Sneak-Review #33: Green Room

Sneak-Review #33: Green Room

Und auch diese Woche fragen wir wieder: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder wäre das Geld in ein Sixpack kaltes Bier an der Lahn besser investiert gewesen? Diesen Dienstag in der Sneak: Der US-amerikanische Action-Thriller „Green Room“ von Regisseur Jeremy Saulnier.

Das Lied Fleischwolf“ – „ein besonders brutaler Song“, wie Skinhead-Mädchen Amber (Imogen Poots) anmerkt – ist das Erkennungssignal für Emily (spielt tot: Taylor Tunes). Es steht auf der Serviette, die in der Hosentasche ihrer Leiche gefunden wird. Sie hat ihn nicht mehr gehört, dummerweise wurde ihr von einem Nazi-Schrank-von-Typ ein Messer in den Kopf gerammt. Ihr Tod verhindert nicht nur das von ihr geplante Fluchtmanöver aus der Nazi-Szene, sondern ist auch der Grund für eine blutige Geiselnahme: Die Hardcore-Band „Ain’t Rights“ will ihre Tourkosten wieder einspielen und lässt sich zu einem nicht ganz sauberen Gig überreden, realisiert aber zu spät, bei welchem abgelegenen Nazi-Bunker sie da gelandet ist. Die Mitglieder (gespielt von Alia Shawkat, Anton Yelchin, Joe Cole und Mark Webber) versuchen, der Situation mit Komik zu begegnen und schreien während ihres Auftritts ein paar mal Nazi Punks fuck off!“ in die Menge, was die Leute vor der Bühne nicht großartig zu stören scheint. Die ein oder andere Bierflasche fliegt zwar, aber Verletzte gibt es nicht – noch nicht. Die Band ist schon fast zur Tür raus, als die Gitarisstin merkt – Klassiker – dass sie ihr Handy im Backstage vergessen hat. Der Anblick der toten Emily hat für die Band einen Hausarrest zu Folge, der erst zum Psycho-Trip und dann zum klassischen Splatter ausartet.

„Wenn der Film kommt, geh ich!“

Bereits bei der Trailervorschau wurde klar, dass der Film sanfte Gemüter verschrecken könnte. Und so begann denn auch nach Titeleinblendung eine kleinere Abwanderung im Kino. Der Rest der Zuschauer:innen freute sich auf das kommende Gemetzel. Die Band, die mit Amber, der Freundin der Toten und einem Nazi-Aufpasser festsitzt, sieht sich in einem Zimmer mit nur einem Ausgang gefangen und sie sind nicht so naiv zu glauben, sie würden lebend entkommen. Der hauseigene Schlägertrupp aus „roten Stiefeln“ wird zum Beseitigen der Zeugen abkommandiert. Zusammen mit Kampfhund und Säbeln geht es den jungen Musiker:innen an die Eingeweide. Ein paar finden ein schnelles Ende, andere dagegen verschanzen sich weiter in dem Backstage ohne Notausgang und kleben ihre Fleischwunden mit Gafferband zusammen, während sie sich einen heroischen Schlachtplan überlegen.

Viel wäre zur Handlung also nicht zu sagen: Der Film gibt was er verspricht. Und dazu zählen neben unzähligen Neo-Nazi-Klischees auch die klassische Musik der Szene: „echter Hardcore“. Zumindest dieses Kompliment bekommt die Band aus dem Gegenlager zu hören. Bei der Musik sind sich Nazi und Punk halt einig. In diesem Sinne kann man „Green Room“ (was übrigens soviel wie Backstage bedeutet) getrost als einen Late-Night-Snack für zwischendurch betrachten und sich danach wieder einem gehaltvolleren Film zuwenden.

„Green Room“ kommt am 2. Juni in die deutschen Kinos.

FOTO: Universum/24 Bilder

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Als Ressortleiterin für Kultur und hauptberufliche "Kunst, Musik und Medien" -Studentin tingele ich am liebsten in der heimischen Kino-, Club- und Radio-Szene herum. Interessiert an allen DIY-Projekten, von der eigenen Fahrrad-Werkstatt, bis zur Late-Night-Lesung.