Sneak Review #6: Steve Jobs

Sneak Review #6: Steve Jobs

Und auch diese Woche fragen wir wieder: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder greifen bereits die ersten Cineast*innen nach ihren Jacken? Diese Woche in der Sneak des Cineplex Marburg: Danny Boyles Biographie über Steve Jobs.

Es sind bekannte Schauspieler*innen, die am linken Bildrand einer schwarz-weiß Szene namentlich genannt werden. Michael Fassbender, Kate Winslet, Seth Rogen. Die Anfangsszene setzt sich mit dem Jahr 2001 auseinander und wie die Computer das Leben der Menschen verändert haben werden. Ohne die Einblendung des Titels ist dennoch klar, um was oder besser gesagt wen es hier geht: Steve Jobs. Genervtes Stöhnen bei den Apple-Hassern und leuchtende Augen bei den Apple-Junkies – ich habe das Glück im Kino zwischen beiden zu sitzen.

„Ich bin Julius Ceaser: umringt von Feinden.“

Der Film setzt im Jahr 1984 ein. Steve Jobs (Michael Fassbender) steht kurz vor der Präsentation des Macintosh, die Szenerie spielt hinter der Bühne und zeigt die technischen Probleme, die es auch am Tag der Präsentation noch gibt. Zudem ist die Mutter seiner unehelichen Tochter Lisa (Perla Haney-Jardine) Chrisann Brennan (Katherine Waterstone) hinter der Bühne und klagt Steve Jobs ihr Leid. Wirklich auseinandersetzen möchte er sich mit seiner Tochter nämlich nicht. Dennoch verspricht er im Streit Chrisann Geld zu überweisen. In der Interaktion mit Menschen verhält Steve Jobs sich, nett ausgedrückt, wie ein Arschloch. Auch mit seiner Marketing-Chefin Joanna Hoffman (Kate Winslet) streitet er sich, dennoch ist und bleibt sie eigentlich diejenige die ihm Kontra gibt. Und geben darf. Denn sonst reagiert Jobs eher so: Er staucht den Programmentwickler des Macintosh Andy Hertzfeld (Michael Stuhlbarg) zusammen, weil die Sprachausgabe noch nicht funktioniert wie sie soll. Der Mac muss (!) Hallo sagen! Er muss!

Es folgt ein Zeitsprung, unterlegt mit Zeitungsüberschriften und Kommentaren. 1988. Steve Jobs ist nicht mehr bei Apple, hat sich im Streit getrennt. Dennoch stellt er wieder einen Computer vor, den der Firma NeXT – nur leider ohne Betriebssystem. In Rückblenden werden die vier Jahre nacherzählt, wie Steve Jobs bei Apple gegangen wurde. Wieder steht die Produktpräsentation in einem Theater bevor, wieder streitet Jobs mit allen und jeden. Er kriegt seine Probleme mit seiner Tochter nicht in den Griff, selbst als sie ihn bittet bei ihm wohnen zu können, sagt er nichts. Auch seine ehemaligen Weggefährten von Apple, Hertzfeld, Wozniak und der ehemalige Marketingchef von Pepsi John Sculley (Jeff Daniels) holen sich ihre Abreibungen durch Jobs ab. Es ist ähnlich wie in der Episode zuvor, im Jahr 1984 bei der Vorstellung des Macintosh. Und endet ebenfalls mit einem Paukenschlag, denn der NeXT Cube verkauft sich noch schlechter als der Macintosh.

„Es ist mir egal, ob mich jemand leiden kann.“

Dritte Episode. 1998, San Fransisco. Vorstellung des iMac. Steve Jobs ist zurück bei Apple, inzwischen sichtlich gealtert aber so, wie man den 2011 verstorbenen in Erinnerung hat: Rollkragenpullover, Jeans, Turnschuhe und die randlose kreisrunde Brille. Wieder ist die Vorstellung des Produkts der Aufhänger, wieder streitet sich Jobs mit Mitarbeitern und seiner Tochter. Doch diesmal ist es anders, immer noch nicht gerade gut im Umgang mit seinen Mitmenschen läuft er seiner Tochter nach dem Streit doch nach, versöhnt sich mit ihr und erzählt ihr, er würde dafür sorgen, dass sie bald nicht mehr mit Walkman rumlaufen müsse. „Ich packe dir 100 Songs in dein Tasche, nein 1000. Okay 500“ sagt er zu ihr, bevor er auf die Bühne geht um den iMac vorzustellen: das Produkt, das das kommerzielle Comeback der Firma Apple werden sollte.

Der echte Jobs mit seinem iMac-Baby
Der echte Jobs mit seinem iMac-Baby

Der Film zeigt anhand der drei Produktpräsentationen das Leben Steve Jobs‘ in den Jahren 1984 bis 1998. Es geht dabei aber immer um mehr als nur die Computer von Apple. Es geht um Steve Jobs Adoption, das Verhältnis zu seinen Angestellten und Mitarbeiter*innen (insbesondere Wozniak, Scully und Hartzfeld) und das Verhältnis zu seiner eigenen Tochter. Ist der Film nur ein Werbefilm für Appel? Nein, das Biopic ist ein Stück mehr. Es gibt Einblick in das Leben eines verrückten Wissenschaftlers, der einfach nur die Welt der Personal Computer auf den Kopf gestellt hat. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Es zeigt Steve Jobs als einen Computerdesigner, als Heiligen des Appleuniversums mit Ecken und Kanten. Mit sehr vielen Ecken und sehr vielen Kanten.

Kinostart ist am 12.11.2015. Und hier geht’s zum Trailer.

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Ressortleiterin Sport, studiert vergleichende Kultur- und Religionswissenschaft und „hüpft“ oft und gern durch die Fußballstadien der Republik.