Sneak-Review #14: The big short

Sneak-Review #14: The big short

Und auch diese Woche fragen wir wieder: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder greifen bereits die ersten Cineast*innen nach ihren Jacken? Diese Woche in der Sneak des Cineplex Marburg: The Big Short von dem Regisseur Adam McKay.

Als die Weltwirtschaftskrise Amerika und Europa erreichte, war ich ungefähr in der 9. Klasse. Das war 2008. Immobilienblase, Kollaps von Lehmann&Brothers, ihr erinnert euch vielleicht. Mit den ganzen Begriffen konnte ich schon damals nicht viel anfangen. Viel zu viel Stoff für mein Neuntklässlerinnen-Gehirn. Deshalb stellt sich beim Anblick von „The Big Short“ die berechtigte Frage: Reichen dem Regisseur Adam McKay 130 Minuten, um die Weltwirtschaftskrise zu erklären? Jein. Ist der Film spannend, obwohl man genau wissen kann, was passiert? Absolut.

Ein Film, so amerikanisch, wie er nur sein kann

„Nicht das, was du nicht weißt, bringt dich in Schwierigkeiten, sondern das, was du sicher zu wissen glaubst, obwohl es gar nicht wahr ist”, sagte mal Mark Twain, Zitatgeber für den Anfang eines Films, der einen ein wenig ratlos aus dem Kino gehen lässt. Nicht nur wegen des Inhalts, auch wegen des großen Ganzen. Jared Vennett (Ryan Gosling) ist der Erzähler der Geschichte, die sich um verschiedene Investmentbanker an der Wall Street rankt. Im Fokus dabei: Eine kleine Gruppe von Investmentbankern, die den Kollaps des amerikanischen Wirtschaftssystems vorausgesagt haben, weil sie nicht wie alle anderen Ahnungslosen blind dem System vertrauten. Aus drei Blickwinkeln wird beginnend mit dem skurrilen Arzt Michael Burry (Christian Bale), ein Zahlengenie mit Zügen vom Asperger-Syndrom, erzählt. Der kongeniale Arzt und Manager eines Hedgefonds beginnt schon 2005 damit, den Kollaps des Finanzsystems vorherzusagen – und zu berechnen. Dann sind da noch der Investmentbanker Mark Baum (Steve Carell) mit seinem Team, der schon seit 20 Jahren an der Wall Street mit Aktien handelt. Mark Baum ist dabei von Haus aus vor allem wütend. Auf alles und jeden. Am allermeisten aber auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt sowie auf sich selbst, weil er den Selbstmord seines Bruders nicht verhindern konnte. Er ist derjenige, der mit der Art Idealismus und Wut durch die Welt geht, die man sich selbst auch irgendwie wünscht. Und dennoch gibt es diese Szene in dem Film: Mark Baum und sein Team recherchieren in Las Vegas und versuchen herauszufinden, wie dumm und ahnungslos die Investmentbanker der Wall Street doch sind. Sie werden von zwei Männern auf den Schießstand eingeladen und schießen mit Maschinenpistolen auf Bilder von Osama Bin Laden. Mehr Amerika und Vorurteil geht einfach nicht.

Ahnungslosigkeit ist die treibende Kraft – Vertrauen in das System ist der Fehler

Schließlich sind da aber noch die beiden jungen, aufstrebenden Investmentbanker Jamie Shipley (Finn Wittrock) und Charlie Geller ( John Magaro), die unbedingt einen Fuß in die großen Banken der Wall Street bekommen wollen und doch immer wieder im Foyer scheitern. Unterstützt werden sie von Jamies ehemaligem Nachbar: Ben Rickert. Der Wall Street-Aussteiger wird gespielt von einem unfassbaren Brad Pitt, der in der Rolle des leicht verdreht-verrückten Rickert mehr als nur aufgeht. Es ist nicht ganz klar, wer in dem Film „die Guten“ und „die Bösen“ sind – immerhin handelt es sich um Banker, die aus dem Bankrott von Lehmann&Brothers Profit schlagen. Und damit auch aus dem Leid von mehreren Millionen Amerikaner*innen.

Manchmal wird der Film von einem der Protagonisten unterbrochen, der direkt in die Kamera spricht, um etwas zu erklären. Oder von einem Cameo-Auftritt von Selena Gomez, die anhand eines Pokerspiels „synthetische“ CDOs erklärt. Alles in allem ist „The Big Short“ deshalb kein Film, den man einfach so nebenbei gucken kann. Vorwissen in Bezug auf die Finanzkrise ist absolut von Vorteil. Auch wenn der Film einige witzige Stellen hat, so bleibt es eine wahre Geschichte, die im Zeitgedächtnis der meisten von uns noch gar nicht so lange her ist. „The Big Short“ basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Michael Lewis, der auch die literarischen Vorlagen zu „Blind Side – Die große Chance“ und „Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“ lieferte.

Kinostart ist der 7. Januar 2016, und zum Trailer geht’s hier.

FOTO: Paramount Pictures Corporation

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Ressortleiterin Sport, studiert vergleichende Kultur- und Religionswissenschaft und „hüpft“ oft und gern durch die Fußballstadien der Republik.