Sneak Review #71 – John Wick: Kapitel 2

Sneak Review #71 – John Wick: Kapitel 2


Wer am Valentinstag niemanden zum kuscheln hatte, ging in die Sneak (These). Wer am Dienstag in die Sneak ging sah „John Wick: Kapitel 2“, den neuen Action Thriller von Chad Stahelski (Fakt).

Es ist schon mutig, ein Sequel in der Sneak zu zeigen. Die Hauptfigur ist den meisten Zuschauern nicht bekannt, ihre Motivation ebenso wenig und generell haben es Fortsetzungen meist schwer, wenn ihr Vorgänger so hoch gelobt wurde wie „John Wick“ aus dem Jahr 2014. Drei Jahre sind also Vergangen, seit der Boogieman mit dem toten Hund und der toten Frau seinen Rachefeldzug begann. Wie setzt man diesen fort?

How-to: Sequel

Ganz einfach: Man nehme einen FSK 16 Film, beendet ihn mit den Worten „wir sehen uns wieder John Wick“ und schickt diesen John Wick (Keanu Reeves) drei Jahre später in einem FSK 18 Film zum gemütlichen Wiedersehen zurück auf die Leinwand. Und dann beendet man das ganze. Nicht einmal 10 Minuten und die Story des ersten Teils wurde zu Ende erzählt und dem neuen Zuschauer wurde im gleichen Atemzug die Hauptfigur für den restlichen Film charakterisiert: John Wick, ein brutaler, effizienter Killer mit Manieren, der weiß, wann es Zeit ist aufzuhören.

Ohne weiter auf die Story einzugehen lässt sich sagen: Das mit dem Aufhören ist gar nicht mal so einfach, auch nicht für einen John Wick, der durch alte Bekannte gezwungen wird seiner ehemaligen Berufung wieder nachzugehen. Symbolisch: Die Kisten mit den Pistolen in Wicks Keller aus dem ersten Teil räumt er beiseite, darunter eine größere Kiste mit Sturmgewehren. Es zeichnet sich früh ab, in welche Richtung sich der Film bewegt.

Die Harmonie des Tötens: Ästhetik und Überzeichnung

„John Wick: Kapitel 2“ wird schnell in die Schublade der stumpfen Actionfilme und unrealistischer Handlungen gesteckt. Doch das würde dem Film und dem Team dahinter nicht gerecht werden. Die Macher lieben Actionfilme, jeder kernige Spruch, jede Schießerei, jede Autofahrt zeigen das. Und sie schaffen dem Genre Actionfilm mit John Wick ein filmisches Denkmal. Die Figur nimmt den typischen Actionhelden und mischt ihn mit dem Charme früherer Hollywood Gentlemans wie Gregory Peck oder Cary Grant. Was dabei entsteht ist ein amerikanischer, düsterer Bond, der seine Feinde selbst mit Bleistifte abschlachtet.

Die Choreografien sind ausgeklügelt, erinnern an die alte Schule (Bruce Lee) und unterscheiden sich von Tot zu Tot. Jeder gesichtslose Gegner wird auf kreativste Art und Weise von Wick getötet, nur die wahren Schurken erhalten einen simplen Schuss in den Kopf. Der clichemäßige Abschluss-Monolog des Bösewichts entfällt, zu albern. „John Wick: Kapitel 2“ ist extrem selbstreflektiert. So werden minutenlange Schießereien durch humoristische Nachladesequenzen aufgelockert, die Kämpfe machen Spaß und werden in extrem weiten Einstellungen und ohne schnelle Cuts eingefangen. Die filmische Welt wirkt wie ein Augenzwinkern an andere Genrevertreter: Alte Schule, Regeln werden geduldet, Verbrechen bestraft und Konflikte löst man am besten am Tisch. Mit Worten. Oder Waffen. Moment mal, war das nicht gegen die Regeln? *Augenzwinkern*

Ein typischer Action Film?

Ja und nein. „John Wick: Kapitel 2“ spielt mit den Klischees, bedient sie und überzeichnet sie bewusst. Im Kopf bleibt beispielsweise eine Art Schalldämpfer-Smalltalk-Szene zwischen zwei Killern. So entstehen Momente unfreiwilliger Komik. Nicht verwunderlich, dass einer der beiden Regisseure des ersten Teils gerade den Regiestuhl zu „Deadpool 2“ inne hält.

„John Wick: Kapitel 2“ macht alles richtig, was eine gute Fortsetzung ausmacht. Sie greift den Geist des ersten Teils auf, steigert die Action ein wenig und macht große Lust auf den finalen Showdown im dritten Teil.

„John Wick: Kapitel 2“ ist bereits in den deutschen Kinos gestartet.

FOTO: Lionsgate

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.