Ich geh‘ (auf gar keinen Fall) zum Sport Dies

Ich geh‘ (auf gar keinen Fall) zum Sport Dies

Jedes Jahr findet in Marburg der sogenannte Sport Dies statt. Ein Tag, gewidmet den sportlichen Aktivitäten. „Viel Spaß, Sport und Spiel“ steht dabei im Vordergrund des Sportfests, wie die Hochschulwebsite jährlich ankündigt. Neben Wettkämpfen finden zahlreiche sportliche Mitmachangebote statt. Universitäre Veranstaltungen fallen dem zugunsten mehrheitlich aus. Aber ob Studis das wirklich geil finden, ist nicht immer gewiss. Ein Streitgespräch.

PRO von Julia Mehr
Überall sind sportlich, motivierte Leute im Sonnenschein auf dem Sportplatz des Uni-Stadions – Ehrgeiz liegt in der Luft. So habe ich mir das Leben an der Uni immer vorgestellt: Neben dem Hirnsport in Vorlesungen und Seminaren gibt es Sommerfeste, die getreu dem Motto von „Brot und Spielen“ stehen. Klar, wir sind nicht im alten Rom, aber die Sport-Tradition gehört meiner Meinung nach eben genauso zum Studieren wie das Bücherwälzen. Der jährlich stattfindende Sport Dies bietet Studierenden die Gelegenheit, sich zu messen und zu zeigen, wer was drauf hat, aber auch einfach Spaß beim Ausprobieren ungewöhnlicher Sportarten zu haben. Das Angebot ist kostenlos (was für uns arme Studierende immer ein guter Anlass zur Aktivität ist), die Uni fällt – das gefällt vor allem den von der Anwesenheitspflicht gepeinigten – an dem Tag sogar aus (wie zumindest in der offiziellen Mail des Uni-Kanzlers groß angekündigt) und es gibt nicht mal einen Nachteil für die, die lieber fernbleiben. Dagegen sein und über alles meckern kann man immer, aber ohne besondere Feste fände ich mein Leben ziemlich kulturfrei und langweilig. Ich kämpfe lieber beim Basketball als Teil eines Mixed-Teams (Ja, auch die Uni versucht es mit der Frauenquote) gegen Typen, die drei Köpfe größer sind, als gleich das Handtuch zu werfen. Vielleicht blamiere ich mich dann auch – aber was ist schon dabei? Es ist nicht das größte Sportevent, das man sich vorstellen kann, aber genau darin liegt doch der sonst immer angepriesene Charme von Marburg: Nicht nur Muskeltiere können beim Sport Dies teilnehmen, es ist für alle etwas dabei: Neben den C-Promis des Sports wie Bankdrücken, Wandern und Schach könnt ihr die Mitmachangebote Tischfußball, Kistenklettern oder Indoorcycling nutzen oder bei den Teamsport-Klassikern Basketball, Beach-Volleyball, Fußball oder Handball antreten. Ich persönlich will mir auch unbedingt Kanu-Polo ansehen. Letztendlich fehlen eigentlich nur noch Fans und Cheerleader*innen. Und dann das Beste: Der Abend endet schließlich mit der ultimativen Sport-Dies-Party im Unix!

KONTRA von Nele Hüpper
„VORBEIKOMMEN, MITMACHEN, SPAß HABEN!“, so bewirbt das Zentrum für Hochschulsport den jährlich stattfindenden Sport Dies dieses Jahr. Aber nein, liebe Uni, ich werde da nicht hingehen. Ich mag Sport, ich spiele gerne Fußball oder Handball und zwinge mich auch Laufen zu gehen, aber der Sport Dies der Uni gehört zu den unsinnigsten Veranstaltungen im Jahr. Das akademische Äquivalent zu den Bundesjugendspielen gehört abgeschafft. Die Bundesjugendspiele waren bei uns übrigens ähnlich gut besucht wie der Sport Dies. Nämlich schlecht. Jetzt mal ehrlich: Wer macht denn nicht lieber einen Tag frei? WER geht denn da wirklich hin? Ein Fragezeichen reicht. Nicht mal, die Sportwissenschafts-Studis gehen da hin. Und Fußball gucke ich in Marburg lieber bei der Bunten Liga. Wenn man sich das Programm mal anschaut, dann ist es eh wie jedes Jahr dasselbe. Bei Hinweisen zu den Mannschaftsturnieren wie: „(…) die Turnierleitung stellt faire MIXED Mannschaften zusammen (Megastarke supergeile Mannschaften haben keine Chance mehr!!!).“ braucht man sich keine Illusion zu machen, WER an diesem Sport Dies eigentlich teilnimmt: Vereinssportler*innen, die sich selbst bei einem kleinen popeligen Uni-Turnier profilieren wollen. Nein, das brauche ich wirklich nicht. Immer wieder wenn der Sport Dies beworben wird, frage ich mich, warum. (Semi-)Professioneller Sport spricht nur einen kleinen Teil der Studierenden den Universitätsstadt Marburg an und das sind dann eben zum Großteil die Vereinssportler*innen. Aber für diese paar Leute muss also ein ganzer Tag der Universitätsbetrieb „Still stehen“, damit sie Sport machen können. Zumal die Sportarten, die beim Sport Dies angeboten werden, absolut unrepräsentativ für das sind, was im Zentrum für Hochschulsport angeboten wird. So ein Sport Dies sollte eher dafür da sein, Sportarten mal ausprobieren zu können, wozu man sonst keine Gelegenheit hat. Bogenschießen zum Beispiel. Wird das beim Sport Dies angeboten? Nein. Also. Warum gibt es dann einen Sport Dies? Warum? Klar gibt es in einigen Fachbereichen ganze „Reading Weeks“, aber haben die Chemiker*innen einen „Chemie-Tag“? Oder hat einer der Fachbereiche der Philosophischen Fakultät einen „Philfak-Day“? Nein.

FOTO: Katharina Meyer zu Eppendorf

Website | + posts

Ressortleiterin Sport, studiert vergleichende Kultur- und Religionswissenschaft und „hüpft“ oft und gern durch die Fußballstadien der Republik.