Sneak-Review #118 – Love, Simon

Sneak-Review #118 – Love, Simon

Nicht noch ein Teenie-Film! Ja, die Sneak dieser Woche beglückt mit „Love, Simon“, Greg Berlantis Coming-of-Age-Dramedy rund um einen Jungen mit einem großen Geheimnis. Ja, es ist ein typischer Teenie-Film. Aber dahinter verbirgt sich mehr, als man auf den ersten Blick meint.

Simon (Nick Robinson) ist ein ganz normaler Junge an einer ganz normalen amerikanischen High School, der mit ganz normalen Problemen kämpft. Das größte darunter: Er ist schwul. Als er eine Mail-Freundschaft mit dem geheimnisvollen Blue beginnt, scheint er einen Verbündeten und Leidensgenossen gefunden zu haben. Beide sind schwul, beide haben nicht die Kraft, sich gegenüber Familie und Freunden zu öffnen. Schließlich wird Simon mit seinen Mails erpresst und zum Outing gezwungen. Wird er seine Freunde verlieren? Und wer ist Blue?

Typischer Teenie-Film…

Mit dieser Frage geht der Film fast schon zu geheimnisvoll um. Immer wieder werden andere „Verdächtige“ in der Rolle gezeigt, bis der Zuschauer fast noch verwirrter ist als der Protagonist selbst. Gleichzeitig liegt darin die Stärke der Geschichte. Sie ist authentisch und nachvollziehbar. Klar, es ist und bleibt ein Teenie-Selbstfindungs-Film mit ein bisschen zu perfekten Farben und einem hippen Indie- und Oldie-Soundtrack. Er arbeitet die typischen Themen und Klischees ab (der sensible Protagonist, der von den Schulrowdys aufgezogen wird, das unglücklich verliebte Mädchen, Freunde, die sorglos singend zusammen Auto fahren usw.).

Aber er schneidet dabei Themen an, die eben nicht nur Teenies betreffen. Es geht um Selbstliebe und Akzeptanz. Werte und Tugenden, die leichtfüßig und augenzwinkernd vermittelt werden. Simons Homosexualität hängt nicht als bleischwere Decke über der Handlung. Sie wird nicht zu ernst genommen, aber auch in keinem Moment veralbert. Stattdessen geht es darum, behutsam an diesen aktuellen und relevanten Aspekt heranzuführen und das Publikum für Simon, seine Freunde und auch seine Probleme zu begeistern.

… untypisch erzählt

Dazu nutzt „Love, Simon“ zunächst mit seinem Cast neben Hauptdarsteller Nick Robinson die unterhaltsamsten Nebencharaktere seit langem. Tony Hale als durchgeknallter, Smartphone-hassender Vizedirektor und Natasha Rothwell als schlagfertige und zynisch-frustrierte Leiterin der Theatergruppe machen einfach nur Spaß. Außerdem gibt es eine ordentliche Portion Alltagswitz, kombiniert mit einer Menge popkultureller Anspielungen. Mal geht es um Game of Thrones, mal um Trump und Obama und mal um Yoko Ono und John Lennon.

Einer der stärksten Momente dürfte aber sein, wenn sich Simon darüber aufregt, wieso sich eigentlich nur Homosexuelle outen müssen. In einem Tagtraum stellt er sich seine Freunde vor, wie sie ihren Eltern schweren Herzens verkünden, dass sie heterosexuell sind. Es gibt viele Tränen, Geschrei und Verhandlungen mit Gott. Damit bringt die Szene knapp auf den Punkt, wo das Problem liegt, und leistet durch verständnisvolle Lacher beim Publikum mehr Aufklärungsarbeit als es tadelnde Belehrungen je könnten.

„Love, Simon“ kommt am 28. Juni in die deutschen Kinos. 

 

FOTO: fox.de

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Hat in Marburg den Bachelor Deutsche Sprache und Literatur abgeschlossen und studiert jetzt, weiterhin in Marburg, den neuen Master Literaturvermittlung in den Medien.