GO: Abschiedsbrief

GO: Abschiedsbrief

Liebe Katha,

in diesen Minuten beginnt unsere wöchentliche Redaktionssitzung. Doch diese Redaktionssitzung wird eine seltsame Sitzung, da sie die erste seit Gründung des Magazins ist, in der du nicht mehr Chefredakteurin bist. Was gibt es also schöneres, als zum Abschied einmal selbst Gegenstand eines PHILIPP-Artikels zu sein.

Du hast PHILIPP vor über drei Jahren mit Leo gegründet, ich selbst bin erst seit eineinhalb Jahren dabei. Wie du es so lange durchgehalten hast, weiß niemand. Am wenigsten du selbst, die du ja alle Leute hasst, die fürs PHILIPP Magazin schreiben, wie du mir im geheimen verraten hast.

Dass du Marburg nach all den Jahren jetzt den Rücken zukehrst, ist für mich auch wenig überraschend. Immerhin „hasst“ du Marburg und „verabscheust Studenten aus tiefster Seele“. Deine Worte. In Hamburg erwarten dich nun schöne und gebildete Menschen keine „Sumpfgeburten“, wie du unsere Leser:innen immer so liebevoll nanntest.

Leser:innen, für die du mehr Artikel geschrieben hast, als alle anderen Autoren dieses Magazins. Zugegeben, mit der Quantität leidet auch immer die Qualität, aber Qualität in Sachen Journalismus war dir ja eh noch nie so richtig wichtig. Das ist vermutlich auch der Grund, warum du ab Januar auf diese Kloster-Schule für Doppelnamen-Besitzer geschickt wirst. Ich wünsche dir auf jeden Fall eine fromme Zeit in der Henri-Nonnen-Schule.

Angeblich soll dort jede:r Schüler:in ein eigenes Tablett bekommen. Vielleicht schaust du dann ja ab und zu nochmal bei uns vorbei, also online. Das mit der nächsten Print-Ausgabe könnte noch ein wenig dauern. Ist aber auch nicht weiter tragisch, so gut waren die letzten ja auch nicht.

Ende Akt 1.

Was sollen die gespielte Ironie, der erzwungene Witz und die mehr als stümperhaften Formulierungen schon bringen. Das hier ist ein Abschiedsrief und keine Bütten-Rede. Du bist bald keine Marburgerin mehr und auch kein Teil mehr dieses verschulten Universitätsbetriebes. Aber du wirst immer ein Teil dieses Magazins sein. Sei es als Mama auf Lebenszeit, unsere Gründermutti oder eben als einziges Beispiel für eine Art Kariere nach der Zeit bei PHILIPP.

Bevor wir uns jetzt aber in Sentimentalitäten verlieren. Es war immer klar, dass du dein Baby eines Tages verlassen musst. Nach über drei Jahren kann man aber auch langsam anfangen auf eigene Beinen zu stehen. Wie jedes Kind versuchen auch wir ab jetzt unsere Mama stolz zu machen. Mama ist eben die Beste. Auch wenn sie vor einem 400 Kilometer in den kalten Norden flieht, um ihren Traum zu leben. Zurück bleibt ein verbitterter, alleinerziehender Familienvater mit 27 außerehelichen Kindern. Genug Stoff für eine gute Geschichte.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss. Klebe deinen SPIEGEL voll mit unseren Stickern und wenn dann die ZEIT kommt, in der dich Selbstzweifel plagen, hör auf das was die Sticker sagen.

Unsere Erwartungen an dich könnten nicht höher sein, nur unsere Zuversicht übertrifft sie ein wenig. Mir bleibt nur noch eins zu sagen. Manchmal, da muss man einfach los.

Lassen.

Liebe Grüße

Patrick

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.