Sneak-Review #42: Frühstück bei Monsieur Henri

Sneak-Review #42: Frühstück bei Monsieur Henri

Und auch diese Woche fragen wir wieder: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder wären wir doch lieber am Schreibtisch sitzen geblieben? Diese Woche in der Sneak die französische Komödie „Frühstück bei Monsieur Henri“ von Ivan Calbérac.

Was würdet ihr tun, um keine Miete zahlen zu müssen? Constance (Noémie Schmidt) will endlich frei und unabhängig von ihrem ständig unzufriedenen Vater leben. Sie verlässt ihr Städtchen Orléans und wagt einen Neuanfang in Paris. Monsieur Henri (Claude Brasseur), ein mürrischer Renter bei dem sie zur Wohnungsbesichtigung verabredet ist, ist nicht allzu begeistert davon, eine junge, aufgeweckte Frau bei sich wohnen zu lassen. Schließlich war es nicht seine Idee, sondern die seines Sohns Paul (Guilliame de Tonquedec). Dieser möchte, dass Constance sich ein wenig um seinen Vater kümmert. Die junge Studentin ist zunächst unbeeindruckt von der Miesepetrigkeit des alten Herren. Bis sie die Kaution nicht bezahlen kann und Henri ihr einen Deal vorschlägt. Constance soll die Ehe von Paul und seiner Frau Valérie kaputt machen. Im Gegenzug darf er ein halbes Jahr umsonst wohnen. Als Paul am nächsten Sonntag mit seiner Frau und all ihrer Lächerlichkeit zum Sonntagsessen kommt, gerät Henris Plan ins Rollen.

Nicht selten, aber wertvoll.

Zwei dysfunktionale Menschen, zwischen denen eine Beziehung zunächst unmöglich scheint, im Verlauf des Films jedoch aufblüht – das ist ja zunächst gar kein so unübliches Handlungsmuster. So ist ein Großteil der Handlung sehr vorhersehbar und gewöhnlich. Trotzdem bereitet der Film sehr viel Freude, nicht zuletzt wegen der großartigen Schauspieler:innen. Ausgerechnet die aus »Monsieur Claude und seine Töchter« bekannte Frédérique Bel kommt nur leider ein wenig zu kurz. Statt auf Skurrilität wird auf bissige Dialoge gesetzt. Zumindest der Lachlautstärke nach zu urteilen, hat der genial-trockene Humor das Publikum wach gehalten. Falls doch wer eingeschlafen ist, ist er:sie spätestens wieder wach geworden, als Paul auf der Heimfahrt vom Nachtclub in den schiefsten Tönen französische Midlife-Crisis-Schlager grölt.

Lebensnahe Geschichte und liebenswerte Figuren.

Ein bisschen tragisch wird’s dann aber auch. Constance (klingt in der deutschen Syncro übrigens manchmal wie »Croissants«) zweifelt an ihrem Lebensplan, ihren Fähigkeiten und auch an der Moralität ihrer Aufgabe eine Ehe zu zerstören. In ihr und Henri spiegelt sich der Generationenkonflikt und gleichzeitig spiegeln sich die drei Hauptcharaktere gegenseitig in ihrer Verlorenheit. Gerade die Konflikte, Schwächen und Krisen der Charaktere sind jedoch hübsch in humorvolle Szenen gepackt. Das schenkt dem Film sehr viel Frische und Lebensnähe.

„Frühstück bei Monsieur Henri“ kommt am 21.07. in die deutschen Kinos.

FOTO: Studiocanal

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Studiert Anglophone Studies. Würde das hier eigentlich lieber auf Postkarten schreiben. Verirrt sich gerne in Marburg oder im Internet. Liebt Kochen, Kino, Kirche, Kinderbücher und Kulturgedöns.