Sneak Review #87 – Simpel

Sneak Review #87 – Simpel

Semesterferien sind vorbei, auf in die Uni, auf ins Kino! Die Sneak Review ist zurück mit der neuen Tragikomödie des »Friendship!« Regisseures Markus Goller, die auf den Namen »Simpel« hört. Eine deutscher Film über eine schwierige Thematik. Kann das gut gehen?

Ben (Frederick Lau) ist ein Mensch mit Ecken, Kanten und großem Herzen. Aufopfernd kümmert er sich um seine krebskranke Mutter und den namensgebenden Simpel (David Kross), seinen geistig behinderten Bruder. Als die Mutter stirbt soll Simpel in ein Heim gesteckt werden, was Ben nicht übers Herz bringt. Hals über Kopf klauen die beiden einen Polizeiwagen und stürzen sich in die große Verreise (Simpel für Reise).

Viel Herz…

Markus Goller zieht alle Register um uns Ben und Simpel als liebenswürdige Menschen zu präsentieren. Bei einer anderen Besetzung wäre das vielleicht kitschig und unglaubwürdig geworden, David Kross und Frederick Lau meistern ihre Rollen allerdings. Man leidet mit ihnen, freut sich mit ihnen und ist auch mal wütend auf sie. Schauspielerisch fällt die Leistung im Ensemble kaum ab, niemand enttäuscht übermäßig. Leider kann man das von der Figurenkonstellation nicht behaupten. Auf ihrer Reise begegnen die beiden Brüder entweder übertrieben netten Menschen oder fiesen Gestalten. Dabei stört nicht das eine oder andere Klischee, vielmehr die Menge an Begegnungen. Ihre Reise wird so spürbar künstlich in die Länge gezogen.

Wobei man natürlich schwer von einer Reise sprechen kann, wenn das Ziel nie ganz klar definiert wird. Mal wird der Vater gesucht, der seit Jahren »auf Geschäftsreise« ist, mal flieht man vor der Polizei und manchmal will man auch einfach nur nach Hause, oder weg. Ben und Simpel, Simpel und Ben heißt es immer wieder. Immer ist der Andere, ist jemand da. Manchmal beneidet Ben Menschen, die alleine sind, die niemanden haben um den sie sich kümmern müssen. Menschen, wie die Hamburger Medizinstudentin Aria (Emilia Schüle), die beide auf ihrer Odyssee kennen lernen. ‚Is auch nich immer schön‘ meint diese nur. Einsamkeit, die unterdrückte Angst der beiden Brüder.

…wenig Hirn

Ein Thema wie geistige Behinderung vernünftig darzustellen ist keine leichte Aufgabe. Goller schafft es, indem er nichts beschönigt oder zu sehr romantisiert. Die Stärke des Films liegt in den Emotionen. Man spürt die Liebe der Brüder, ohne das diese sich dauernd »ich liebe dich« ins Gesicht brüllen müssen. Leider schreit das Drehbuch ein wenig zu oft »DA SCHAU, ICH BIN EIN DRAMA!! DAS IST JETZT SCHLIMM, UND DAS IST JETZT SCHÖN UND DAS WIEDER SCHLIMM UND DAS WIEDER SCHÖN UND DAS…« Anstelle der großen Katastrophe gibt es nur viele Konflikte und ein paar mehr Lichtblicke. Nie hat man das Gefühl, die Situation sei aussichtslos, was dem Zuschauer bei schweren Themen auf der Leinwand nicht häufig gewährt wird. Ob das gefällt, ist Geschmackssache.

»Simpel« startet am 9. November in den deutschen Kinos.

FOTO: Universum Film

 

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.