Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre so viel besser als BAföG

Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre so viel besser als BAföG

Weltweit wird immer mehr über ein bedingungsloses, existenzsicherndes Grundeinkommen diskutiert. Auch in Deutschland finden sich immer mehr Befürworter:innen. Insbesondere für Studierende würde sich das lohnen.

Geld ist bei Student:innen immer knapp. So war es schon immer, gut möglich, dass es auch immer so sein wird. Weil das aber Ende der 60er Jahre auch der Regierung auffiel, schuf man das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG), um Student:innen finanziell zu unterstützen. Während dies mal im Grunde eine Vollförderung war, die in den 70er-Jahren bis zu 44% der Student:innen erreichte, erhalten heute nicht mal mehr ein Drittel BAföG-Mittel. Zudem finanziert das BAföG heute nur noch einen Teil der Unterhaltungskosten. Verbunden ist die Beantragung des BAföG mit einem hohen Verwaltungsaufwand: Viele Papiere müssen eingereicht werden, viele Fehler können gemacht werden – da gibt es auch viel Platz auch für Klagen. Ganz zu schweigen, von dem Druck, der durch das BAföG ausgeübt wird. Denn das Geld gibt es nur während der Regelstudienzeit, deren Einhaltung wohl nur für die allerwenigsten die Regel darstellt. Dies gilt umso mehr, wenn trotz BAföG noch ein Nebenjob ausgeübt werden muss, wie es zwei Drittel aller Student:innen handhaben. Wie soll es dann möglich sein, sich nebenbei persönlich zu entfalten und seinen Interessen außerhalb des eigenes Faches nachzugehen?

Das Grundeinkommen würde entlasten

Das könnte ein Grundeinkommen ermöglichen. Es befreit nicht nur Student:innen finanziell, sondern auch deren Eltern, die während des Studiums in aller Regel – nicht nur wegen ihrer gesetzlichen Pflicht – ihre Kinder weiter unterstützen. Es nimmt jedenfalls einen Teil der Last weg, irgendwie über die Runden kommen zu müssen. Des Weiteren fiele der hohe Verwaltungsaufwand für das BAföG weg, da das Grundeinkommen ja bedingungslos gewährt werden würde. Vielleicht mag auch ein Grundeinkommen nicht jede Chancenungleichheit beseitigen, sodass im Einzelfall noch – prinzipiell ja gar nicht ausgeschlossene – andere staatliche Leistungen gewährt werden müssten. Aber verleitet das Grundeinkommen nicht möglicherweise dazu, ewig zu studieren und nie in den Steuertopf einzuzahlen? Nein! Denn der Lauf des Lebens, des Älter werden, das Streben nach einer Familie und einer gesicherten Zukunft verhindern dies schon momentan und werden dies auch in Zeiten eines Grundeinkommens. Natürlich ist das Grundeinkommen kein Allheimittel, so wie kein Mittel perfekt sein kann. Langzeitstudent:innen gibt es auch schon heute, doch nur selten werden sie das auf Grund des „bequemen Studilebens“ haben; eher sollten also zusätzlich andere Stressfaktoren reduziert werden.

Dass das Grundeinkommen zu Faulheit führt, ist daher eine falsche These: Viele Student:innen würden gerne neben Studium ein Ehrenamt und Hobby ausüben, und das Leben zu erleben – wenn sie nur die Zeit dazu hätten.

FOTO: Muhammed Rehan auf flickr.com, CC-Lizenz

Maik Kristen

Freier Redakteur bei PHILIPP. Macht irgendwas mit Jura und reist gerne nach Russland.