Fahrradfreundliches Marburg – Fahrradfreundliche App

Fahrradfreundliches Marburg – Fahrradfreundliche App

Egal zu welcher Jahreszeit: Fahrradfahrer gibt es in Marburg immer. Aber wer in Marburg schon einmal Fahrrad gefahren ist wird wissen, dass es nicht immer einfach ist, sich im Straßenverkehr durchzusetzen. Oft muss man lange an einer roten Ampel stehen oder sich den Autofahrern fügen. Allzu oft kommt es vor, dass man am Berg nach einer geschalteten Ampel anfahren muss, was die Autofahrer hinter einem gerne an ihre Grenzen bringt. Eine neue App soll das Fahrradfahren in Marburg jetzt aber einfacher machen.

Dass Marburg eine fahrradfreundliche Unistadt ist, ist nichts neues. Fahrradwege schmücken die Straßen und Gehwege der Stadt, NextBikes und private Fahrräder finden an jeder Ecke Platz. Das Thema Fahrradfahrer, ist in Marburg vor allem in den letzten Monaten immer mehr in den Vordergrund gerückt. Am Freitag, den 14.06.2018, stellte der Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies ein neues Pilotprojekt vor, welches das Fahrradfahren in Marburg noch weiter vereinfachen soll. Und nein, es benachteiligt die Autofahrer nicht.

Sitraffic SiBike – Ein Muss für Fahrradfahrer:innen

Die neue Fahrradapp stammt von Siemens und wurde in Marburg erfolgreich getestet. Jetzt ist sie für alle Fahrradfahrer:innen erhältlich und soll das Fahrradfahren in unserer Stadt verbessern, sowie auch bald in weiteren Städten. Vom Prinzip her, ist es ähnlich wie bei Bussen die Grün anfordern: Der:die Fahrradfahrer:in hat die Sitraffic SiBike App während der Fahrt in der Tasche. Mittels GPS erkennt die App dann den Standort, die Geschwindigkeit und die Fahrtrichtung des Fahrrads. Kommt man an eine Ampel mit Auslösepunkt, wird dies der Verkehrszentrale gemeldet und die Ampel auf Grün geschaltet, beziehungsweise die Grünphase verlängert. Auf Grün wird geschaltet, wenn man sich der Ampel mit einer Geschwindigkeit von 8 – 30 km/h nähert. Das hat vor allem dann Vorteile für Auto- und Fahrradfahrer, wenn man sich einer Ampel auf einem Berg nähert, an der man als Fahrradfahrer:in den Verkehr beim Anfahren aufhalten würde.

Da Marburg hierfür als Teststadt fungierte, wurde bereits einige Ampeln so eingestellt, dass sie auf diese neue App reagieren und auf Grün schalten oder die Grünphasen verlängern. Weitere Ampeln sollen nun folgen. Die App ist für alle kostenfrei im Google Play oder Apple Store zugänglich und zeigt an, welche Ampeln diese sogenannten Auslösepunkte bereits haben. Auch werden die sich in Marburg in der Nähe befindenen NextBikes auf der App-Karte angezeigt. Ein weiterer Schritt in Richtung fahrradfreundliche Stadt.

Harmonie aller Verkehrsmittel

Von dieser neuen App verspricht sich die Stadt einiges. Vorallem aber ein harmonisches Zusammenspiel von allen Verkehrsbeteiligten. Der Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies erklärte am Freitag, dass dies keine Benachteiligung der Autofahrer darstelle. Im Gegenteil. Dass Fahrradfahrer:innen schneller weiterkommen und somit an den Ampeln keinen Rückstau verursachen, komme den PKWs entgegen und würde für mehr Platz auf den Straßen sorgen. Eine der Hoffnungen der Stadt ist es, dass immer mehr Marburger:innen nun auf Fahrräder umsteigen, da das Fahrradfahren in Marburg immer einfacher wird. Nach Vorstellung der neuen Sitraffic SiBike App testete der Oberbürgermeister selbst noch einmal die App aus, indem er an der Kreuzung am Erlenring mit dem Fahrrad entlangfuhr. Die App sorgte dafür, dass die Fahrradampel an der Kreuzung auf Grün schaltete und er problemlos weiterfahren konnte.

Bisher können Busfahrer:innen und Fußgänger:innen Grün anfordern. Für Autos wird der Verkehr so geregelt, dass es der Verkehrslage angepasst ist. Nur Fahrradfahrer:innen wurden bisher in der Hinsicht benachteiligt, da sie keinen Einfluss auf die Grünphasen hatten. Das soll nun anders sein. Mit der App soll nun garantiert werden, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt behandelt werden.

Weitere Infos zu der App findet ihr hier auf der Seite der Siemens AG. Dies App selbst könnt ihr euch direkt auf euer Handy runterladen und selbst testen!

FOTO: Stadt Marburg, Patricia Grähling

+ posts

Studiert "Sprache und Kommunikation" in Marburg und trinkt eindeutig viel zu viel Kaffee.

Ein Gedanke zu “Fahrradfreundliches Marburg – Fahrradfreundliche App

  1. Wofür genau sollte ich (als viel fahrender Radfahrer) mir jetzt diese App installieren? Ich sehe überwiegend Nachteile:
    • sich dafür ggf. ein Smartphone überhaupt erst anschaffen müssen (Gleichberechtigung…)? Okay, nicht so gewichtig, wer hat schon kein Smartphone … 😉
    • das eigene Bewegungsprofil an Siemens verschicken?
    • sich vor Fahrtantritt um die App kümmern müssen (mindestens GPS einschalten..)?
    • nach der Radtour leerer Akku?
    • zig Euro Steuergelder weniger für tatsächlichen Radwegausbau und ÖPNV

    Der von der Ampelsoftware geschaltete „Vorteil“ – allderings „situationsabhängig“:
    • entweder sechs Sekunden frühere Grünschaltung als für die Autos
    • sechs Sekunden Verländerung der Rad-Grünphase

    Wow.

    Diese App von Siemens (!!) hier als »Ein Muss für Fahrradfahrer:innen« anzupreisen, halte ich für ziemlich gewagt. Dass, wie im Artikel eingangs erwähnt, Marburg bereits eine fahrradfreundliche Unistadt sei, ist ein Hohn auf alle nicht motorisierten Bewohner*innen, die tagtäglich vom vielen Autoverkehr nur noch genervt sind. Die Stadt wird derweil nicht müde, zu betonen, dass Autofahrer nicht benachteiligt werden. Vor den Hintergrund des ohnehin krassen Ungleichgewichts – von Autos verstopfte Straßen und zugeparkte Radwege – einfach nur stumpf und ignorant. Die geplante Ausweitung des nicht voll ausgelateten Oberstadtparkhauses (Argument: stärkeren „Anreiz“ zu schaffen, dort zu parken..) reiht sich da ein und lässt das alles als Farce erscheinen. Nur weil Stadt und das profitträchtige Unternehmen Siemens (letzterer nebenbei gleichzeitig auch großer KFZ-Teilelieferant …) solche Dinge sagen, sollte man das nicht einfach nachplappern – sofern einem an einer ökologischen Verkehrswende in der Stadt tatsächlich etwas gelegen ist.

Kommentare sind deaktiviert.