Sneak Review #66: Why Him?

Sneak Review #66: Why Him?

Für viele ist die Sneak schöner als jedes Überraschungsei. Die Quote der Freude über den Inhalt dürfte sich bei beiden die Waage halten. Schade nur, dass gute Filme nicht so zahlreich an Strände gespült werden, wie Überraschungseier. Mit „Why Him?“ hat uns John Hamburg eine Menge Unsinn beschert.

Offensichtlich haben wir geträumt, dass bereits 2017 ist. In Kalifornien werden die Weihnachtsbäume ausgepackt und bei John Hamburg (u.a. Drehbuchautor von „Meine Braut, ihr Vater und ich“) geht es nicht nur um ein gemütliches Fest der Liebe sondern, um es mit den Worten des Hauptprotagonisten Lairds (James Franco) auszudrücken: eine „fucking Party“.  Familie Fleming aus Michigan beschließt, zur Abwechslung mal Weihnachten bei Tochter Stephanie (Zoey Deutch) zu verbringen, welche in Stanford studiert. Diese allerdings verheimlichte bis dato nicht nur den Kontostand ihres boyfriends, sondern auch den geplanten Studienabbruch. Papa Fleming (Bryan Cranston) packt sofort der Beschützerinstinkt, als er dem fluchenden, tätowierten Internet-Milliardär begegnet, welcher sich zur Begrüßung ein Familienbild in den Rücken stechen lässt.

Er ist wirklich ein fucking netter Kerl

Dabei will der stinkreiche Laird doch nichts anderes, als endlich familiäre Zuneigung genießen, die er so lange vermisste. Seine soziale Inkompetenz lässt ihn allerdings sämtliche Benimmregeln vergessen und Mama und Papa Fleming fühlen sich in ihrer elterlichen Pflicht, wenn sie ihn ermahnen, weniger Schimpfwörter zu benutzen. Im Deutschen variiert Lairds oft verwendete Ausdrucksweise „fucking“ zur Abwechslung zwischen „scheiße“, „abgewichst“ und „kacke“. Stepahnie steht voll und ganz hinter ihrem extrovertierten Lover: „Laird nimmt kein Blatt vor den Mund. Aber er ist ein wirklich netter Kerl.“ Mit so viel Geld, dass er dem potenziellen Schwiegervater eine eigene Bowling-Bahn in sein Haus bauen lässt. Wenn das nicht Herzen zum Schmelzen bringt.

„Warum er?“ fragt Ned, ihr Vater. Ihre Antwort – erwartungsgemäß: „Weil er mich wirklich glücklich macht“. Da flattern doch schon die Dollar-Scheinchen im Hinterkopf. Vater und Freund ziehen von beiden Seiten an Stephanie, welche nur durch diesen Konflikt ihre Daseinsberechtigung erhält – ist doch nie Thema, was genau sie in Stanford studiert. Zentral für die Geschichte sind die zwei Männer und ihre Komplexe.

Fuck the money, money fucks you

111 Minuten lang darf man den tätowierten Oberkörper von James Franco bewundern und über dessen spätpubertäre Witze lachen. Dinge, die in diesem Film vorkommen (nicht in dieser Reihenfolge): ein Elch in seinem eigenen Urin schwimmend, japanische Toiletten, Pink Panther, ein Chor, IPads, KISS, Tauben, Videospiele, ein Lama, das Silicon Valley. Geht da noch mehr?

Im Grunde zeigt der Film nur, was man alles haben könnte, wäre man schön, reich und durchgeknallt. Zelebriert wird das Fest des Konsumrausches. Ob im Dezember oder Januar ist dabei eigentlich egal, denn so oder so kann man den Filmtitel schön verkürzen auf: „Why?“.

Foto: foxmovies.com

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Als Ressortleiterin für Kultur und hauptberufliche "Kunst, Musik und Medien" -Studentin tingele ich am liebsten in der heimischen Kino-, Club- und Radio-Szene herum. Interessiert an allen DIY-Projekten, von der eigenen Fahrrad-Werkstatt, bis zur Late-Night-Lesung.