Gehtschlechtverkehr

Gehtschlechtverkehr

Straßenbahn-Seilbahn-Straßenbahn-Seilbahn-Straßenbahn. So in etwa konnte man die Debatte um den Marburger Nahverkehr, die in den letzten 30 Jahren geführt wurde, kurz zusammenfassen. Laut neusten Informationen ist die Seilbahn Idee jetzt vom Tisch und die Verantwortlichen der Stadt stehen in einer kreativen Krise. Aber keine Sorge, ich kann euch helfen.

Wo liegt überhaupt das Problem?

Das Kernproblem ist im Grunde jedem bekannt, der:die schon mehr als einmal auf die Lahnberge musste: Die Verkehrslage ist ziemlich beschissen. Eine zweispurige Bundesstraße mit 70km/h Begrenzung liefert hierfür ein gutes Symbolbild. Das ist aber schon immer so, deshalb wird darüber auch schon immer in Marburg gestritten. Es ist eine mühsame Debatte, die in Marburg seit den 90ern mit mal mehr, mal weniger Energie geführt wurde. Von Jahr zu Jahr geistern immer wieder dieselben Vorschläge durch die entsprechenden Gremien, ohne je etwas Greifbares zu präsentieren.

Es wirkt fast so, als ob es den Beamt:innen der Stadt an Einfallsreichtum etwas mangeln würde. Ich meine, 30 Jahre und am Ende gibt es nur zwei Ideen? Und jetzt habt ihr nur noch eine Einzige? Das geht doch nicht, das muss besser gehen. Denn alles ist besser, als zu Fuß auf die Lahnberge zu gehen (Dopplung durchaus beabsichtigt). Ihr habt Ingenieure mit Diplomen ohne gute Ideen, ich habe noch keinen Abschluss, dafür Bier und 11 Ideen. Also lasst euch gerne inspirieren:

Lé(d) Zeppelin

Französisch für: Es dreht sich alles nur ums Geld. Der Bau einer Seilbahn würde geschätzte 50 Millionen Euro verschlingen, ein regionales Straßenbahnnetz ganze 100 Millionen. Wirft man einen Blick auf den aktuellen Listenpreis für Luftschiffe, muss man sich die Frage stellen, ob die Finanzbeamt:innen der Stadt Tomaten auf den Augen hatten. Die günstigsten Exemplare sind schon für unter 1 Millionen Euro zu ergattern, warum zögert ihr noch? Die Anbindung an den vorhandenen ÖPNV wäre ein Klacks, da lediglich eine Sprossenleiter nötig wäre. Von dem touristischen Mehrwert möchte ich hier gar nicht anfangen.

Kanal

Wenn wir schon beim Tourismus sind. Wie wäre es denn mit einem Wasserkanal hoch zu den Lahnbergen? Mit stilechten Gondeln und singenden KuMuMe-Studienabbrecher:innen als Gondoliere. Nie war der Weg zur Arbeit entspannter.

Bettbike

Ich nehme den letzten Satz zurück. Und wieder einmal ist Berlin in Sachen Bequemlichkeit uns Marburgis eine Bettlänge voraus. Der Berliner Richard Eckes kam vor einigen Jahren auf die Idee, Gäste in seiner umgebauten Bett-Rikscha durch die Hauptstadt zu fahren. Ein Modell, das auch bei übermüdeten Medizinstudierenden auf Begeisterung stoßen könnte! Schichtbeginn um 6 Uhr, aus dem Bett um 5:50Uhr. Und dann zum pünktlichen Feierabend um 23Uhr einfach wieder ins Bett fallen lassen und sanft nach Hause schweben.

Die längste Slackline der Welt

Schweben ist das richtige Stichwort. Würden Sie nicht auch auf Wolke Sieben schweben, wenn die Stadt Marburg den Weltrekord für die längste Slackline der Welt aufstellen würde? Der Weg vom Schloss zur Universitäts-Klinik umfasst knappe vier Kilometer, eine Spannweite, die den alten Weltrekord von schlappen 620m alt aussehen lässt. Slacklines sind noch hip und trendy, richtig?

