Theater-Review #7: Romeo und Julia

Theater-Review #7: Romeo und Julia

Am Samstag vor zwei Wochen feierte das Hessische Landestheater Marburg die Premiere eines Klassikers: „Romeo und Julia“ von William Shakespeare. Regie führt Matthias Falz und in die Hauptrollen spielen Lisa-Marie Gerl und Roman Pertl. Eine Liebestragödie, die von emotionsträchtigen Musikstücken untermalt wird.

Ist Romeo und Julia nicht der Klassiker unter den Klassikern? Das bekannteste Stück des bekanntesten Dramatikers? Romeo und Julia ist omnipräsent, besonders wenn es um Teenager und Theater geht. Über Romeo und Julia durfte ich meine Abi-Klausur schreiben. Und meine Klausur im ersten Semester. Manchmal frage ich mich, warum eigentlich. Und ob Shakespeare es nicht ganz genau gewusst hat, als er diese Zeilen schrieb: „For never was a story of more woe/ Than this of Juliet and her Romeo“. So viel Leid. Warum begeistern sich so viele Menschen für so viel Leid?

Eigentlich muss ich die Story jetzt auch gar nicht lang und breit erklären.  Romeo und Julia, zwei Teenager, beide aus wohlhabenden, jedoch verfeindeten Familien, verlieben sich innerhalb von Sekunden unsterblich ineinander. Obwohl sie versuchen, ihre Liebe geheim zu halten, verschärfen sich die Konflikte der Familien, es fließt ein wenig Blut und… das Ende verrate ich jetzt nicht.

„This love I feel, I feel no love in this“

Das Stück beginnt mit Romeos Silhouette, die im Nebel steht und von einer Soft-Metal-Melodie begleitet, Zeilen des englischen Originals singt. Solche Momente tauchen im Verlauf des Stückes immer wieder auf und spiegeln die tiefe Emotionalität der Figuren. Romeo singt Zeilen, die die Grundstimmung des Stücks wiedergeben: „This love I feel, I feel no love in this” – Romeo und Julia ist eine Liebesgeschichte, die sich nicht wie eine anfühlt. Denn irgendwie geht einfach nur ständig alles kaputt.

Zwei Gangstertypen in bunten Hemden stoßen dazu, was stark an Baz Luhrmanns knallige Verfilmung des Stücks erinnert. Tatsächlich scheint sich diese Inszenierung hier ein Scheibchen abgeschnitten haben. Es gibt Dreadlocks, Batman-Kostüme und Neonkreuze auf der Bühne. Doch nicht nur mit popkulturellen Elementen, auch mit theatralischen Mitteln wird hier gearbeitet. Vor allem machen Lichteffekte und Musik das Stück aus. Zwischen großen Metallelementen und einem Wasserbecken spielt sich Jugenddrama mit rebellischen, melancholischen, verlorenen Hauptfiguren ab. Manches ist auch etwas absurd – wie zum Beispiel der Vater, der an einer bipolaren Störung zu leiden scheint. Oder Julia, deren Spiel manchmal so gestellt wirkt, dass man sich fragt, ob das jetzt Absicht ist und ihr so etwas wie eine selbstdarstellerische Theatralik unterstellt.

Vielleicht gibt’s heute mal ein Happy End

Die Tragik  in Form von Scheinwerferlicht und melancholischen Klängen wird immer schwerer im Zuschauerraum – bis die Hoffnung kommt. Eine überwältigende Hoffnung in Form eines schwungvollen Rocksongs gesungen von Amme und Mönch, den Charakteren, die der Tragödie schon immer Frische und Humor verliehen haben und diesem auch in dieser Version in hervorragender Weise gerecht werden. „Ich glaube hier geht es gut aus!“ sagt eine Zuschauerin in der Pause. Zu Recht, denn dieses Romeo und Julia ist alles Mögliche und so kommt das Gefühl auf, dass auch noch alles Mögliche passieren könnte.

Es ist ganz nah an Shakespeares Original und doch werfen kleine, neue Textpassagen immer wieder zurück ins 21. Jahrhundert. Es gibt eine einigermaßen klare Dramaturgie und doch sind einige Figuren und Passagen ambivalent – im Sinne von „passt irgendwie nicht“. Und obwohl Liebe und Jugend das Thema sind, geht es tief hinein ins Unglück. Insgesamt also eine Inszenierung, die vielleicht nicht immer ganz stimmig, dafür aber neuartig und anders ist.

Regie: Matthias Falz Besetzung: u.A. Lisa-Marie Gerl, Roman Pertl, Franziska Knetsch (a.G.) Musikalische Leitung: Michael Lohmann Bühne: Harm Naaijer Dramaturgie: Simon Meienreis Aufführungsdauer: ca. 180 Minuten

Die nächsten Aufführungen von Romeo und Julia sind am 08.03., 11.03. und 30.30. jeweils um 19.30 im Erwin-Piscator-Haus.

FOTO:  Killa Schuetze

+ posts

Studiert Anglophone Studies. Würde das hier eigentlich lieber auf Postkarten schreiben. Verirrt sich gerne in Marburg oder im Internet. Liebt Kochen, Kino, Kirche, Kinderbücher und Kulturgedöns.