Sneak Review #68 Mein Blind Date mit dem Leben

Sneak Review #68 Mein Blind Date mit dem Leben

Eine Sneak-Preview ist wie ein Blind Date. Sie könnte dein Leben für immer verändern oder dir noch wochenlang Einschlafprobleme bereiten. Diese Woche gab’s ein richtiges Blind Date – also fast. „Mein Blinddate mit dem Leben“ heißt die Komödie von Marc Rothemund.

Salis (Kostja Ullmann) großer Traum ist es, Hotelfachmann zu werden. Als er wegen eines seltenen Augenfehlers innerhalb kurzer Zeit 95 Prozent seines Sehvermögens verliert, scheinen seine Pläne vor dem Aus zu stehen. Bis er sich für eine Ausbildung beim Luxushotel „Bayerischer Hof“ in München bewirbt und die Stelle bekommt – seinen Sehfehler jedoch verheimlicht. So stolpert er wortwörtlich von einem Problem ins nächste und wäre vermutlich aufgeschmissen – hätte sein draufgängerischer Kollege Max (Jacob Matschenz) ihn nicht durchschaut. Max behält Salis Geheimnis und hilft ihm, die Herausforderungen zu meistern – denn die gibt es für einen Blinden in einem Luxushotel zu Hauf.

 „Hören Sie auf, Träume zu haben!“

Die auf einer wahren Begebenheit basierende Story ist durchaus erzählenswert. Leider bleibt es aber sehr vorhersehbar, unglaubwürdig und klischeehaft. Wo viel Platz für ein bisschen Gesellschaftskritik wäre sind gängige Stereotype und relativ platte Dialoge. So sitzt Sali nach seiner Diagnose in einem finsteren Büro bei einem finster dreinblickenden Jobberater, der ihm ganz platt sagt „Hören Sie auf Träume zu haben!“. Sali gibt nicht auf – und das ist auch irgendwie das Einzige, was wir im Film über ihn erfahren. Die einzige interessantere Figur ist Max, welcher von Jacob Matschenz auch wunderbar gespielt wird. Dieser erzeugt dann auch einige Lacher, allerdings eher durch Situationskomik als durch gute Dialoge.

Unterhaltsam, aber unglaubwürdig

Eine Liebesgeschichte darf in dieser Story natürlich auch nicht fehlen. Als Sali eines Tages den Küchenmüll entleert hört er Gesang – und weiß sofort, dass er die Liebe seines Leben gefunden hat. „Und wenn sie hässlich ist?“, fragt Max. „Egal“ – „Stimmt.“ Hinter der Stimme steckt die Gemüsefrau Laura (Anna Maria Mühe). Im restlichen Film singt sie nicht mehr, aber sie verlieben sich trotzdem innerhalb von ein paar dialogarmen Dinner – und Parkszenen. Auch hier also leider nichts Neues.

Aufgefrischt wird der Film durch die Nebenfigur Hamid (Khida Kodr Ramadan), ein Geflüchteter, der in der Hotelküche als Spüler arbeitet und sich mit Salis Hilfe durch Anträge und Formulare kämpft um in den medizinischen Bereich zu bekommen. Insgesamt ist in dem Film aber alles etwas zu krass, um glaubwürdig zu sein. Ebenso schnell wie Sali sein Sehvermögen verliert, ebenso gut wie er die monströsen Probleme, die auf ihn zukommen meistert, ebenso schnell landet er plötzlich ganz weit unten.

„Mein Blind Date mit dem Leben“ kommt am 26.01. in die deutschen Kinos.

FOTO: Studiocanal

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Studiert Anglophone Studies. Würde das hier eigentlich lieber auf Postkarten schreiben. Verirrt sich gerne in Marburg oder im Internet. Liebt Kochen, Kino, Kirche, Kinderbücher und Kulturgedöns.