Sneak Review #85 – Baby Driver

Sneak Review #85 – Baby Driver


Seit 2014 warte ich auf diesen Film. Diese Woche in der Sneak-Preview: „Baby Driver“, der neue Film von Edgar Wright (Shaun of the Dead, Scott Pilgrim).

Wie La La Land, nur mit Autos. Quasi Car Car Land. So in etwa wurde „Baby Driver“ im März dieses Jahres nach seiner Premiere auf dem South by Southwest Festival in einigen Tweets beschrieben. Erste Kritiken schwärmten von dem Film. Das war im März. Der Film startet Ende Juli und handelt von einem Fluchtwagenfahrer namens Baby (Ansel Elgort), der Musik nutzt, um zu fliehen. Er fährt, um seine Schulden beim skrupellosen Doc (Kevin Spacey) zu begleichen, doch als er auf die bezaubernde Debora (Lilly James) trifft hat er nur noch ein Ziel: Entkommen, mit ihr und der Musik.

Musik ist die Luft des Films

Wer Edgar Wrights Filme kennt, weiß wie man Musik in einem Film verwenden kann. Man denke nur an die Pub-Szene aus „Shaun of the Dead“, in der Zombies auf Queens „Don’t stop me know“ verprügelt werden. Kamera und Choreographie gehen in Wrights Filmen oft eine Art Symbiose ein. Am deutlichsten bisher erkennbar in „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“. Wright ist unter Filmfans einer der beliebtesten Regisseure unserer Zeit, wofür es mehrere Gründe gibt: Seine schnelle Erzählweise, sein visueller Humor, gepaart mit zitierbaren Dialogen, seine Anspielungen auf andere Filme, der Verzicht auf übermäßige CGI und wie bereits erwähnt, seine Inszenierung von Musik.

Baby Driver gibt einem all das. Sämtliche Elemente eines Edgar Wright Films sind in Baby Driver vorhanden. Der Film lässt nicht viel Zeit vergehen um uns seine beiden Hauptdarsteller vorzustellen. Die ersten sechs Minuten inszenieren Baby als den besten Fahrer, den man sich nur vorstellen kann. Die Stunts wirken trotz der schnellen und melodischen Cuts echt und glaubhaft und werden wunderbar untermalt vom zweiten Hauptdarsteller: Der Musik.

Nach der ersten Fahrt folgt eine extrem kreative Titelsequenz, die uns noch mehr in Babys Welt mit all ihrer Musik befördert. Es gibt bis auf wenige intensive Momente im Film keine Stellen, die nicht mit passender Musik unterlegt wurden. Die Musik ist quasi unser Schlüssel in den Kopf Babys, durch den wir den Film erleben. Flashbacks oder Traumsequenzen wirken dadurch nicht billig und aufgesetzt sondern glaubhaft und unterstreichen das Fantastische an dem Film.

Schauspielerisch scheint Wright einen sehr gelungenen Cast aufgestellt zu haben. Ansel Elgort, den man bisher eher aus Filmen wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ kannte, geht in seiner Rolle gut auf, der sanfte Held, der versucht einer Welt zu entkommen, die ihn immer düsterer werden lässt. Aber vor allem die Nebenrollen sind die geheimen Helden des Films: Kevin Spacey als…nun ja…Kevin Spacey, 50% Gangsterboss 50% Vaterfigur, dominiert seine wechselnden Handlanger. Darunter Jamie Foxx und John Ham, die ihren Figuren eine große Tiefe geben.

In seiner eigenen Zeitzone

Da Edgar Wright seit 2007 an dem Drehbuch schrieb, sollte man dem Film sein Alter ansehen, doch Wright versucht das durch eine gewisse Zeitlosigkeit zu vermeiden. Baby ruft Debora nicht auf ihrem Handy an, er ruft sie auf ihrem Arbeitsplatz, einem alten Diner in 50er Jahres-Optik an. Dennoch kommt die Musik aus keinem Walkman (was bei Sony-Filmen verwunderlich ist), sondern aus mehreren iPods. Die Musik ist natürlich keine Chart-Musik, aber auch keine eingestaubte Musik, da Baby selbst neue Musik im Film produziert. Szenen spielen in alten Waschsalons und trotzdem kommen irgendwann Laser-Brillen zum Einsatz.

Die Optik des Films ist einfach nur verdammt cool. Die Charaktere sind alle individuell designt worden. Die Kameraarbeit macht einfach nur Spaß und die Verfolgungsjagden sind rasant in Szene gesetzt. Es gibt Filme, die machen auch auf DVDs und BluRays beim ersten Mal Spaß, „Baby Driver“ gehört nicht dazu. Wenn man die Chance hat, sollte man ihn im Kino erleben. Und dann nochmal, um die ganzen Hommagen an Klassiker wie „Heat“, Reservoir Dogs“ oder „Bonnie & Clyde“ genießen zu können.

Für wen ist „Baby Driver“ gemacht?

Im Grunde für alle, die auf Edgar Wright Filme stehen, aber auch für alle die eine Film sehen möchte, der einfach Spaß macht und gleichzeitig clever geschrieben ist. Wer einen neuen „Fast & Furious“ Teil erwartet wird vielleicht nicht glücklich, dafür sind es doch zu wenige Auto-Szenen. Auch die Romanze im Film wirkt manchmal recht überstürzt. Am Kinoerlebnis stört das aber wenig. Jeder, der gerne in seinem Auto lautstark mitsingt, wer in der Dusche Balladen von sich gibt oder der abends schon mal vor dem Spiegel das Tanzbein geschwungen hat, wird diesen Film vermutlich lieben. Es ist vielleicht der erste Mainstream Edgar Wright Film, der den Regisseure endlich auch der breiten Masse bekannter macht und das sei ihm bei so einem Film auch gegönnt.

Baby Driver startet am 27.07.17 in den deutschen Kinos.

FOTO: TriStar Pictures

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.