Theater Review #14: Julius Caesar

Theater Review #14: Julius Caesar

Shakespeares Stück ‚Julius Caesar‘ handelt von der Verschwörung um Julius Caesars Ermordung durch seinen engen Freund Brutus. Die Handlung des Stücks regt zum Nachdenken über die eigene Moralvorstellung und die Natur des Menschen an, jedoch ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Für viele gilt es auch deshalb als eines der zeitlosesten Theaterstücke der Welt.

Die Marburger Inszenierung unterscheidet sich von klassischen Inszenierungen dieser Tragödie. Hier stehen nur drei Schauspieler auf der Bühne. Die geringe Anzahl an Schauspielern ermöglicht es dem Zuschauer, sich im Laufe des Stücks wesentlich besser mit den Charakteren auseinander zu setzten und schafft ein Gefühl der Intimität. Die Schauspieler tragen weder Togen noch Tuniken. Stattdessen sind die Kostüme minimalistisch, aber trotzdem bunt und  fast schrill. Die Besonderheit der verzweigten Bühne wird von den drei Schauspielern in ihrer Performance genutzt. Zwischen den freien Flächen ragen Mikrofonständer hervor. Dazwischen ein einsamer Drummer mit Schlagzeug, der einen bedächtigen und sanften Rhythmus spielt.

Der ungewohnte und bizarre Gesamteindruck verschwindet schnell, als die Schauspieler beginnen synchron zu dem langsamen, sich aufbauenden Beat des Schlagzeuges  zu tänzeln. Das Stück beginnt. Nur wenig später beenden die Schauspieler den Tanz und die zuvor noch lächelnden Gesichter erstarren zu eisernen Minen.

Die Charaktere 

Brutus (Angelina Häntsch) wird als ehrenhafter Bürger Roms beschrieben, stets um das Wohl der Republik besorgt. Brutus steht aufrecht, blickt den anderen Charakteren ins Gesicht, jedoch ohne sie einschüchtern zu wollen. Er bewegt sich mit Bedacht und ist zerrissen zwischen seiner Loyalität zu Caesar und seinem Pflichtgefühl der Gemeinschaft gegenüber.

Cassius (Maximilian Heckmann) ist anfangs schwer zu lesen. So gibt er vor, sich ebenfalls nur um die Republik zu sorgen, doch macht Caesar schnell klar, dass er aus niederen Beweggründen handelt. Sein unstetiges Verhalten bleibt nicht unbemerkt. Mal steht er aufrecht und wirkt dabei offen, mal kauert er und scheint lauernd die anderen Charaktere zu betrachten. Immer wieder versucht er das Volk gegen den Kaiser aufzustacheln.

Julius Caesar (Michael Köckritz) tritt bis zu seiner Ermordung als klar dominanter Charakter auf. Er steht breitbeinig und mit verschränkten Armen auf der Bühne. Er triebt, gleich einem Löwen, die anderen Charaktere vor sich her. Dennoch wirkt er dabei nicht als Aggressor. Caesars Stimme ist ruhig, während er dem Volk seine moralischen Ansichten erklärt.

Wir sind Römer!

„Julius Caesar“ verzichtet bewusst auf ein großes Aufgebot an Schauspielern und langatmigen Dialoge als auch Monologe. So erhält der Zuschauer Raum für eine eigene Interpretation des Stückes. Durch das Wiederholen von Dialogfetzen  stellt es dabei jedoch einen gewissen Handlungsspielraum auf. Klar ist, dass sich alles um die Frage der eigenen Moralität und ihrer Auslegung dreht. In einer Gesellschaft wie unserer , in der viele Wertvorstellungen nebeneinander existieren, ist dies ein interessanter Ansatz. Statt nur zu erzählen, wie die Charaktere mit den eigenen Entscheidungen und Dämonen ringen, zeigt uns das Stück die Gefühlswelt der Charaktere. Dies geschieht entweder durch den Einsatz wild anmutender Tänze, der mehrfachen Wiederholung von Dialogfetzen oder durch das omnipräsente Schlagzeug. Dieses gibt durchweg den Takt des Stückes an. Es bestimmt die Geschwindigkeit mit denen sich die Schauspieler bewegen und formt den Charakter der Szenen.

Anfangs mag die Szenerie leicht bizarr wirken, eventuell sogar überfordernd, doch sobald das Schlagzeug zu spielen beginnt, ist eine fesselnde Atmosphäre geschaffen. Sofort wird mitgefiebert. Gerade das nicht nur für, sondern auch mit dem Publikum gespielt wird, fasziniert. Besonders am Anfang, während der Exposition der Charaktere gibt es viele Momente, in welchen die Zuschauerschaft zur Gemeinschaft der Römer erklärt wird und dabei aktiv angesprochen wird.  Am Ende muss jeder selbst wissen, welche Antworten auf die Fragen zu finden sind, die das Stück aufwirft.

 

Nächste Termine: 28.10.2017, 19.30 Uhr; 24.11.2017, 19.30 Uhr; 26.11.2017, 19.30 Uhr; 02.12.2017, 19.30 Uhr und 19.12.2017, 19.30 Uhr in der BLACK BOX am Schwanhof.

Regie: Jonas Schneider, Bühne: Marlene Lockemann, Kostüme: Magdalena Vogt, Musik: Oli Friedrich, Dramaturgie: Matthias Döpke, Besetzung: Angelina Häntsch (a.G.), Maximilian Heckmann, Michael Köckritz (a.G.)

Weitere Informationen zu dem Stück gibt es hier.

 

FOTO: Jan Bosch

Patrick