Sneak Review #62 Office Christmas Party

Sneak Review #62 Office Christmas Party

Sneak. Am 6. Dezember. Man muss kein Genie sein, um zu erraten, dass diese Woche ein Weihnachtsfilm in der Sneak lief. Man darf auch kein Genie sein, wenn man „Office Christmas Party”, die neue Komödie von Josh Gorden und Will Speck, genießen will.

Die erste Enttäuschung des Abends dauerte circa fünf Minuten. Wie jedes Mal wurden Dinge verlost, wie jedes Mal habe ich nichts gewonnen und trotz des Datums gab es statt Schokoladen-Nikoläusen nur lausige Mini-Lollys. Die zweite Enttäuschung dauerte über 100 Minuten und trug den kreativen Namen „Office Cristmas Party”.

Alle Jahre wieder…

Hollywood liebt Weihnachten, vor allem die Idee dahinter. Einmal im Jahr kommt die ganze Familie zusammen. Einmal im Jahr sitzen alle an einem großen Tisch und streiten sich. Und einmal im Jahr geht die ganze Familie ins Kino, damit wenigstens für 90 Minuten Ruhe und Besinnlichkeit einkehren. Also her mit den einfachen Plots!

Josh (Jason Bateman) ist unsere Hauptfigur. Wir wissen das, weil er uns in der Eröffnung des Films gezeigt wird, beim Unterzeichnen seiner Scheidungspapiere. Auch ansonsten läuft es für Josh nicht so gut. Sein bester Freund und gleichzeitig Chef, Clay Vanstone (T.J. Miller), ist auf unternehmerischer Ebene ein Versager. Dessen ältere Schwester Carol (Jennifer Aniston) droht Clays und Joshs gesamte Abteilung zu schließen, wenn sie nicht innerhalb von zwei Tagen einen riesigen Gewinn machen. Außerdem verbietet sie die Weihnachtsfeier der Firma, dieses Monster! Wie es der Zufall will, finden Clay und Josh einen Kunden, der durch eine Weihnachtsfeier überzeugt werden soll, Geschäfte mit der Firma zu machen.

So, war doch garnicht mal so kompliziert.

Hör auf mit der furzenden Käsefrau zu reden!

Scharfe Zungen würden dem Film vermutlich vorwerfen, er sei konstruiert, unlogisch und absolut vorhersehbar. Aber das Gegenteil ist der Fall: Der Film ist absolut vorhersehbar, in sich nicht logisch und wirkt über die komplette Laufzeit hinweg schlecht konstruiert. Moment, was? Bleiben wir bei den Fakten.  „Office Cristmas Party ist eine Komödie. Komödien sind lustig. Komödien können alles sein, Hauptsache sie sind lustig. Diese Komödie ist nicht lustig. Bis auf ein bis zwei Momente, in denen man leicht Schmunzeln konnte, bietet der Film einem keinen Grund zum Lachen. Der Humor ist nicht mal flach, er ist einfach nur plump. „Frauen können nicht Einparken”-Witze sind im Jahr 2016 auch langsam mal Schnee von gestern. Der einzige unterhaltsame Mehrwert des Streifens sind die vielen Product-Placements… oder zumindest das Suchen nach diesen. Ein Spaß für die ganze Familie.

Abschließend noch ein paar Worte zur titelgebenden Weihnachtsfeier: Sie ist ziemlich lahm. Doch das ändert sich schlagartig, sobald eine wichtige Person plötzlich von Kokain getroffen wird. Wie wir alle dank diversen Eskalations-Party-Filmen wissen, sind Drogen toll und machen langweilige Menschen zu lustigen Menschen. So auch bei dieser „Office Cristmas Party. Ansonsten spielt die Party im späteren Verlauf dann keine allzu große Rolle mehr. Man versucht durch vereinzelte Parallelmontagen einfache Lacher beim Publikum zu erzeugen, dies gelingt aber nicht. Wer also eine weihnachtliche Version von „Project: X” erwartet, wird enttäuscht.

Man verlässt diesen Film mit vielen Fragen. Warum habe ich dafür Geld ausgegeben? Wieso haben wir am Anfang die Unterzeichnung der Scheidungspapiere gesehen? Sollte ich mal Kokain ausprobieren? Scheint ja was Gutes zu sein. Und vor allem: Was ist bei Jennifer Aniston und Jason Bateman eigentlich in den letzten Jahren so alles falsch gelaufen?

„Office Cristmas Party“ erscheint am 8. Dezember in den deutschen Kinos.

FOTO: Paramount

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.