Sneak Review #60: Das Morgan Projekt

Sneak Review #60: Das Morgan Projekt

Wer sich diesen Dienstag einen Platz in der Sneak-Vorstellung sicherte, durfte sich auf „Das Morgan Projekt“ von Luke Scott freuen: Eine moderne Frankenstein-Story als Sience-Fiction-Thriller mit Horrorelementen.

Mit dem Sneak-Hinweis „Von drauß vom Walde komm ich her“ ging ich mit der Erwartung in die Sneak, „Bad Santa 2“  zu sehen.  Als in der ersten Szene einer Frau von einem Kind mehrmals mit Besteck ins Auge gestochen wird, kam nach dem Schreck Neugierde und Freude auf einen anspruchsvolleren Film.

„Das Morgan Projekt“ handelt von einem Forschungsteam, das im dritten Versuchsanlauf künstlich einen Menschen namens Morgan (Anya Taylor-Joy) erschaffen hat und diesen wie eine Tochter aufzieht. Beauftragt von einer geheimen Firma und irgendwo im Nirgendwo inmitten eines großen Waldes behütet ein Forschungsteam aus acht Personen die 5-jährige Morgan und dokumentiert ihre Entwicklung. Morgan entwickelt sich schneller als „normale“ Menschen und ist bemerkenswert intelligent für ihr Alter. Doch als Morgan eines Tages mit einer ihrer Betreuer:innen isst, rastet sie aus und sticht ihr mehrmals ins Auge – die Anfangsszene. Sie wird daraufhin von den anderen Forscher:innen betäubt. Lee Weathers (Kate Mara) wird zur Anlage geschickt, um abzuwägen, ob das Projekt noch den gewünschten Mehrwert erzielt oder es gescheitert ist.

Viele ungestellte Fragen

Bei dieser Konstellation kommen viele Fragen auf: Darf man Gott spielen? Welches Unternehmen veranlasst so etwas und warum? Welche Gedanken haben die Mitarbeiter:innen? Haben sie eine besondere Beziehung zu Morgan? Leider geht der Film nicht unter die Oberfläche dieser Fragen. Die Charaktere der Forschenden und Betreuer:innen um Morgan sind leider sehr einfach dargestellt. So kommt es, dass der Film bis zu Hälfte eine sehr interessante und auch beunruhigende Story hervorbringt, sich danach aber in einer Verfolgungsjagd voller Action und Gewalt verliert. „Das Morgan Projekt“ verpasst es, klar zu fokussieren, worauf der Film  hinaus will.

Ein Hybrid, ein „sie“ oder ein „es“?

Wie Morgan ein hybrides Wesen ist, so wechselt auch der Film zwischen verschiedenen Genres. Nämlich zwischen Sience-Fiction-Thriller, Horror und Drama. Jedes Thema wird angesprochen und hat auch seine guten Stellen, die einen kurzfristig packen, allerdings verderben viele Köche den Brei – und so auch diesen Film. Der rote Faden lässt sich leider nur minimal erkennen. Stark wird „Das Morgan Projekt“ allerdings, wenn Morgan entdeckt, was Natur und fremdes Leben sind. Mit Kamerabildern, die die Natur niemals übertrieben schön darstellen, sondern immer in einer gewissen Normalität einfangen, schafft es Regisseur (Luke Scott), dass sich die Zuschauer:innen in Morgan hineinversetzen können.

Der bemerkenswerte Cast um Hollywood-Größen wie Kate Mara, Anya Taylor-Joy und Paul Giamatti werten den Film durch ihre schauspielerischen Leistungen eindeutig auf und verhelfen ihm – besonders im Falle von Paul Giamatti – zu den besten Szenen des Films.

„Das Morgan Projekt“ kommt am 1. Dezember in die deutschen Kinos.


FOTO: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

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studiert Politikwissenschaften, würde gerne mal Helge Schneider interviewen und steht auf Hip Hop, Memes und Western.