Was machen eigentlich… die Einradfahrer:innen

Was machen eigentlich… die Einradfahrer:innen

Schon mal damit geliebäugelt, den ein oder anderen Hochschulsport auszuprobieren, auch wenn man keinen blassen Schimmer hat, worauf man sich einlässt? Angelehnt an unsere Reihe „Was machen eigentlich…“, in der Fachfremde Einblicke in die Studiengänge unserer Uni geben, gibt es hier Impressionen von Neulingen in Hochschulsportkursen. So schnupperte Medienwissenschaftlerin Nadine in den Kurs ‚Einradfahren‘ und schildert, was hier eigentlich so passiert.

Fahrradfahren scheint im Trend zu liegen, nicht nur als Transportmittel von A nach B, sondern viel mehr als Allrounder für Spiel, Spaß und Spannung in der Freizeit. Mountainbike, BMX, Dirt Bike oder doch lieber eine schnelle Runde Rennrad? So dachte ich mir, da ja anscheinend jede:r momentan auf zwei Rädern unterwegs ist, probiere ich es doch mal auf einem aus!

Und auf geht’s Richtung Unistadion

Am Sportplatz angekommen, bin ich zunächst etwas verdutzt: Einradfahren ist eine Hallensportart?! Da es in Strömen regnet, eine ganz und gar erheiternde Überraschung – die nur noch von einer Überblickskarte im Eingangsbereich hätte getoppt werden können. Diese existiert aber leider nicht. Nach einer etwas längeren Suche und dem Öffnen vieler falscher Türen, gelange ich (mit der Hilfe ein paar sehr netter Sportstudent:innen) aber trotzdem an mein Ziel. Die Halle wunderbar groß, die Gruppe an Einradfahrer:innen angenehm klein. Im Hintergrund läuft Musik, relativ leise, fröhlich anmutende Gitarrenklänge. Oli Stein leitet den Kurs, den man sich im Stil eines freien Flächentrainings vorstellen kann. Die Gruppenteilnehmenden sind auf völlig unterschiedlichen Levels – vom Nichtskönnenden bis Profi ist alles dabei. Oli hilft, wo er kann, fährt mit den Anfänger:innen gemeinsam und gibt den Fortgeschrittenen Tipps und Anregungen. Er erklärt mir, man könne quasi alles auf dem Einrad machen, er selbst habe zuletzt Einradhockey gespielt. What? Ja cool, da wusste ich dann auch erstmal gar nicht, was ich sagen soll.

Einradfahren_FOTO2

Mein allererster Fahrversuch auf dem Einrad gestaltet sich derweil ein wenig holprig. Langsam hangele ich mich an der Wand entlang. „Sich richtig in den Sattel setzen und auch wirklich sitzen bleiben“, ist Olis erster Tipp an mich: „Es hört sich komisch an, aber Anfänger tendieren dazu, sich aus dem Sattel zu lösen und verlieren dann das Gleichgewicht.“ Mit der Zeit schaffe ich es, schneller zu fahren und fühle mich sicherer – zumindest, solange die Wand in meiner Nähe ist. Wie lange es generell dauert, frei fahren zu können, kann Oli mir nicht sagen, das sei immer ganz individuell. Allerdings verspricht er mir: Wenn man erst einmal auf der Fläche fahren kann, bieten sich so viele Möglichkeiten, dass sich die anfängliche Mühe definitiv lohnt. Auch muss man sich keine größeren Sorgen um Verletzungen machen. „Da passiert eigentlich nix, die Füße sind doch nur wenige Zentimeter über dem Boden, da fällt man nie tief“, lacht Oli. Mist, denke ich mir, was macht denn da bloß der Angstschweiß auf meiner Stirn?

 Fazit nach meinem ersten Training

Nach den 1,5 Stunden Kurs muss ich resümieren: Oli hat Recht behalten, Einradfahren ist wirklich nicht gefährlich. Keine schlimmen Stürze, nur viel Adrenalin und der Stolz, wenige Meter in der Halle herum gecruist zu sein. Wer den Sport lernen möchte, braucht Konzentration, Balance und muss logischerweise Freude an dem leicht akrobatischen Gefühl haben, sich auf einem einzigen Rad fortzubewegen. (Kleine) Erfolgserlebnisse gibt es, wie ich es empfunden habe, recht schnell. Das Training powert einen nicht wirklich aus, aber man hat immer die Möglichkeit, Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln, wobei vor allem Kreativität und Spaß am Nervenkitzel gefragt sind.

Ein schöner Nebenaspekt ist es übrigens, dass auf der gegenüberliegenden Hallenseite die Akrobat:innen proben. Sie wirbeln Ringe, Bänder und ähnliches auf künstlerische Art und Weise herum und bieten einem somit in den selbstwählbaren Pausen eine nette Show. Im Anschluss an den Kurs musste ich dann erstmal die ‚Unicon‘ googeln. Sie ist die international größte Einradconvention, wo Einradfahrer:innen aus der ganzen Welt zusammenkommen und die Weltmeisterschaften in verschiedenen Einraddisziplinen ausgetragen werden. Wer also nicht glaubt, dass man tatsächlich fast alles auf dem Einrad machen kann, schaut es euch an und staunt!

 

Interesse geweckt? An alle die Lust haben, sich auch mal auf ein Einrad zu setzen, oder bereits gerne Einradfahren und sich unter Anleitung weiterentwickeln möchten, finden beim Zentrum für Hochschulsport das passende Angebot. Der Kurs ‚Einradfahren‘ findet montags von 19:30h bis 21:00 am Unisportgelände (Jahnstraße 12) statt und kostet für Studis 30 Euro und für Bedienstete 40 Euro. Die Uni stellt insgesamt sieben Einräder, wer ein eigenes hat, darf dieses natürlich auch mitbringen. Anmelden könnt ihr euch hier.

FOTOS/ILLU: Nadine Weidner

Nadine Weidner

Medienwissenschaftlerin, die lieber keine Filme schaut | mag Sport, Kunst, Fotografie und Musik | träumt von einer Reise durch den hohen Norden.