Sneak-Review #220: Armageddon Time

Sneak-Review #220: Armageddon Time

James Grays neuer Film teilt uns mit, dass es Mut braucht, um die Kindheit zu verlassen, und das Zartwerden später kommt. Wir sehen Paul Graff (Banks Repeta) and Pauls Großvater, Aaron Rabinowitz (Anthony Hopkins) als untrennbares Duo während des Filmes.

1980, Queens, New York City. James Gray als Regisseur malt das träumerische Porträt von Paul Graff: Ein Kind, das in schweren Zeiten Entscheidungen wie ein erwachsener Mensch treffen muss. Paul geht zur Schule und trifft dort seinen neuen besten Freund Johnny Davis (Jaylin Webb), ein Afroamerikaner, der das Schulsystem mit Spielereien bekämpfen will. Währenddessen träumt Paul davon, ein berühmter Maler zu werden, obwohl seine Familie ihn für ein Kind ohne Träume hält. Besonders sein Großvater hat ihn mit Pep Talks angefeuert, ein Maler zu werden, doch die Jugendzeit hat ihn mit Unsicherheiten betrogen. Dem Großvater ist es wichtig, dass Paul glücklich wird. Denn sein Leben war schwer für ihn, allen voran wegen der Auswanderung seiner Eltern als Juden nach Nordamerika – und in dem Land der Opportunitäten sollten alle seinen Platz finden. Die Schule scheint erst ein Niemandsland für Paul zu sein: Er versucht offensichtlich Freunde zu finden, aber nachher kann er, der Klassenclown, mit Johny die Zeit verbringen. Paul wird aber später aufgrund seiner Prioritäten die Freundschaft opfern müssen. Mit frischen Gefühlen nach dem zweiten Weltkrieg versucht der Film in der Tat das Publikum mit rassistischen Konflikten einzuleuchten, denn während des Filmes gibt es einen konstanten Frust, wenn man das Gute tut und es scheitert, obwohl man niemanden verletzen wollte.

Wassily Kandinsky, Pionier für abstrakte Kunst. Paul Graff, Pionier für schlechte Entscheidungen

Paul ist in den Augen seiner Mutter, Esther Graff (Anne Hathaway), ein vorbildliches Kind. Die Abenteuer starten aber, als er sich mit Johnny unterhält und erfährt, dass die Gesellschaft in vielen Aspekten des Lebens unfair ist. Das passiert zum Beispiel, als Paul und Johnny von ihrem Klassenlehrer beschimpft werden, aber Johnny zuerst Ärger bekommt, ohne zu hinterfragen, ob Paul auch schuldig sein könnte. Oder wie Johnny sich von anderen afroamerikanischen Jungen im Zug als „traumlos“ bezeichnen lässt. Pauls Familie hat alles im Griff und ist finanziell stabil, während Johnny alleine mit seiner Großmutter lebt. So werden die Differenzen langsam zwischen den Beiden erklärt. Der Wendepunkt des Filmes passiert, als Paul und Johnny mit einem Joint in einer Toilettenkabine erwischt werden. Paul bekommt Ärger von seinen Eltern und wird zu einer Privatschule geschickt, um ihm eine bessere Zukunft gewährleisten zu können. Trotzdem ist ihre Freundschaft bis zum Ende erhalten geblieben. Der innere Konflikt von Paul entsteht, als er Besuch von Johnny in seiner neuen, privaten Schule bekommt. Andere Kinder haben sie sprechen sehen und Paul hat sich geweigert zu sagen, dass Johnny ein echter Freund von ihm ist. Es gbt ein Absperrgitter zwischen Paul und Johnny – zwischen dem Spielplatz und der Straße. Die Frage ist hier, wer will wen absperren?

