Sneak Review #212: Massive Talent

Sneak Review #212: Massive Talent

Nicolas Cage hat für Vampire’s Kiss (1989) in Wirklichkeit Küchenschaben gegessen. Jetzt ist es ganz anders. Er spielt sich selbst. Braucht es da noch eine Einführung? Ein Versuch die Kritik an seiner eigenen Karriere aufzunehmen und eine Komödie auszuspucken.

Eine Parodie, Satire und halber Liebesbrief

Nick Cage ist ein kämpfender Schauspieler: Seine Karriere als Schauspieler steht kurz vor dem Aus, seine Tochter und ihre Ex-Frau sind von ihm enttäuscht und er ist bis zum Hals verschuldet. Er leidet am Schauspielersyndrom. Sein Ego und seine Obsession für die Schauspielkunst ernähren sich von seinen alten Rollen. Er war in der Vergangenheit erfolgreich, verliert aber allmählich die lebendige Seele eines Schauspielers, sodass seine dekadente Persönlichkeit ein Alter Ego erfand. Früher sehr beliebt und berühmt, bekommt er jetzt keine anständige Rolle mehr. Zu Addy (Lily Mo Sheen), seiner Tochter, hat Nick eine komplizierte Beziehung. Sie versucht die Interessen ihres Vaters mehr als ihre zu verstehen. Ihre Unzufriedenheit über den Mangel einer väterlichen Figur und die Karriere ihres Vaters kommen in Konflikt und setzen ihr zu. Sie versuchen mit einer Therapeutin zu reden, Nicks Aufmerksamkeit ist aber nicht da. An Addys Geburtstag kann Nick nicht anders und muss ans Klavier um seine Abwesenheit mit einem Lied zu übertönen. Seine Lachnummer kostet ihn ein Ultimatum von seiner Ex-Frau.

Auf der anderen Seite haben wir Javi (Pedro Pascal), das Ergebnis des Patriarchats. Er hat das Waffenkartell seines Vaters nach dessen Tod übernommen. Nicks Manager, Richard Fink (Neil Patrick Harris), bekommt Javis Einladung für eine Geburtstagsparty und bietet Nick für einen Auftritt auf der Party 1 Million USD an. Er fliegt bis nach Spanien ohne hohe Ansprüche und plötzlich wird er vom der CIA gefangen genommen. Javi entpuppt sich in tieferen Gesprächen mit Nick als Fan. Er scheint die Filmindustrie mehr als sein eigenes Leben zu lieben (Paddington 2 ist sein Lieblingsfilm). Auch hat eine kleine Streiterei mit Javis Cousin, Lucas (Paco León), der eigentlich der Chef des Waffenkartells ist gezeigt, dass Javi die Verbindung mit Nick über das Kartell stellt.

„Das steht dir aber ganz gut an!“

Endlich ein Film in dem das typische Stereotyp eines mexikanischen Drogenkartells abgebaut wird. Hier wird es durch ein spanisches Waffenkartell ersetzt. Die Drogenkultur aus Lateinamerika wird jahrelang von der Filmindustrie ausgebeutet, aber ein milderes Porträt kann nicht so viel ändern. Sogar die Kartelle für Haiflossen brauchen einen Film. Dazu kommt die unbefriedigende Rolle der CIA, die von Vivian (Tiffany Haddish) und Martin (Ike Barinholtz) vertreten werden. Die Expertise von der CIA war nie so richtig vorhanden und die Verantwortung das Kartell aufzudecken liegt auf Nicks Schultern.

Zwei Kleidungsstücke spielen eine wesentliche Rolle in diesem Film: Eine Lederjacke, die Nicks alter Ego trägt und die Schuhe von Javi und Nick. Menschen, die Leder tragen, haben eine besondere Wirkung. Sowohl in echt werden Menschen mit Vertrauen überwältigt und das Unmögliche wird versucht möglich zu machen, als auch in dem Film motiviert Nick sich selbst, die Rolle seines Lebens zu interpretieren. Kleiderstereotype beeinflussen die Interpretation der Rolle, so scheint es zum Beispiel nichts Aufregenderes als ein Cowboy ohne Stiefel für Nick zu geben. Auf diese Weise kommen sehr viele Befehle und Vorwürfe von Nick an Nick selbst, die vor Cringe strotzen. Es ist unangenehm zu sehen, wie Nick von dem anderen Nick degradiert wird und gezwungen wird seine Karriere über seine Familie zu stellen.

Slip-On Vans Schuhe sind vielseitig und sehen immer gut aus. Ein Mokassin ist stylisch und kann nur zu bestimmten Anlässen getragen werden. Als Nick die Vans trug und Javi die Mokassins, stellten sie fest, dass etwas nicht stimmt. Später tauschten sie die Schuhe mit viel Gefühlsduselei. Darauf konnten beide befreit schneller als der Wind laufen. Nick konnte alles. Sein Ego hat sich durch den Status der Kleidung ermächtigt und er hat sich keine Vorwürfe oder Gedanken mehr über seinen Talent gemacht.

100 Tonnen „Massive Talent“

Aus der Anfangsszene, in der ein Mädchen gekidnappt wurde, wird klar, dass es sich um eine Superheldengeschichte handelt. Handelt es sich letztendlich um eine Superheldengeschichte oder ein Comeback das nie wirklich kommt, da die Schauspielerei von Nick Cage immer was zu wünschen übrig lässt. Das Spiel mit den Kleidungsstücken zeigt, dass seine Charakterentwicklung viel Raum für seine Gefühle gibt. Letztendlich legt er aber mehr Wert auf seine Familie und Freundschaft. Eine entscheidende Charakterentwicklung von Nick. Es ist unvermeidbar, den Film mit Birdman (2016) zu vergleichen. Beide fokussieren sie sich auf den Schauspielerberuf und ziehen die Schwierigkeiten einer Tochter-Vater Beziehung heran. Vergleichen macht einem Spaß, aber so verschiedene Qualitäten und eine hervorragende versus eine „akzeptable“ Produktion würden in diesem Jahrhundert nie einem gemeinsamen Vergleichspunkt finden.

„The Unbearable Weight of Massive Talent“ läuft am 23.06 in den deutschen Kinos an.

Foto: Tom Gormican/ Lionsgate

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