Marburg, deine Künstler: Grey Fries

Marburg, deine Künstler: Grey Fries

Mit Selbstironie und Leidenschaft zur Musik treten sie auf Marburgs Bühnen auf. Die Grey Fries, das sind Simon Conrads (Fries) und Julien Pfeil (Grey). Eine Band, die einen Spagat zwischen Helge Schneider und den Black Keys wagt. 

Die zwei Jungs aus Bad Vilbel lernten sich in der Oberstufe kennen, ihre Verbindung war vor allem ihre Begeisterung für die MusikEs dauerte nicht lange, bis sich aus spontanen Jam-Sessions mehr entwickelte als nur zwei Krach machende Freunde. So gründeten die beiden, die privat tatsächlich eher introvertiert sind, ihre eigene Band, um ihren Enthusiasmus für Musik auszudrücken. Um mit Simons Worten zu sprechen: ”Als Interpret ist die Musik für mich die optimale Kunstform, weil sie mir schüchternem Willy erlaubt, Dinge mal mit richtig Wumms in die Gegend zu schreien, ohne dass jemand genau hinhört.”

Der Name der Band setzt sich aus ihren Lieblingsbands, den Black Keys, den White Stripes und Black Pistol Fire zusammen. Sowohl als Hörer als auch als Interpret sehen sie die Musik als einen wichtigen Teil ihres Alltags an. Simon ist Gitarrist, Sänger und Songwriter in der Band, während Julien die Drums bedient und Simon zu den Texten erstes Feedback und Anregungen gibt: „Die Texte entstehen allesamt in einer engen Zusammenarbeit zwischen Konrad und mir. Konrads Job dabei ist es, die Texte zu schreiben. Ich hingegen höre diese dann manchmal beim Proben, denke mir ‚Hm‘ oder auch ‚ach, schau mal einer an.’” In den Texten spielt unter anderem das Thema Erwachsenwerden eine große Rolle, wie auch der sehr eigene Humor der Band.

In der Selbstfindung und offen für alles

Der Musikstil der Band wird dem Garage-Rock zugeschrieben. Mit Garage-Rock bezeichnet man eine ungeschliffene und schnörkellosere Form von Rock- und R&B-Musik mit Verbindungen zum Punk- und Indie-Rock. Für Simon steht die Bezeichnung jedoch für noch mehr: ”Für mich entschuldigt der Begriff vor allem aber auch, dass wir beide keine Profis an unseren Instrumenten sind und mehr nach Gefühl als nach tiefgehendem musikalischem Verständnis spielen. Für mich schwingt beim Garage-Rock immer ein bisschen Dilettantismus mit.” 

Während das erste Album “The E.P. – EP” überwiegend vom Garage-Rock geprägt ist, öffnete sich die Band später, um auch andere Musikstile auszuprobieren und aufzunehmen. Simon zufolge hat dies Vor- und Nachteile: “Das freut mich einerseits als Musiker, weil wir viel probieren und uns nicht einschränken, andererseits sind wir so für die Hörer weder Fisch noch Fleisch. Aber probieren wollen wir beide viel, solange wir trotzdem noch hinter dem Lied stehen können.” Julien sieht das ähnlich: ”Mit mehr Songs und Lebenserfahrung dehnt sich das natürlich aus, weshalb das neue, noch unveröffentlichte Album vermutlich das abwechslungsreichste wird. Abseits davon wollen wir oftmals auch einfach mal für ein Lied ein anderes Genre ausprobieren, wie beispielsweise Scusi, Mr. Sheriff unsere Interpretation von Western/Country Rock war.“ Das zweite Album “Scusi, Mr. Sheriff” wird von den Beiden im Vergleich zum vorherigen Album eher als Genre-Mix bezeichnet und wurde im November bei einem Release Auftritt in ihrer Heimat veröffentlicht. Das dritte Album “Bonsoir, Mr. Stranger” soll in diesem Jahr noch folgen. Neben ihren Alben erscheinen ebenfalls Musikvideos zu einzelnen Songs, die über Youtube veröffentlicht werden. Auch beim Dreh lassen die beiden ihrer Kreativität mit etwas Hilfe freien Lauf und probieren sich aus.

Bodenständig und Fritten

Ihrem eigenen Beitrag zur Musik messen die beiden keinen großen Stellenwert zu, denn es geht ihnen in erster Linie um Spaß an dem, was sie machen. Dabei geht es um das Musizieren,  Airhockey und dem Auftreten, aber auch um den Austausch hinter der Bühne mit anderen Künstlern und Fans. Besonders sprechen sie Bands an, die aus der Masse herausstechen, jedoch lassen sie sich auch gern von Interpreten aus etablierteren Genres überraschen. Außerdem bewerben sie selber neue lokale Bands in ihrer Sendung beim Franktfurter Stadtradio RADIO X. Bei all der Werbung darf man aber sich selbst natürlich auch nicht aus den Augen verlieren: „Die ganze Szene ist unglaublich nett und sympathisch, wir sind auf diversen Festivals immer wieder erstaunt, was für tolle Musiker und Menschen wir dort treffen. Das ist dann meistens der Moment, indem wir uns anschauen, uns zunicken und wissen: diese Konkurrenz werden wir auf keinen Fall in unserer Sendung vorstellen (lacht).“

Foto: Simon Conrads

Sebastian Ridder

studiert Politikwissenschaften, würde gerne mal Helge Schneider interviewen und steht auf Hip Hop, Memes und Western.