Paul träumt ständig in der Schule mit offenen Augen. Das ist etwas, was seine überproportionale Vorliebe für das Malen widerspiegelt. Nach einem Schulausflug ins Guggenheim Museum ist er von Kandinskys Bild so fasziniert, dass er unbedingt seinen Traum, Maler zu werden, erfüllen will. Leider ist seine Mutter nicht überzeugt, sein Opa aber schon. Paul wird von ihm unterstützt und so bauen sie eine spezielle Bindung während des Filmes auf. Sein Opa hat ihn ermutigt, einen Unterschied zu machen, zum Beispiel sich für etwas einzusetzen, was ihn wichtig ist und dadurch die Meinung von anderen zu vergessen: Vor allem wenn andere Menschen seinem Freund rassistische Kommentare an den Kopf werfen. Der Opa betont, dass die Familie im Moment sehr privilegiert ist, weil seine Eltern auch gegen Antisemitismus gekämpft haben müssen. Es ist immer bedeutsam, wenn gute Werte an nächsten Generationen übertragen werden. Hier erlebt Paul Nächstenliebe und Bescheidenheit als Geschenk von seinem Opa. Dieser zeigt Paul, dass die Familie vor allem stehen muss, als er erfuhr, dass seine Eltern nur das Beste in der privaten Schule für ihn wollen, obwohl Paul nicht einverstanden war.

Armageddon (1998) und ein Meteorschauer auf die Erde

Unser Meteorschauer ist hier die Menge an Probleme und Fragen ohne Antworten, die seit Jahrzehnten die Gesellschaft verderben: Kann Rassismus noch das Leben von bestimmten Menschen vorbestimmen? Was bedeutet es, im 21. Jahrhundert privilegiert zu sein? Warum werden künstlerische Berufe hart kritisiert? Müssen Kinder die Erwartungen ihrer Eltern erfüllen? Ist Klassendenken richtig? Wir können die Antworten darauf in 115 Minuten Film nicht finden, doch können wir als Zuschauer:innen von einer bittersüßen Geschichte lernen, dass man Träume haben darf, ohne sich selbst zu enttäuschen, und, dass dabei wichtige Dinge wie Freundschaft und familiäre Unterstützung bedeutsam sein können. Der Film geht nicht tief genug darauf ein, dass zwar Kinder Verantwortung tragen können, aber das Umfeld das Richtige sein muss, um gute Entscheidungen treffen zu können (Konkret kann man sagen, dass der Einbruch von Paul und Johnny in die Schule, um einen Computer zu klauen überhaupt nicht schlau war). Am Ende bleiben nur die Privilegien übrig, wenn man sieht, wofür man Arbeit geleistet hat und was einem vorgegeben wird. Wer den saubersten Anzug trägt, hat immer die Antwort für alles. Man könnte behaupten, dass der Film einseitig wirkt, weil wir Johnnys unglücklichen Standpunkt als Außenseiter nicht sehen. Auch ein Beispiel dafür ist die Tatsache, dass die private Schule von Paul alle seine Probleme lösen würde.

Anthony Hopkins, großer Fan von Jelly Beans

Unser altes, zuverlässiges Duden-Wörterbuch hat als erste Definition für das Wort Armageddon ein „endzeitlicher Kampf zwischen Gut und Böse“. Allerdings kann die zweite Definition uns ein genaueres Bild für den Film teilweise geben: „Katastrophe“. Wie oben erwähnt, greift der Film nicht tief in Konflikte und es gibt keine Entwicklung der Figuren, weil man nicht tief eingreift (#Teufelskreis). Was ist am Ende mit Paul passiert und warum durfte er überhaupt die Geschichte von Johnny erzählen? Oberflächliche Beziehungen wie Pauls andere Freunde und die Nachlässigkeit dieses Schulsystems zeigen, dass Menschen immer Vorurteile gegen bestimmten Gruppen internalisiert haben. Das Gegenteil dazu ist Pauls Opa, der versucht, von der Familiengeschichte ein ehrlicher Mensch in Paul zu erziehen. Anthony Hopkins, MVP des Filmes, schafft in jeder Minute eine lockere Atmosphäre. In 115 Minuten Film kommt Paul als zickiges Kind herüber. Man hat auch mehr von Anne Hathaway und ihre Schauspielleistung erwartet, weil Mütter im Allgemein alles übertreiben. Die Beleuchtung hat teilweise die 80er Vibe geschafft, aber das war nur genug, um zu sagen: was für furchtbare Zeiten!

Armageddon Time erschien am 24. November 2022 in den deutschen Kinos.

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