Hoverboard

Vergesst das mit der Slackline. Hoverboards sind der neue Shit. Und nein, ich spreche hier nicht vom echten Marty McFly Hoverboard, sondern von diesen Mini-Segways, die serienmäßig mit einem eigenen YouTube-Kanal erhältlich sind. Im Prinzip müssen die Studierenden und Mitarbeitenden sich nicht einmal bewegen, um sich zu bewegen. Durch leichtes Vorbeugen bewegt man sich mit rasanten 15km/h auf das Klinikum zu. Entspanntes Zurücklehnen kann man also vergessen.

Rolltreppen 

Ach, gäbe es doch nur eine noch faulere Art der Fortbewegung und einen noch weniger zutreffenden Namen für das Fortbewegungsmittel als „Hoverboard“. Zum Glück gibt es sie: Rolltreppen. Auch wenn der Name nicht ganz Programm ist (ernsthaft, woher kommt das rollen?), erscheinen mir kilometerlange Rolltreppen, unter Anbetracht der aktuellen Marburger Verkehrspolitik, als wohlüberlegte und vor allem mögliche Alternative.

Marburg 21 – Das mit den Tunneln

Für mich als Exil-Baden-Württemberger die wohl beste Lösung. Statt ewig zu überlegen, wie eine Straßenbahn auf die Lahnberge an den regionalen Zugverkehr angebunden werden kann, kann man doch gleich den regionalen Zugverkehr an die Lahnberge anschließen! Brilliant. Der unterirdische Bahnhof muss natürlich direkt unter dem Klinikum platziert werden, damit die traditionellen Marburger Aufzüge wieder zum Einsatz kommen können.

Das Mensa Band 

Wieso nicht die vorhandenen Ressourcen nutzen? Das Mensaband funktioniert super, ist bei Studis beliebt und bietet eine Direktverbindung zwischen Mensa, Lahnbergen und Geschirrspüler. Man muss nur aufpassen: eine Person pro Tablett und nicht quer auflegen, sonst Crash im System!

Katapult 

Erste Katapulte gab es schon unter Dionysios I. im 4. Jahrhundert v. Chr. und seitdem ging es für dieses wundervolle Machwerk der Ballistik steil bergauf(!). Eine wahre Erfolgsstory, die selbst im 21. Jahrhundert noch Menschen begeistern kann. Einige sehen darin eine antike Belagerungswaffe mit geringer Überlebenschance für einzelne, ich sehe hier eine Chance – für Marburg.

Call-a-Bobby-Car 

Ich meine ja nur, was mit Fahrrädern klappt, kann auch mit Bobby-Cars klappen. Wobei eine ähnliche Situation wie in Kassel absehbar ist. Jede:r, der:die einmal versucht hat, mittags ein Call-a-Bike am hoch oben liegenden Bahnhof Wilhelmshöhe zu ergattern, wird verstehen, was gemeint ist. Aber hey, es gibt keinen besseren Heimweg, als auf einem Bobby-Car die Lahn-Serpentinen runterzubrettern.

Hansestadt Marburg 

Die Stadt Marburg hat im Prinzip alles, was eine Stadt braucht: Stadtrecht, Studierende, ein Schloss und ein Hafenfest. Aber keinen verfluchten Hafen!!11!1! Face the facts, außer auf den Lahnbergen und in der Oberstadt gibt es nicht viel, was Marburg zu bieten hat. Warum also nicht den ganzen unbrauchbaren Rest fluten und einen gigantischen Hafen errichten. Die Lahnberge wären dann ganz bequem mit einer Fähre erreichbar.

 

So, mein Bier ist leer, die Liste voll, macht was draus.

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.