Sneak Review #133 – Nur ein kleiner Gefallen

Sneak Review #133 – Nur ein kleiner Gefallen


Jeder Mensch hat eine dunkle Seite. In dieser Woche zeigt der Thriller „Nur ein kleiner Gefallen“ von Paul Feig, Regisseur von „Brautalarm“, den Zuschauern, dass man deswegen Menschen auch nicht nach dem ersten Eindruck beurteilen sollte.

Seit dem Tod ihres Mannes ist Stephanie (Anna Kendrick) alleinerziehende Mutter und betreibt zudem einen mäßig erfolgreichen Videoblog, der sich an andere Mütter richtet. Nichtsdestotrotz ist sie zuvorkommend, etwas naiv und sehr hilfsbereit und geht in ihrem Leben auf. Eines Tages lernt sie in der Schule ihres Sohnes Miles (Joshua Satine) Emily (Blake Lively), die Mutter seines Freundes Nicky (Ian Ho), kennen. Nicky überredet seine Mutter, einen Spieltag mit Miles zu verbringen und so lernen sich auch die beiden Mütter bei einem Cocktail besser kennen. Die altruistische Stephanie ist fasziniert von Emily. Sie hat ein beeindruckendes Haus, ist energisch, kleidet sich außerordentlich gut und ist mit Sean (Henry Golding), einem ehemaligen Schriftsteller, verheiratet. Daraufhin treffen sich die beiden öfter, wenn ihre Kinder zusammen spielen und werden immer vertrauter miteinander.

Allerdings muss Emily viel arbeiten, da die hohen Lebensstandards der Familie finanzielle Probleme mit sich gebracht haben. Sie bittet Stephanie darum, auf Anfrage ihren Sohn mit von der Schule zu holen, wenn bei ihr mal wieder etwas dazwischen kommt. Stephanie tut ihr natürlich diesen Gefallen und Nicky kommt nach der Schule gelegentlich bei ihr unter. Eines Tages meldet sich Emily und sagt, sie habe einen Notfall auf der Arbeit. Natürlich springt Stephanie wieder ein. Als Emily jedoch am Abend und auch die darauffolgenden Tage nicht auftaucht oder erreichbar ist, wendet sich Stephanie an Sean. Die beiden schalten die Behörden ein und ein paar Tage darauf erhält Stephanie einen Hinweise über ihre Zuschauer. Eine Wasserleiche, die Emily gleicht und ihr Auto werden daraufhin aus einem See in Michigan geborgen. Als der Autopsiebericht der Polizei Stephanie und Sean erreicht, kommen Zweifel auf, ob sie Emily wirklich so gut kannten, wie sie dachten.

Buch und Cover, ihr wisst schon…

Diesen Film sollte man nicht nach dem ersten Eindruck bewerten. Auch wenn er einige Elemente für einen spannenden Thriller bietet, passt die Vermischung mit komödiantischen Elementen einfach nicht. Der Film ist lang und die Story bietet viele Wendungen und Irreführungen. Diese sind jedoch leider sehr vorhersehbar und die Motive, die damit einhergehen, wirken eher, als sollten sie eine neue Wendung provozieren, als den Charakteren gerecht werden. Außerdem nehmen die witzigen Elemente im Film der Dramaturgie, den Emotionen und der Betonung wichtiger Ereignisse oft den Wind aus den Segeln, um den Zuschauern aus der Handlung etwas mitzugeben. Ein roter Faden oder eine Wertung, auf die der Film hinaus will bleiben deswegen auf der Strecke.

Der Hintergrund der interessanten Charaktere wird oft  nur zum Aufbau der verstrickten Wendungen instrumentalisiert. So verkommen interessante Wegpunkte von Emilys und Stephanies Leben zu losen Stücken im Handlungsstrang. Den Schauspielern kann man allerdings nichts Schlechtes nachsagen. Blake Lively, Henry Golding und Anna Kendrick gehen in ihren Rollen auf. Auffallend ist, dass die beiden Frauen oft dabei auf ihr Äußeres reduziert werden. Auch wenn die Charakter eher eindimensional sind, macht es nichtsdestotrotz Spaß, die überzeugende Darstellung anzuschauen. Auch der ein oder andere Gag hat den Nerv der Zuschauer getroffen. Das sind allerdings leider nur kleine Trostpflaster.

Feig, bleib bei deinen Komödien

Weder der Humor noch die Spannung greifen durchgehend. Insgesamt wirkt der Film , als hätten sich die Drehbuchautoren und der Regisseur viel Mühe um eine verstrickte Story gegeben, dabei aber aus den Augen verloren, was letztendlich einen guten oder unterhaltenden Film ausmacht. Mit „Brautalarm“hat Paul Feig gezeigt, dass er Komödien machen kann, die gut ankommen. Thriller kann er leider noch nicht zu dieser Kategorie zählen.

 

„Nur ein kleiner Gefallen“ läuft am 8. November in den deutschen Kinos an.

Foto: Studiocanal

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studiert Politikwissenschaften, würde gerne mal Helge Schneider interviewen und steht auf Hip Hop, Memes und Western.