Was bedeutet der Klimanotstand in Marburg?

Was bedeutet der Klimanotstand in Marburg?

Wie andere Städte hat sich auch die Stadt Marburg Ende Juni dazu entschieden, den Klimanotstand auszurufen. Aber was bedeutet das eigentlich für die Stadt Marburg und was ist der Klimanotstand?

Spätestens seit der Fridays-For-Future Bewegung und den mit Plastik überfluteten Stränden sollte (hoffentlich) jede:r bemerkt haben: Unsere Welt befindet sich in einem unaufhaltsamen Klimawandel und bereits jetzt befinden wir uns in einem Ressourcendefizit für das restliche Jahr 2019. Der Kritik der Fridays-For-Future Bewegung zufolge hat die Politik in den letzten Jahren kaum etwas für den Klimaschutz getan und muss endlich in Aktion treten

Marburg folgt dem Beispiel anderer Städte

Daher wurde bereits in mehreren Städten der Klimanotstand ausgerufen. Vorbildern wie den Städten Konstanz und Münster folgend hat sich auch die Stadt Marburg Ende Juni dazu entschieden, den Klimanotstand auszurufen. Das bedeutet zunächst, dass während der Stadtverordnetensammlung beschlossen wurde, dass Marburg bis 2030 klimaneutral werden soll. Klimaneutral oder auch CO2-neutral bedeutet, dass CO2 reduzierende Maßnahmen ergriffen werden, bei denen das atmosphärische Gleichgewicht nicht verändert wird. Prozesse sind dann klimaneutral, wenn keine klimaverändernde Gase entweichen oder bereits ausgestoßene Gase wieder eingespart werden.

Oberbürgermeister Spies äußerte nach dem Beschluss der Stadtverordnetensammlung, dass wir künftig unsere Entscheidungen nach der Klimawirkung ausrichten müssen und betonte zudem, dass jede:r Bürger:in ein Mitspracherecht haben solle, um zu langfristigen Veränderungen beizutragen.

Aber was ist eigentlich der Klimanotstand?

Der Klimanotstand ist zunächst ein symbolischer Akt, welcher der Bevölkerung verdeutlichen soll, dass der Klimaschutz in allen Aufgaben die höchste Priorität haben sollte. Folglich sollen nach Ausruf des Notstands alle Kräfte in der Politik und in der Öffentlichkeit gemeinsam gebündelt werden, um wichtige Entscheidungen hinsichtlich des Klimaschutzes zu beschließen.

Hierbei können die Klimaziele von Stadt zu Stadt unterschiedlich sein, das heißt jede Stadt beschließt für sich individuelle, wichtige Punkte. Der Klimanotstand ist also demnach ein Label, die von der Stadt individuell beschlossenen Maßnahmen bilden dann den Inhalt des Klimanotstands.

Was bedeutet die Ausrufung des Klimanotstands konkret für die Stadt Marburg?

Für Marburg bedeutet der Klimanotstand zunächst, dass die Stadt Marburg die Klimakrise als Bedrohung für die Artenvielfalt und den Menschen anerkennt. Folglich sollen in den nächsten Jahren neue Gesetze beschlossen werden, um die Erderwärmung auf allen Ebenen auf 1,5 Prozent begrenzen zu können. Zugleich sieht die Stadt Marburg in der Klimakrise die Notwendigkeit, die Wirtschaft zu erneuern und von fossil-atomarer Energieimporte auf heimische Wertschöpfung wechseln zu können.

Zudem soll ein Klimabeirat zur Bewertung und Einhaltung der Klimaziele eingesetzt werden. Die Stadt Marburg will bei der Umsetzung auch mit dem Land Hessen, Bund und der EU eng zusammen arbeiten. Innerhalb eines Bürger:innenbeteiligungsprozesses sollen Bürger:innen, Vereine, Initiativen und weitere Expert:innen Beschlüsse und Pläne überprüfen. In einem Aktionsplan, der Ende 2019 entstehen soll, wird die Reduzierung der CO2-Emissionen und der Ausbau erneuerbarer Energien im Stadtgebiet festgehalten. Den Beschluss zum Klimanotstand der Stadt Marburg könnt ihr hier noch einmal nachlesen.

FOTO: CC Marco Verch, unverändert

Karina Hein