Sneak Review #128 – Action Point

Sneak Review #128 – Action Point

Ein Streichelzoo, der Amok läuft, Kinder außer Rand und Band und mangelnde Sicherheitsstandards durch abmontierte Bremsen? Klingt das für euch nach dem „Sommer des Lebens“? In dem amerikanischen Freizeitpark „Action Point“ in den 70er Jahren ist dies alles möglich. In der gleichnamigen, neuen Komödie von Johnny Knoxville, bekannt geworden durch die auf MTV ausgestrahlte Fernsehsendung „Jackass“, gibt es wie üblich wieder eine große Portion Gesetzlosigkeit – und natürlich eine Menge Schadenfreude.

Im „Action Point“ verbringen Jugendliche und Kinder den unbeschwerten Sommer ihres Lebens. In Rückblenden erzählt D.C. (Johnny Knoxville höchstpersönlich) seiner kleinen Enkelin, wie ihm einst zusammen mit seinen (meist nicht ganz so nüchternen) Freunden einer der beliebtesten Freizeitparks, der „Action Point“, gehörte. Zurück in den 70er Jahren leitet D.C. den „Action Point“, in dem absoluter Sicherheitsmangel und Chaos herrscht. Fahrgeschäfte führen ständig zu Verletzungen und werden, nachdem sie beschädigt wurden, nur provisorisch repariert. Boogie (Eleanor Worthington-Cox), die 14-jährige Teenager-Tochter von D.C., kommt, um den Sommer bei ihrem Vater zu verbringen, aus New York angereist, wo sie normalerweise bei ihrer Mutter lebt. Boogie freut sich unglaublich, ihren Vater zu sehen, doch muss sie ihrem Vater im Verlauf des Films mitteilen, dass ihre Mutter vor hat, die Vormundschaft für Boogie ihrem neuen Partner zu übertragen, welches sie allerdings vorerst vor D.C. geheim hält.

Kann der betrunkene Braunbär wirklich den Park retten?

Die Unbeschwertheit des Parks und die gute Laune werden zusätzlich unterbrochen, als der Park immer schlechter besucht wird und kurz vor der Insolvenz steht, sowie ein neuer Konkurrent auf der Bildfläche erscheint: ein neuer Freizeitpark namens „7 Parks“, unterstützt durch den Anwalt Knoblach (Dan Bakkedahl), den Erzfeind von D.C.. Noch dazu kann D.C. durch geringere Einnahmen seine Schulden bald nicht mehr begleichen. Eine Rettung für den geliebten Park muss her! D.C., seine Tochter und Freunde, darunter Bennie (Chris Pontius), tun sich zusammen und wollen durch einen Umbau des Parks durch das Abmontieren von Bremsen an den Fahrgeschäften und einer Geschwindigkeitserhöhung den Spaß bestmöglich maximieren. Nach dem Motto: Hauptsache gefährlich, unkontrolliert und vorallem ohne Limits, um es den Konkurrenten von „7 Parks“ mal so richtig zu zeigen.

Vorerst gelingt der Plan, doch schnell müssen sich D.C. & Co. etwas Neues einfallen lassen. So starten D.C. und seine Freunde einen Boykott gegen den eigenen Park, um gegenwirkend die Besucherzahlen zu steigern. Bald gilt der „Action Park“ nicht nur durch die Eröffnung eines Streichelzoos mit dem Highlight, dem betrunkenen Braunbär, und dem wüsten Kinderland zum „chaotischsten Park“ in der Geschichte. Doch der Park gerät immer mehr außer Kontrolle und auch das Verhältnis von D.C. und Boogie wird auf die Probe gestellt. Kann D.C. den Park noch vor der Schließung retten und sich gleichzeitig ausreichend um Boogie kümmern?

Jackass meets Freizeitpark

Die Komödie „Action Point“ ist eindeutig Geschmackssache. Fans von „Jackass“ (die bekannte Fernsehsendung des Senders MTV) oder auch „Bad Grandpa“ werden eindeutig auf ihre Kosten kommen. Der Film lebt von dem typischen flachen Humor, zahlreichen Unfällen, Schadenfreude, aber auch einer sehr schönen Vater-Tochter-Beziehung, um den Film dann doch wieder etwas familienfreundlicher zu machen. D.C. lebt nicht von viel und steckt mit viel Leidenschaft sein ganzes Herzblut in den „Action Point“. Dennoch muss er auch lernen, dass man sich zwar ein Stück Kindheit immer behalten kann, seine Tochter aber auch erwachsen wird. Ein Vater, der ein absoluter Witzbold ist und für den seine Tochter das Größte der Welt ist. Gerade die Szenen, in denen Boogie und ihr Vater als Team zusammenhalten, sind schön mit anzusehen – und mit viel Herz. Und auch wenn D.C. und seine Freunde von den unsympathischen Konkurrenten von 7 Parks als „Schwachköpfe“ angesehen werden, leben sie doch ihr ganz eigenes, unbeschwertes Leben in ihrer kleinen Welt des Freizeitparks.

Die Machart des Films ist relativ einfach, keine großen Kamerawechsel oder Effekte. Schön wäre ein Perspektivenwechsel bei den Fahrgeschäften aus der Sicht des Besuchers gewesen, sodass der Zuschauer das Gefühl hat, selbst in der Achterbahn zu fahren. Anders als bei den Jackass- Produktionen, in der die Kameraführung doch recht amateurhaft ist und die Stunts schon teilweise sehr grenzwertig oder kaum jugendfrei sind, ist dieser Film eher wie ein typischer Spielfilm aufgebaut. Ein eher langweiliger Spielfilm bei dem man, auch wenn man nicht aufpasst (oder mal einschläft), noch immer die Handlung versteht. Der Plot ist auch nichts sehr Besonderes oder gar Überraschendes, also eher kurzatmig. Der Fokus liegt hier eher bei den waghalsigen Stunts auf der Wasserrutsche oder auch einer nicht gesicherten Seilbahn, die – mal wieder – durch Johnny Knoxville höchstpersönlich ausgeführt werden.

Für Freunde des geschmackvolleren Humors ist der Film wahrscheinlich eher niveaulos mit den sexistischen und teils grenzwertigen Gags sowie der vulgären Sprache – und auch nicht unbedingt sehenswert. Fremdscham – Alarm ist bei dieser Johnny Knoxville – Produktion auf alle Fälle garantiert. Als Komödie zum Abschalten, wenn man mal nichts Anspruchsvolles braucht, ist für jene, die den flachen Humor selber gerne benutzen, „Action Point“ der perfekte Film. Und vielleicht auch eine Anregung, um mal wieder in Europapark & Co. mit den besten Freunden zu fahren und eine unbeschwerte Zeit abseits unserer normalen Umgebung mit all ihren Regeln und Verpflichtungen zu verbringen. Aber hoffentlich mit einem größeren Sicherheitsstandard und weniger Verletzungen als in „Action Point“.

„Action Point“ erscheint am 23.August 2018 in den deutschen Kinos.

FOTO: Paramount

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