Sneak-Review #37: Bastille Day

Sneak-Review #37: Bastille Day

Und auch diese Woche fragen wir wieder: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder gibt es wieder nur eine zähe Gute-Nacht-Geschichte? Diesen Dienstag in der Sneak: „Bastille Day“, der Actionthriller von James Watkins über einen Terroranschlag in Paris.

Wer sich diese Woche im Vorhinein den Tipp für die Sneak angeschaut hat, mag sich verdutzt den Kopf gerieben haben: „Im Norden geht’s los“. Tatsächlich hat dieser Tipp auch keinen direkten Bezug zum Film, sondern bezieht sich auf das EM-Eröffnungsspiel am kommenden Freitag in Paris. Damit ist „Bastille Day“ ein Film, der näher am Zeitgeschehen nicht sein könnte. Aber kann ein Action-Blockbuster einem solch brisanten und gleichzeitig ernsthaften Thema überhaupt gerecht werden?

„Scheiße! Verdammt!“ raunt es aus dem Kinoreihen als das Emblem der europäischen Kulturstiftung auf der Kinoleinwand erscheint. Mein Verdacht wird bestätigt und gleichzeitig werde ich neugierig. Ein Actionfilm mit Anspruch also. Und das ausgerechnet von Regisseur James Watkins, der sonst eher im Horrorfilmgenre unterwegs ist.

Aus Versehen Terrorist

Die Handlung scheint zunächst simpel. Der amerikanische Taschendieb Michael macht sich versehentlich zum Verdächtigen eines Terroranschlags bei dem vier Menschen sterben. Das Land gerät in Aufruhr, besonders als die tatsächlichen Terroristen mit einem noch größeren Anschlag am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, drohen. Sofort ist auch das CIA am Start und schickt, natürlich zunächst ohne die französischen Behörden zu informieren, ihren Agenten Sean Briar auf die Jagd nach Michael. Die Superspürnase, gespielt von Idris Elba, erkennt schnell das Michael unschuldig ist und eine Spur hat, die zu den wahren Tätern führen könnte. Die beiden Amerikaner machen sich auf die Jagd.

Nichts ist wie es scheint

Die Hoffnung in das liebenswerte Duo ist zunächst groß. Sean Briar behält eine überwältigende Taktik, gemischt aus Feingefühl und hartem Durchgreifen und so scheint die Lage erst einmal klar. Nach und nach entpuppt sich eine gigantische Verschwörung. „Die Stadt ist ein Spielfeld“, stellt Briar fest und gerade als man glaubt, er könnte dieses Spiel für sich entscheiden, sieht alles schon wieder ganz anders aus. Da macht sich Michael mit seinem überwältigenden Geschick ganz nützlich. Game-of-Thrones-Star Richard Madden verkörpert diesen Meistertaschendieb. Anfangs schaut er meist pathetisch durch seine blauen Augen drein, denn eigentlich will er gar kein Krimineller sein, schon gar kein Mörder. Bald merkt er, dass ihm die Situation zugutekommen, ihm sogar einen neuen Job verschaffen könnte.

Nichts als ein Spiel

Obwohl der Film Bezug zu aktuellen Themen nimmt, ist der Plot ist stark konstruiert und die Verschwörung monströs. Nationalistische Parteien, linke Demonstrant:innen, Journalist:innen, alle spielen völlig unbewusst den Feinden in die Hände. Vertrauenserweckend sind einzig die amerikanischen Helden der Geschichte. Immer wieder tauchen bekannte Bilder auf, doch sie sprechen nie für das, wofür wir sie kennen. Doch gerade das macht den Film unglaublich interessant. Es wird nicht versucht in möglichst realitätsgetreuer Weise eine Terrorsituation nachzustellen und als Blockbuster zu verkaufen, vielmehr wird die Spannung dadurch hergestellt, unsere Realität zu hinterfragen und umzudrehen.

Wer sich etwas Neuartiges im Genre Actionfilm erhofft, wird wahrscheinlich enttäuscht. Von Verfolgungsjagden über den Dächern bis zu rasanten Autofahrten, die meisten Szenarien sind schon aus anderen Filmen bekannt. Trotzdem bleibt der Film spannend bis zur letzten Minute, zwischendurch aufgelockert durch den wunderbaren Humor der beiden Protagonisten. Wer also einen interessanten und spannenden Plot, einer anspruchsvollen Action-Ästhetik vorzieht, sollte sich den Film auf jeden Fall anschauen.

Bastille Day kommt am 23. Juni 2016 in die Kinos.

FOTO: Studiocanal GmbH Filmverleih

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Studiert Anglophone Studies. Würde das hier eigentlich lieber auf Postkarten schreiben. Verirrt sich gerne in Marburg oder im Internet. Liebt Kochen, Kino, Kirche, Kinderbücher und Kulturgedöns.