Sneak-Review #54: American Honey

Sneak-Review #54: American Honey

Dieses Mal erwartet euch das Drama »American Honey« von der Regisseurin Andrea Arnold in der Sneak. Ein Film, der in zweierlei Hinsicht an die Substanz geht und durchaus einen eigenwilligen Charakter besitzt, irgendwie anders ist. 

Manchmal frage ich mich bei der Sneak, ob die Moderation eigentlich unbedingt notwendig ist. Klar, Gewinnspiele sind toll, aber eigentlich will man doch nur einen Film sehen, der ohne jegliches Klimbim angepriesen wird. Dass die Moderation dieses Mal als Omen zur Ankündigung eines Todes zu verstehen war, hätte ich allerdings nicht erwartet. Aber dazu später mehr.

»Wir sind alle aus Sternen gemacht. Aus Todessternen«

Long story short. Die 18-jährige Star (Sasha Lane) lässt ihr altes Leben hinter sich um eine Art Neuanfang mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe Jungendlicher zu wagen. Der Auslöser für Stars Entscheidung ist der charismatische Jake (Shia LaBeouf), der ihr zuerst schöne Augen macht, im Laufe des Films aber Conterpart einer dramatischen Beziehung wird. Geschuldet ist dies unter anderem der Anführerin Krystal (Riley Keough), die keine Beziehungen duldet, vor allem nicht dann, wenn es ihren besten Verkäufer Jake betrifft. Ihre Mission: Durch den Mittleren Westen reisen, um Abonnements für Zeitschriften zu verkaufen. Wenn nicht gerade Klinken geputzt werden, wird gekifft, getrunken, gefeiert oder man vergnügt sich untereinander.

Um was aber geht es in dem Film wirklich? Das dies kein gewöhnlicher Roadmovie ist, sollte von Anfang an klar sein. Trotz der recht bunten und weichen Bilder wird man Teil einer sehr trostlosen Welt. Dies ist eine Welt, in der Träume keinen Wert haben und man auch nicht danach gefragt wird. Und trotzdem haben unsere Hauptprotagonisten die Hoffnung auf bessere Zeiten. Dabei wird eine perspektivlose Generation portraitiert, die davonzulaufen versucht. Wohin das führt bleibt offen und bietet somit viel Raum für Spekulationen.

Selten macht ein Abspann so glücklich

Der erste Eindruck nach dem Ende: Warum haben wir uns das angetan? Eine Frage, die man sich häufiger stellen musste. Die sowieso schon geringe Anzahl an Dialogen wurde durch eine Flut von Bildern überschwemmt, als würde man sich durch sämtliche Instagram-Accounts scrollen. Die Handlung kam deshalb selten so richtig in Schwung. Und genau das sorgte dafür, dass man spätestens im letzten Drittel das Gefühl hatte, vor Langeweile zu sterben. Die wenigen situationsbedingten und derben Sprüche sind dabei nur ein kleiner Trost. Unterhaltung geht natürlich anders, aber das ist hier nicht der Zweck und wäre irgendwie auch unangebracht.

Bevor ihr aber den Eindruck bekommt, als sei dies einer der schlechtesten Filme aller Zeiten, gibt es an dieser Stelle tatsächlich noch ein paar Worte des Lobes. Irgendetwas Gutes muss »American Honey« doch schließlich gehabt haben. Dafür brauchte es allerdings erst eine lange Diskussion in einer verrauchten Kneipe und eine ordentliche Portion Schlaf. Das Resultat: die ungeschönte Darstellung der Realität einer Bevölkerungsschicht, die nicht mit besonders viel Glück gesegnet ist. Drogensüchtige Eltern, dreckige Suburbs und zerstörte Schicksale. Ein sehr ehrlicher Film also. Ob man sich das gut 160 Minuten antun möchte, bleibt einem selbst überlassen. Denn selbstzerstörerisch ist »American Honey« auf jeden Fall.

»American Honey« kommt am 13.10 in die deutschen Kinos.

FOTO: A24

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Über den Terry Gilliam einmal sagte: "Wer zum Teufel ist das?"
Studiert Kunst, Musik und Medien. Lebt zu einem großen Teil für Künste jeglicher Art. Wenn er mal groß sein sollte ist eine Karriere als Gangster-Rapper eher unwahrscheinlich.