Plogging: Die schwedische Art des Aufräumens

Plogging: Die schwedische Art des Aufräumens

Der schwedische Trend „Plogging“ wurde letztes Jahr häufiger in den Medien gezeigt und erlangte somit besonders die internationale Aufmerksamkeit von Laufgruppen. Das Wort „Plogging“ setzt sich aus den Wörtern „plocka“ (etwas aufsammeln) und Jogging zusammen – demnach also das Aufsammeln von Müll während man joggen geht. Laufgruppen trafen sich vorallem in Großstädten, um etwas zu der Sauberkeit beizutragen und gerade an stark besuchten öffentlichen Plätzen aufzuräumen. Sport kombiniert mit einer guten Tat – ist das wirklich so einfach und effektiv? PHILIPP ist dieser Frage bei dem 1. Plogging-Lauf Marburgs auf die Spur gegangen.

Das Verteilen der Plogging- Utensilien durch die Stadt Marburg

Los gings am Samstag, den 30.Juni 2018, am Georg-Gaßmann-Stadion. Die Hauptsponsoren NGA Camp, Sven’s Laufshop, LVM Versicherung und Max Fred fanden eine gute Gruppe von circa 30 Unterstützer:innen vor, die sich unter dem Motto „Ich schwitze für sauberes Wasser“ für den guten Zweck zum Ploggen trafen. Der Erlös der am Anfang zu erwerbenden Spendenshirts ging an den Großsponsor „Viva con agua“ und floss in das Brunnenprojekt des Sponsors mit ein. Plogging – so einer der Sponsoren von NGA-Camp – sei erst so richtig durch eine Dokumentation im Herbst 2017 ins Bild gerückt worden, sodass die etablierte Laufgruppe des NGA Camps den Lauf durch die Unterstützung der Stadt Marburg ermöglichen konnte. Jede:r konnte mitmachen, aufmerksam wurde auf die Aktion zuvor durch Radiosender wie YOUFM, hr-Radio und FFH, sowie auf den Facebookseiten der Sponsoren gemacht.

Die Jogging-Route und Erfolge  

So fand sich eine recht vielfältige Gruppe verschiedenster Altersklassen zusammen und sogar die Kleinsten halfen fleißig mit. Auch der Oberbürgermeister Dr.Thomas Spies half durch seine tatkräftige Unterstützung. Um 14 Uhr liefen 30 Leute ausgestattet mit Müllzangen, Müllsäcken und Handschuhen, welche von der Stadt Marburg zur Verfügung gestellt wurden, los über die Frankfurter Straße. Weiter gings entlang der Lahn an Unistadion, Ufercafe und Lahntreppen vorbei, danach Richtung Wehrda und zurück auf der Seite des AROMA (wo zwischenzeitlich unsere prall gefüllten Müllsäcke von dem DBM entgegen genommen wurden), über Unistadion und am Aquamar vorbei über die Frankfurter Straße zurück. Während des ca. zweistündigen Laufs wurde stets für genug Wasser gesorgt, welches bei den heißen Temperaturen an dem Wochenende doch sehr wichtig war.

Während des Laufens geriet man ins Gespräch mit den Teilnehmer:innen und half sich zum Beispiel beim gegenseitigen Müllbeutel aufhalten. Die Strecke von ca. 10 km konnte durch die zahlreichen Gespräche und den gemeinsamen Teamgeist gut bewältigt werden. Insgesamt ist unser liebes Marburg doch ein ziemlich sauberes Fleckchen – an manchen Stellen konnte kaum Müll gefunden werden und das, obwohl einen Tag zuvor der Marburger Nachtmarathon stattfand. Eines unserer größten Funde war ein Teewagen, den jemand in die Lahn geworfen hatte. Vor allem aber fanden wir zahlreiche Zigarettenstummel, Servietten und Plastikverpackungen.

Wie effektiv war das Ploggen?

Beim Plogging stehen vor allem der Teamgeist und der Spaß an der gemeinsamen Sache an erster Stelle – und natürlich das Aufräumen unserer Umwelt. Und auch wenn unser Plogging-Lauf sehr erfolgreich war und wir einige Müllsäcke füllen konnten, blieb manchmal doch das Joggen etwas auf der Strecke. Man stand teilweise zwischen zwei Entscheidungen: Wollte man nun mehr Müll aufsammeln und auch in Gebüschen danach suchen oder lieber Joggen und dafür weniger Müll aufsammeln? Wir entschieden uns größtenteils für kurze Jogging-Episoden und suchten dafür mehr nach Müll, auch abseits der Wege. Es ähnelte einem kleinen Intervalltraining, aber auch wenn wir nicht die ganze Zeit effektiv joggten, blieben wir doch immer in Bewegung. Das nächste Mal könnte man beispielsweise noch „kleine Workouts“ einbauen, so einer der Mitjogger. Generell sollte das Aufsammeln von Müll (oder auch die richtige Entsorgung von unserem Müll) viel selbstverständlicher werden. Auch beim entspannten Spaziergang an der Lahn entlang oder zufällig während man sich zum joggen trifft, kann jede:r mal etwas aufheben und in den nächsten Mülleimer werfen.

