Sneak-Review #40: Verräter wie wir

Sneak-Review #40: Verräter wie wir

Und auch diese Woche fragen wir wieder: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder gab es nur eine zähe Gute-Nacht-Geschichte? Diesen Dienstag in der Sneak: »Verräter wie wir«, ein Agententhriller von Susanna White, nach dem gleichnahmigen Buch von John le Carré über einen russischen Mafiaboss, der kein russischer Mafiaboss mehr sein will.

Der wöchentliche Gang zur Sneak ist bei mir fast schon zu einer Tradition geworden. Von den letzten zwölf Filmen habe ich lediglich einen verpasst. Doch trotz der sich langsam einstellenden Ritualisierung meiner Kinobesuche,  bleibt dieser eine Moment wenn die Lichter erlöschen, alles still wird und ein ganzer Kinosaal sich die Frage stellt: Was erwartet mich die nächsten Stunden? Doch dieses Mal war es ein wenig anders. Keine apprupte Stille, keine Spannung, dem Saal fällt es schwer zur Ruhe zu kommen, die Gespräche mit den Sitznachbar:innen sind noch interessanter. Und was sehen wir auf der Leinwand? Einen Ballettänzer in Zeitlupe, eine AmazonPrimeProduktion und den Titel: Verräter wie wir (Originaltitel: Our kind of traitor).

Innovation? Nein danke.

In Verräter wie wir begleiten wir den britischen Professor Perry Makepeace (Ewan McGregor), der beim gemeinsamen Urlaub mit seiner Ehefrau Gail (Naomie Harris) auf den charmanten russischen Geschäftsmann Dima (Stellan Skarsgård) trifft. Die zufällige Urlaubsbekanntschaft entpuppt sich dann jedoch als ranghohes Mitglied der russischen Mafia und bittet Perry, für ihn sensible Informationen über geschmierte brittische Politiker nach London zu bringen. Seine einzige Forderung: Asyl für seine Familie in England. Klingt ein wenig zu konstruiert, um wahr zu sein? Vielleicht, jedenfalls müssen die beiden Männer später selbst darüber lachen, wie es zu dem kam, was Susanna White uns da in den nächsten eineinhalb Stunden serviert hat. Doch immer schön der Reihe nach.

Die Kameraarbeit von Anthony Dod Mantle wirkt wie aus dem Lehrbuch. Das ist weder gut noch schecht, es ist einfach genrekonform. Orangene Gesichter, blauer Hintergrund, ab und zu ein paar Wackler und auch sonst wenig Innovatives. Nicht weiter tragisch, nur handelt es sich bei Mantle um den preisgekrönten Kameramann von Filmen wie Slumdog Millionaire oder 28 Days later, der hier einen soliden MittelmaßLook auf die Leinwand bringt. Über die Story kann ich leider nicht viel mehr verraten, als das, was ich anfangs bereits erwähnt habe oder was im Trailer zu sehen ist. Der Film bleibt die meiste Zeit über sehr vorhersehbar, es gibt keine dynamischen Figuren, sie bleiben ihrer Linie treu: Gift für einen guten Thriller. Überraschend – handelt es sich bei dem ganzen Film doch um eine Verfilmung eines John le Carré  Romans, deren  Film-Adaptionen (A Most Wanted Man; Der Ewige Gärtner; Dame, König, As, Spion) in den letzten Jahren storytechnisch überzeugten.

Verschenktes Potential

Alles in allem schafft Susanna White, die zuvor hauptsächlich britische TV-Filme und Serien inszenierte, es nicht, das Potential des Buches und des Casts voll auszuschöpfen. Der Film unterhält, er fesselt einen aber nicht an den Kinositz. Eine Leistung, die man mit einem eher mäßig überzeugenden Ewan McGregor, einem erfrischenden Damian Lewis, einem Oscar prämierten Kameramann und Hossein Amini, dem Drehbuchautor von Drive, durchaus als enttäuschend konstanieren kann. Da der Film von Amazon produziert wurde, wird man nicht lange warten müssen, bis man ihn gemütlich zu Hause streamen kann, der Gang zum Kino ist nicht notwendig.

Nach dem Kinobesuch erzählte ich einem betrunkenen Freund von dem Mafiaboss, der aussteigen und seine Familie retten will. Ich fragte was seiner Meinung nach passieren würde, er gab mir die richtige Antwort. Vielleicht dann lieber doch der Sixer und die Lahntreppen das nächste Mal.

Verräter wie wir startet am 7. Juli in den deutschen Kinos.

FOTO: Studiocanal GmbH Filmverleih

 

+ posts

Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.

Ein Gedanke zu “Sneak-Review #40: Verräter wie wir

Kommentare sind deaktiviert.