Sneak Review #134: The Happytime Murders

Sneak Review #134: The Happytime Murders

„Puppen sind für Kinder“ ist eine weit verbreitete Meinung. Diese Meinung zu ändern, haben sich die Schaffer von der Muppet Show und der Sesamstraße, die Jim Henson Company, für diesen Film auf die Fahne geschrieben. Kann das funktionieren? Und lohnt sich „The Happytime Murders“ von Regisseur und Mitbegründer der Jim Henson Company Brian Henson überhaupt?

Los Angeles. Eine Puppe steht mit dem Auto vor einer roten Ampel und beobachtet, wie auf der anderen Seite eine andere Puppe auf ein Taxi zuhastet. Der Puppenmann ruft auch nach dem Taxi und erreicht es fast. Bevor er allerdings einsteigen kann, wird er von einem Mann zur Seite geschubst und dieser nimmt das Taxi. Die Puppe protestiert zwar, lässt es schließlich aber geschehen. So laufen die Dinge eben. Die Puppe im Auto schmeißt ihre Zigarette weg, schüttelt den Kopf und drückt aufs Gaspedal, als die Ampel auf Grün springt.

Rassismus und Krimi im Puppenformat

Zwar leben Puppen und Menschen zusammen in dieser Gesellschaft, allerdings sind sie nicht gleichberechtigt. Die blaue Puppe aus dem Auto ist Phil Phillips (gespielt und gesprochen von Bill Barretta), ein ehemaliger Polizist, der nach seiner Suspendierung Privatdetektiv wurde. In seinem Büro warten schon seine Sekretärin Bubbles (Maya Rudolph), die offenbar ein Auge auf Phil geworfen hat, und eine neue Klientin auf ihn. Die Klientin Sandra (gespielt von Dorien Davis) erhält Drohbriefe. Da einer der aufgeklebten Buchstaben offenbar von einem Puppen-Sexmagazin stammt, ermittelt Phil zunächst in einem Pornoladen für Puppen in Downtown.

Hier findet er neben der gesuchten Antwort auch einen Oktopus, der einer Kuh einen runter holt, und einen Plüschhasen mit Pornosucht, der einmal zusammen mit Phils Bruder in der Serie „The Happytime Gang“ spielte. Die einzige Serie mit Puppen, die je Erfolge feierte. Im Hinterzimmer, umgeben von der Geräuschkulisse der Pornos um ihn herum, bekommt Phil nichts von dem regelrechten Massaker mit, das vorne stattfindet. Was zunächst aussieht wie ein bewaffneter Raubüberfall, kann schnell als Mord identifiziert werden. Als schließlich auch Phils Bruder getötet wird, ist klar, dass es ein Mörder auf die ehemaligen Mitglieder der „Happytime Gang“ abgesehen haben. Ein Wettlauf beginnt.

Viel vergeudetes Potenzial

„The Happytime Murders“ könnte in den 60er Jahren spielen. Die gesellschaftliche Situation ist eine hervorragende Abbildung des Rassismus in den USA. Die Puppen haben kaum Rechte, sie werden misshandelt und bilden aus Mangel an Chancen den Sumpf der Gesellschaft. Ein gutes Beispiel ist auch, dass Phils Bruder sich die Nase erneuern und die Haut bleichen lässt, um mehr wie die Menschen auszusehen. Es könnte also tatsächlich ein großartiger Film sein, wäre da nicht Brian Hensons Anspruch, einen Puppenfilm für Erwachsene zu produzieren. Diesen Anspruch scheint er nur durch explizite Sex- und Pornoszenen und einen entsprechenden Anteil von Sperma und Drogen erfüllen zu können.

Die Witze sind fast alle sexistisch und gehen alle in die gleiche Richtung. Wer sie von Anfang an nicht lustig fand, hat auch den Rest des Films keinen Spaß. Selbst die, die zu Beginn noch lachten, haben bei der zehnten Abwandlung dann auch genug. Auf den in der aus Puppen und Menschen bestehenden Gesellschaft vorherrschenden Rassismus wird zwar den Film über immer wieder eingegangen, allerdings bleibt er meistens im Hintergrund. So wird „The Happytime Murders“ auch diesem Thema nicht gerecht. Ebenfalls nur eine gute Idee bleibt die Drogensucht von Phils Ex-Polizeipartnerin Connie Edwards (Melissa McCarthy). Die Sucht entsteht, nachdem sie gezwungen wurde, Drogen zu konsumieren und ist damit einfach so beendet, dass Phil ihre Vorräte entsorgt.

Mit Anlauf vor die Wand

Zwar zeigt Melissa McCarthy an einigen Stellen ihr Talent für Komödien, allerdings sind die ihr zugeschriebenen Witze meistens schlicht und ergreifend schlecht. Eine Figur, die ein bisschen etwas heraus reißt, ist Phils Sekretärin Bubbels, da nur sie in der Lage ist, nicht komplett vorhersehbar zu handeln. Aber als Nebencharakter hat sie einfach zu wenige Auftritte, daher hilft das dem Film auch nicht viel.

„The Happytime Murders“ hat als Idee großes Potenzial. Die Rassismus-Analogie ist eine großartige Idee, auch Voice-Overs, in denen Phil als Erzähler fungiert, erinnern an alte Krimis. Der Karren wird jedoch gegen die Wand gefahren, da Brian Hensons Motto zu sein scheint: je mehr Sex-Anekdoten und Sperma, desto weniger Kinderfilm. Dass man einen Film auch durch andere Aspekte als „Für Erwachsene“ charakterisieren kann, sollte ihm einmal jemand stecken.

„The Happytime Murders“ startet am 11. Oktober in den deutschen Kinos.

FOTO: Tobis

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studiert Linguistik und Politikwissenschaft und ist regelmäßig wieder über ihren Kaffeekonsum erstaunt.