Schön wäre es, so auch die Organisatoren des ersten Plogging-Laufs, wenn öfters organisierte Plogging-Läufe stattfinden würden und sich auch noch mehr Menschen für ein bisschen mehr Sauberkeit begeistern könnten. Auf alle Fälle eine tolle Aktion, bei der es schön gewesen wäre, noch mehr Menschen als Teilnehmer begeistern zu können. Das nächste Mal könnte man vielleicht noch an der Universität mit Plakaten und Flyern aufmerksam machen.

Vorstellung des Frankfurter Projekts #cleanffm

Der bereits erwähnte Teamgeist und die gemeinsame Sache stehen auch bei dem Frankfurter Projekt #cleanffm an erster Stelle. Initiiert wurde #cleanffm durch Oberbürgermeister Peter Feldmann in Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und dem Umweltdezernat. Der Community-Gedanke und die aktive Mitgestaltung an der Kampagne sollen mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Sauberkeit lenken. Gerade im Sommer, so Felicitas Binder, Social Media Managerin bei der Stadt Frankfurt, seien doch häufig gerade die Bewohner:innen Frankfurts ohne Garten oder Balkon am Mainufer oder auch in den Parks anzutreffen, wo häufig Grillutensilien und ähnliches meist nicht ordnungsgemäß entsorgt werden. Hier ist dringend ein Umdenken und mehr Bewusstsein und Verantwortung für den öffentlichen Raum erforderlich.

An dieses Bewusstsein knüpfen die Sauberkeitsbotschafter:innen von #cleanffm an, die zum größten Teil aus studentischen Hilfskräften bestehen und in den direkten Dialog mit Bürger:innen oder bei Veranstaltungen, wie der Campusmesse der Goethe-Universität oder der Bahnhofsviertelnacht, treten. Durch Gespräche und das Verteilen von Taschenaschenbechern und Hundekotbeuteln soll ein besseres Umweltbewusstsein bei den Bürgern hervorgerufen werden. Der:die Einzelne selbst, so Felicitas Binder, könne schon durch kleine Taten wie durch das Mitbringen eines eigenen To-go-Bechers beim Café um die Ecke den Plastikverbrauch erheblich reduzieren und sogar sparen, da die meisten Cafés mittlerweile einen Rabatt von 50ct auf den gekauften Kaffee geben. Und auch beim Picknick hilft es schon der Umwelt, wenn Mehrweggeschirr anstatt Papptellern benutzt wird. Aktuell ist #cleanffm noch auf der Suche nach einer engagierten und umweltinteressierten Laufgruppe zum regelmäßigen Ploggen (nähere Informationen und Kontakt hier oder über Facebook). Verschiedene Aufräumaktionen wurden bereits organisiert und auch wenn die sportliche Komponente wie bei dem Lauf in Marburg fehlte, waren die Resonanzen der Teilnehmer doch sehr positiv. Erschreckend fanden die Beteiligten jedoch, was an Abfall an den verschiedensten Stellen gefunden wurde – von übrig gebliebenem Silvesterfeuerwerk bis hin zu halben Kommodenschubladen.

Der Trend „Plogging“ könnte im Bezug auf den ersten Plogging-Lauf in Marburg als „Aufmerksammacher“ agieren, vielleicht auch die Idee des Müllaufsammelns an die Mitmenschen tragen. Wir tendieren jedoch dazu, so selbstverständliche Sachen gleich als „Trend“ zu markieren, um unseren Worten mehr Taten sprechen zu lassen. Dabei könnte man einfach auch mal mit mehr Selbstverständlichkeit während des Joggens das Müllaufsammeln einbauen. Deshalb selbst Initiative ergreifen und mit Freund:innen, Kommiliton:innen und Kolleg:innen Laufgruppen bilden, Müllbeutel schnappen und los geht’s! Andere inspirieren mitzumachen und neue Kontakte durch die gemeinsame Sache knüpfen. Denn wer will schon auf Lahnwiesen und Co. zwischen leeren Plastikflaschen, leeren Bierflaschen und den nervigen und sowieso unnötigen To-go-Bechern vom Bäcker um die Ecke sein Picknick genießen?

FOTOS: Stadt Marburg

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