneut einen Treffer landen, ist ihnen der Sieg sicher. 2:4 nach dem Neun-Meter-Schießen und die Lahnlöwen sind Meister der Bunten Liga. Mal wieder. FC Bayern München lässt grüßen.

Wie das so ist erneut Meister der Bunten Liga zu sein? PHILIPP durfte nach dem Spiel direkt mit zwei Spielern der Lieblichen Lahnlöwen sprechen

Nein, niemand ist beim entscheidenden Neun-Meter-Schießen ausgerutscht, wie im DFB-Pokalhalbfinale vor einigen Wochen Lahm und Alonso. Und dennoch: es lässt sich nicht von der Hand weisen, mit welcher Übermacht die Lahnlöwen diese Bunte Liga Saison dominiert und gewonnen haben. Doch es sind nicht die Lahnlöwen, die am lautesten feiern. Direkt nach Abpfiff sind es die die Stümpers und die treuen Fans, die sich selbst gebührend feiern. Dürfen sie auch, denn wenn wir mal ehrlich sind: Niemand hätte erwartet, dass Stümpers Finest sich so ins Finale kämpfen und den übermächtigen Lahnlöwen so Kontra geben könnten. Chapeau an dieser Stelle dafür.

Unverdient ist der Titel nicht.

Und dennoch, das muss jede*r zugeben, egal ob LLL Sympathisant*in oder nicht: unverdient ist der (erneute) Titel nicht. Auch wenn die Mehrheit der knapp 230 Anwesenden lieber den Stümpers zu ihrem Titel gratuliert hätten, so muss man festhalten, dass die Lahnlöwen aktuell das erfolgreichste Team der Bunten Liga sind. Herzlichen Glückwunsch.

Bei Sportveranstaltungen liegen Freude und Trauer ganz eng beiander, auch die Stümpers Finest ließen sich zu einem kurzen Statement nach dem Spiel hinreißen.

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Ressortleiterin Sport, studiert vergleichende Kultur- und Religionswissenschaft und „hüpft“ oft und gern durch die Fußballstadien der Republik.